Weihnachten, aber bitte ohne mich!

Noch drei Wochen bis Heiligabend. So langsam wird es Zeit, sich ernsthafte Gedanken um die Weihnachtsgeschenke für die Liebsten zu machen. Die Wunschzettel meiner Kinder sind ellenlang und wer von euch Eltern kennt nicht den Satz:“ Mama, ich wünsche mir einen Hund / eine Katze zu Weihnachten“?

Ich kann diesen Wunsch mehr als gut nachvollziehen. Tiere sind etwas ganz tolles. Jedes Kind, das die Chance erhält, mit selbigen aufzuwachsen, kann sich glücklich schätzen.

Meine Kinder müssen diesen Wunsch nicht aufschreiben, denn wir haben vier Kater und einen Hund. Wenn es nach meiner Schwiegermutter gegangen wäre, wären wir jetzt natürlich ohne Haustiere, denn der erste Satz den sie damals von sich gab als sie hörte, dass wir Eltern werden war nicht:“ Oh wie schön, ich freue mich für euch“, sondern „Oh mein Gott, dann müssen die Kater weg!“.

Philipp und ich besitzen seit 15 Jahren ein altes „Katerpaar“. Die beiden kamen 2001 zu mir. Ich holte Patrick und Max damals aus dem Tierheim, nachdem meine Katze Nudel nach einem sehr langen und glücklichen Katzenleben für immer eingeschlafen war. Diese beiden Kater wollte niemand haben, da Patrick auf einem Auge nach einem Unfall blind ist, und Max war menschenscheu, da er von seiner ersten Besitzerin bis tief in seine kleine Katzenseele enttäuscht und verletzt wurde.
Als ich die beiden traf, war es auf beiden Seiten „Liebe auf den ersten Blick“. Der kleine Tiger Patrick hat ein unsagbar großes Vertrauen in den Menschen, da er bis heute keine schlechten Erfahrungen gemacht hat. Damals als er ca. 3 Monate alt war, muss er von irgendwo her los marschiert sein um prompt auf einer großen Straße überfahren zu werden. Der Autofahrer besaß allerdings ein Herz für Tiere. Er brachte den schwer am Kopf verletzten Kater in die nahegelegene Tierklinik. Patrick wurde gerettet. Nur sein linkes Auge war für immer verloren. Patrick ist sehr charmant. Er schafft es binnen kurzer Zeit, jeden um seine „Kralle zu wickeln“. Wie oft hörte ich den begeisterten Satz von unseren Besuchern:“ Oh ist der süß, den könnte ich auf der Stelle mitnehmen“. Und Patrick liebt Kinder. Als unsere geboren wurden war er es, der vor der Wiege schlief, der bei jedem Fläschchen geben dabei war – auch jede Nacht. Er begleitete die Dinos, als diese sich krabbelnd durch das Haus begaben. Er ließ es zu, dass beide Kinder sein Katzenfutter probiert haben. Ja, Patrick ist heute noch der Star bei jedem Kindergeburtstag! Selbst einer der Nachbarsjungen, der anfangs Panik vor ihm hatte, ist einer seiner größten Fans.image

Max hingegen hatte einen schweren Start in sein nun 16jähriges Katerleben. Als Katzenbaby kam der wunderhübsche schwarz –weiße Kater zu einer Frau, die nie zuhause war. Vermutlich wollte sie, WENN sie da war, in keine leere Wohnung kommen. Allerdings war sie das so gut wie nie. Max lebte tagelang alleine, ohne Futter, Wasser oder gesäubertes Katzenklo. Keiner spielte mit ihm, keiner streichelte ihn, keiner hörte anfangs sein Miauen. Doch dann wurden Nachbarn auf den kleinen Kerl aufmerksam. Sie beobachteten das Geschehen. Sie riefen den Tierschutz an. Max wurde der Frau weggenommen und kam ins Tierheim. Er war scheu. Berührungen ließ er nicht zu. Gefressen hat er nur, wenn er sich sicher war, dass kein Mensch in seiner Nähe war. Max ist ein sehr sensibler Kater. Er weiß Recht von Unrecht genau zu unterscheiden. Er wartet darauf, dass man auf ihn zu kommt, aufdringlich wäre er nie im Leben. Er ist ein unsicheres Tier, dem man wieder und wieder beweisen muss, dass er uns vertrauen kann. Das Tierheim war sein großes Glück, denn zum einen traf er dort Patrick. Dieser kam nach seiner Genesung ebenfalls ins Heim für Tiere, weil sich all die Wochen in der Tierklinik niemand gemeldet hat, um nach ihm zu fragen. Die beiden Kater sind seitdem die dicksten Kumpels .Zum anderen traf Max mich.

