Wir haben einen Wintergast

Vor knapp einer Woche, am Dienstagabend, ging ich wie jeden Abend mit unserem Hund seine Runde. Es war bereits dunkel und auch recht frisch. Somit lief ich flotten Schrittes, damit meine bereits in Handschuhen verpackten Hände auch warm wurden. Da blieb mein Hund auf einmal stehen und zog mich, an seiner Leine zerrend, an den Wegesrand.  Ja und  was glaubt  ihr, fanden wir da?

img_3942

Genau! Diesen kleinen Igel. Eingekugelt, klitzeklein. Mein Mutterherz erwachte sofort. Vorsichtig schaute ich ihn an. Er schien unversehrt zu sein. Also rief ich zuhause an. Mir war in der Sekunde klar, als ich den Winzling sah, dass dieser garantiert nicht dort alleine zurück bleiben würde. Warum er so alleine im Dunkeln herumirrte,  werden wir nie erfahren. Vielleicht ist seiner Mutter etwas passiert, denn eine Igelmama würde ihre Kleinen in diesem zarten Zustand niemals alleine lassen.   Meinem älteren Sohn, der der erste am Telefon war, gab ich Anweisungen: Umzugskarton herrichten mit Folie und Zeitungen, kleinen Karton suchen, der sich als Igelhäuschen eignet. Blätter aus dem Garten ins Häuschen stopfen. Zwei Schalen für Katzenfutter und Wasser sollten natürlich auch in den Karton. Das Freudengeschrei meiner Kinder war ohrenbetäubend.

Anschließend nahm ich die kleine Kugel in die Hand und marschierte mit unserem Gast nachhause. Dort wurden Hund, Igel und ich schon sehnsüchtig erwartet. Um zu wissen, mit wieviel Gramm ich es „zu tun hatte“, nahm ich meine Küchenwaage und setzte den Igel in die Schale. Ganze 250 Gramm wog er nur. Viel zu wenig, um den Winter draußen überleben zu können. Um das Igelchen nicht noch länger zu stressen, durfte er nach dem Wiegen in sein neues Zuhause einziehen. Er verschwand postwendend  in seinem Blätterhäuschen und war weg.

img_3943

Die erste Nacht verbrachte Sigi, so haben ihn meine Kinder getauft, im Erdgeschoss in einer Ecke im Wohnzimmer. Die Kinder wollten natürlich in seiner Nähe bleiben. Also schlugen wir unser Nachtquartier ebenfalls im Wohnzimmer auf dem Sofa auf.  Immer wieder konnten wir den Igelknirps rascheln hören. Am anderen Morgen war seine Futterschale leer. Gut, dass wir drei Kater haben. So war es kein Problem, ihn sofort nach seiner Ankunft mit Futter zu versorgen.

Nun ist es fast eine Woche her, dass Sigi zu uns kam. Er fühlt sich sichtlich pudelwohl. Immer wieder sieht man sein Näschen oder den kleinen Igelpo aus dem Häuschen schauen. Er schläft ganz offen und zutraulich. Tagsüber verzieht er sich und nachts frisst er. Am Montag werde ich ihn wiegen und bin bereits gespannt, wieviel er zugenommen hat. Seine kleinen Stacheln sind mittlerweile sehr pieksig, so dass ich ihn nur noch mit Handschuhen anfassen kann.

img_1082

Zu seiner Sicherheit brachte ich Sigi allerdings nach unten in den Keller. Dort wohnt er nun im Büro meines Mannes.  Unser Hund ist nämlich fürchterlich eifersüchtig. Als er sah, dass ich mich um das Igelkind kümmerte, hatte er nichts anderes zu tun, als seinen großen Hundekopf über den Karton zu beugen und den Igel anzubellen. Wie im wahren Leben – meine Kinder sind untereinander nicht anders.

Sigi wird nun über den Winter bei uns  bleiben. Wenn er groß und kräftig genug ist, darf er in der Waschküche in den Winterschlaf gehen. Nächstes Jahr, wenn er dann wieder aufgewacht ist und es draußen warm ist, werden wir ihn in ein Gehege in den Garten setzen. Er muss behutsam ausgewildert werden, da er ja vermutlich nie gelernt hat, wie man sich in der freien Natur zu verhalten hat. Aber bis dahin ist es ja noch relativ lange hin.