Meine erste Begegnung mit Max lässt sich nahezu als „magisch“ bezeichnen. Ich kam im April 2001 nach dem Tod von meiner lieben Nudel ins Tierheim, weil ich es nicht aushalten konnte, ohne Tier zu leben. Ich bin von klein auf mit Tieren aufgewachsen. Wer das von euch auch erlebt hat weiß was ich meine, wenn ich sage, ohne geht einfach nicht. Stimmt`s?

Die Dame, die mich durch die Reihen der Käfige begleitete meinte damals, als wir vor dem von Patrick und Max ankamen:“ Das sind unsere beiden Sorgenkinder. Sie sind seit fünf Monaten hier und keiner will sie haben. Patrick ist auf einem Auge blind, Max mag keine Menschen“. Nun, diese Aussage war es dann, die mich neugierig machte. Wer sind diese beiden, wollte ich wissen?!

Der zuckersüße Patrick, mittlerweile knapp 9 Monate alt, kullerte sich vor mir auf dem Boden, als er merkte, dass ich ihm meine Aufmerksamkeit durch die Maschen des Käfigs hindurch schenkte. Ein kleiner Clown, der sein bestes gab, um sein junges Katerleben zu retten. Ihr wisst, nicht vermittelbare Tiere werden nach einem gewissen Zeitraum eingeschläfert. Max war zu diesem Zeitpunkt nicht sichtbar. Wie immer lag er in seiner Höhle und machte sich unsichtbar. Neugierig geworden, denn Patrick ist wie die verstorbene Nudel ein kleiner Tiger, ließ ich mir die Käfigtüre öffnen, um direkten Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ich muss sagen, er hat mich mit seiner „Kullershow“ mitten in mein Herz getroffen, so süß war er. Als ich mit Patrick begeistert im Käfig spielte, er zog alle Register seines reichlichen Katercharms, stand plötzlich Max vor mir. Ich hatte sein Kommen überhaupt nicht bemerkt. Der große, hochbeinige schlanke schwarz-weiße junge Kater stand einfach nur da und fixierte mich mit seinen türkisfarbenen blauen Augen. Was denkt er sich, überlegte ich? Ich zwinkerte ihm zu, was in der Katzensprache so etwa „hallo“ heißt und beobachtete seine Reaktion. Max schaute mich weiterhin an, kam aber Pfote um Pfote näher auf mich zu. Ich blieb mäuschenstill sitzen. Patrick stoppte seine Kullern und saß neben mir. Dann stand Max vor mir. Gleich bekommst du eine gescheuert, war mein erster Gedanke. Aber Leute, genau das Gegenteil war der Fall. Der scheue Kater, der den Menschen mied, sprang auf meinen Schoß und knabberte ganz sacht an meinem linken Ohrläppchen. Ich hielt die Luft an, um diesen Moment nicht zu zerstören. Erst als ich ein leises Schluchzen vernahm, es kam von der Dame, die mich herum geführt hatte, drehte ich den Kopf. „Was haben sie mit ihm gemacht?“ flüsterte die Dame mit tränenerstickter Stimme während sie sich die Augen trocken wischte, „was haben Sie nur mit ihm gemacht“? Tja, diese Frage kann ich bis heute nicht beantworten. Es war aber ein göttlicher Moment, etwas ganz besonderes, etwas einzigartiges, das damals in diesen Minuten geschehen ist.
Patrick und Max sind nach diesem Ereignis eine Woche später bei mir eingezogen. Philipp, meine süße Tomate, erst ein Jahr später. Bis ich das Vertrauen von Max allerdings wirklich gewonnen hatte, vergingen Monate. Ein Wespenstich in das Mäulchen von Max am 3.10.2001 brachte die entscheidende Wende. Max war in Not, Max hatte Schmerzen, und ich habe ihn erneut gerettet. Das war wohl für ihn der entscheidende Beweis, dass ich ihn wirklich liebe. Seitdem vertraut er mir voll und ganz. Er hat mit mir mehrere Umzüge erlebt. Die Geburten der Kinder waren für ihn eine Beweisprobe, ob ich ihn dennoch nicht im Stich lasse. Er ist draußen Kater und war mehrfach verletzt und anderes mehr. Egal was war oder ist, ich bin da!