Wir werden die Tage solange mit ihm genießen!!

 

 

20 comments on “Wir haben einen Wintergast

  1. Oh wie süß 🙂
    Als ich klein war, haben meine Schwester, unsere Freunde und ich auch gerne Tiere geholfen 🙂
    Wir hatten einen Vogelbaby mal gefunden, der verletzt war und haben ihn geholfen und auch anderen Tieren 🙂
    Ich würde es bestimmt auch immer wieder tun <3

    Liebe Grüße
    Vivi

    1. Liebe Vivi, ich finde es schön, Tierfreunde wie dich, als Leserinnen zu haben! Wir sind wie du, wenn ein Tier Hilfe benötigt, bekommt es diese auch!

    1. Danke liebe Tanja, ich wünsche dir auch noch schöne Stunden! Und ja, der Kleine hätte den Winter niemals überlebt. Du bist auch Tierbesitzerin und weißt, dass man dann nicht mit dem Kopf über das Herz entscheiden kann. Tierliebe ist eben Tierliebe!

  2. Hach, was ein kleiner Schnuckel! Bald wird er bestimmt zulegen und ein wenig wachsen! Vor einigen Jahren haben wir auch mal einen Igel auf der Kellertreppe gefunden, er war hinunter gepurzelt und kam die Stufen nicht hoch, zu breiter Popo. Dieser wurde von uns in ein kleines Waldstück gebracht wo er ohne Menschen und ohne Autos in Frieden leben konnte. Der war aber echt mopsig. Deiner dagegen ist ja noch ein kleiner Babyigel. Mein Kater fand den großen Igel damals echt blöd, er hatte auch sein Futter bekommen – und sowas geht ja nun mal gar nicht 🙂 Viel Spaß noch mit eurem süßen Gast!
    LG
    Petra

    1. Danke liebe Perta. Ich denke, nächstes Jahr tragen wir einen hoffentlich großen Sigi auch ins Moor. Dort wird er es bestimmt gut haben.

  3. Hallöchen,
    ach, da ist ja der kleine Sigi! Einfach sooo niedlich und schön, dass ihr ihn erst einmal bei euch aufnehmen konntet. Bin gespannt, was er noch so treibt. 😉

    Viele Grüße
    Bloody

    1. Er hat zumindest Abenteuergeist! Heute Morgen fand ich ihn in der Waschküche. Da ist der Kerl doch einfach aus seiner Kiste geklettert. Es bleibt also spannend.

  4. Schön, dass Sigi bei euch überwintern darf! Niedlicher Knirps 🙂
    Hoffentlich nimmt er weiter schön zu und bekommt im Frühjahr keinen Schock, wenn er wieder ausgewildert wird und es kein leckeres Katzenfutter mehr gibt 😉

    Liebe Grüße!

    1. Da hast du recht. Die Auswilderung muss ganz langsam passieren. Wir holen uns dann noch professionellen Rat, um alles richtig zu machen. Aber noch darf er sich bei uns rundum wohl fühlen.

  5. Wunderbar, das Du ihn so schön umsorgst.! Da muss es ihm einfach gut gehen. Bin gespannt, wie es mit der Auswilderung klappt. Hoffentlich kommt er da draußen zurecht. Ich hätte ihn auch mitgenommen Ein tolles Erlebnis und ebenso tolle Fotos !

    1. Meine liebe Gisela, nun lebt der kleine Schatz schon seit 6 Monaten bei uns. Er schlief rund um Weihnachten in seinem Häuschen ein, und ist seit 2 Tagen (nun haben wir Mai) aufgewacht. Wir füttern ihn jetzt noch 2-3 Wochen und dann darf er wieder raus in die Natur. Wir haben für ihn einen schönen Platz, in der Nähe von Schrebergärten gefunden. Ein komisches Gefühl, ihn bald sich selbst zu überlassen. Aber ich bin sicher, er wird gesund und stark in sein eigenständiges Leben starten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 × zwei =