Als Patrick und Max eingezogen waren gab ich ihnen beiden das Versprechen, dass sie ihr gemeinsames Leben bei mir bleiben werden, komme was wolle. Sie wiederum bedanken sich bei mir mit einem langen Leben. Patrick ist nun 15 Jahre alt, Max 16.
Der Fellnasenclub erweiterte sich um einen weiteren Kater, als Dino 1 etwas älter als ein Jahr alt war. Philipp brachte Lionel, Tiger Nummer 2, mit nach Hause. Die Katze einer Arbeitskollegin hatte Junge bekommen. Sie wollte diese nur in gute Hände abgeben. Lionel hätte damals fast unsere Ehe zerstört, da ich meinem Ehemann eine Affäre mit besagter Monika angehängt habe. Warum? Das lag für mich glasklar auf der Hand. Warum schenkt eine Frau einem Mann etwas? Damit ER sich immer an SIE erinnert! Und dann auch noch ein Katerbaby…..

Auf die Idee, dass die Arbeitskollegin wirklich nur daran gedacht hat, die Katzenbabys in erfahrene Hände abzugeben, damit sie es gut haben, kam ich erst später. Lionel ist nämlich der einzige Kater aus dem gesamten Wurf, der bis heute am Leben ist. All seine anderen Geschwister sind leider bereits schon gestorben.

Zum Charakter dieses Katers kann ich sagen: er ist Garfield, er ist Primadonna, er ist Stinkstiefel in einer „Person“. Er frisst für sein Leben gern, sucht sich im Haus die kuscheligsten und wärmsten Plätze aus, er ist zickig wie eine Diva und er prügelt sich bis heute mit allen anderen Katern und Katzen aus der Nachbarschaft. Mit Lionel waren wir schon unzählige Male in der Tierklinik. Haarriss im Becken, aufgeschlitzte Arterie, ausgeschlagene Zähne, verschlossene Harnblase und und und. Leute ich sage euch, der Kater ist Luxus pur! Aber wir lieben ihn. Er schmust, wenn auch nur selten. Er verteidigt die anderen Kater seines Rudels. Er ist ein exzellenter Jäger, was die Wühlmäuse in unserem Garten alle das Leben kostete. Er hat sich Dino 1 als seine Bezugsperson ausgesucht. Jeden Abend schlafen Lionel und Dino gemeinsam ein. Egal wo er draußen unterwegs ist, pünktlich zum Einschlafen ist er da. Seine innere Uhr hat noch nie versagt.

Oh war das ein Drama, als der Kater einmal nicht nach Hause kam. Eine Woche lang suchten wir ihn. Wir bangten um ihn, wir weinten um ihn, wir beteten für seine Rückkehr. Ausgerechnet während der Weihnachtstage war er verschwunden. Doch dann kam der dritte Januar! Da stand er plötzlich um die Frühstückszeit wieder vor unserer Haustüre. Mager, durstig und schockiert. Wir vermuten, dass er irgendwo in der Nachbarschaft in einer Garage eingeschlossen war. Er roch modrig, muffelig und gammelig. Es liegt nahe, dass er sich in dieser Zeit von Mäusen ernährt hat, denn sonst hätte er diese lange Zeit des eingesperrt seins vielleicht gar nicht überlebt. Vermutlich sind die Leute zwischen Weihnachten und Silvester in den Urlaub gefahren. Ja, vermutlich und vermutlich. Die Wahrheit werden wir nie erfahren. Schade, dass Kater nicht unsere Sprache sprechen können!

Der jüngste Spross im Katerrudel stieß letztes Jahr zu uns. Eigentlich waren Philipp und ich uns einig, dass drei Kater absolut genug sind. Aber da haben wir nicht mit dem Schicksal, oder soll ich sagen, mit dem lieben Gott, gerechnet? Stellt euch einen sehr stürmischen, regnerischen und kalten Oktobertag vor. Samstag. Draußen dämmert es abends bereits. Die Dinos zogen sich gerade vor der Haustüre ihre Regenklamotten aus (sie sind draußen durch die großen Pfützen getobt) als plötzlich ein ohrenbetäubendes Geschrei losging. „ Mama, Mama, komm! Komm schnell!“. Ich stürzte zur Haustüre, weil ich natürlich dachte, es ist etwas ganz schlimmes passiert. Auf ein Blut verschmiertes Kind eingestellt, riss ich die Türe auf. „Was ist?“ schrie ich. Da zeigten meine Kinder stumm auf unseren Carport. Ich folgte den kleinen Fingern und sah ihn. Einen kleinen klitschnassen zitternden Haufen Elend. Er saß da, der Regen tropfte aus seinem Fell, und seine Augen bettelten mich an. Ich konnte ganz genau darin lesen:

“ Bitte hilf mir!“. Ach du meine Güte, ein Tier Baby in Not!

Ich sprach das triefende Etwas leise an und ging auf es zu. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass das kleine Kätzchen weg läuft. Falsch. Es blieb sitzen und schaute mich einfach stumm an. Ich nahm es vorsichtig in meine Hände.
Oh wie klein! Ihr könnt euch denken, dass ab diesem Moment bei mir fest stand, dass dieses Etwas bei uns einzieht und es gut haben wird, sofern es keiner sucht. Schnell rein gebracht in die warme Stube. Ich legte ein Handtuch auf die Heizung und rubbelte dann sanft mit dem warmen Tuch das Kätzchen trocken.

Und was meint ihr haben wir dazu bekommen? Genau, richtig! Einen kleinen Tiger Kater. Nachdem er trocken war schaute ich mir den süßen Kerl an. Klare Augen, kleine spitze gesunde Milchzähnchen, alle Krallen da, keine Verletzungen. Gesund ist er, dachte ich mir. Und Hunger hatte dieser kleine Schatz. Kohldampf, Bärenhunger, ein Loch in seinem kleinen Bäuchlein. Ich wusste ja nicht was er mag, deshalb bekam er von unserem Katzenfutter einen bunten Mix aus Dosen- und Trockenfutter. Er fraß, wartete ein paar Minuten, fraß, wartete ein paar Minuten, und so weiter.

Mittlerweile waren Patrick, Max und Lionel auf den Besucher aufmerksam geworden. Dieser wurde nämlich lebendig, nachdem er nicht nur trocken sondern auch satt war. Neugierig schaute er sich bei uns im Wohnzimmer um. Plötzlich von drei fremden Katern umzingelt. Damit kein Drama passiert, es könnte ja sein der kleine Busche wird von unserer Altherrenriga angegriffen, setzte ich mich zur Sicherheit neben ihn auf den Boden und nahm ihn in meine Hände.

Unser Max, der Boss des Katerrudels, kam als erster auf den Babykater zu. Keinerlei Anzeichen von Aggression erkennbar. Neugierde! Ich ließ den Findling auf den Boden. Auch dieser reckte seine Nase in Richtung großer schwarz-weißer Kater. Und dann das Unfassbare, Max schleckte den Kopf der kleinen Katze. Kennen die sich etwa??? Patrick, unser halbblinder Opa roch nur in seine Richtung und drehte sich dann um. Sollte wohl so viel heißen, wie:“ In Ordnung, genehmigt, akzeptiert, kann bleiben“. Der einzige, der sich ganze drei Tage zickig anstellte war Lionel. Er fauchte William, so hieß ab sofort Tiger Nummer 3, permanent an. Allerdings war Max stets in seiner Nähe, so dass Lionel eine Tracht Prügel kassiert hätte, wäre er auf die Idee gekommen, William angreifen zu wollen. Gesucht wurde William von niemandem. Nach einer Woche intensiver Recherche war somit sicher, dass Willi ab sofort mit zu unserer Familie gehört. Es liegt nahe, dass William vom in der Nähe gelegenen Bauernhof stammt. Dort liefen zur gleichen Zeit Kätzchen in seiner Größe und Farbe herum. Dem Bauern war es egal, ob William zu ihm gehört. Er war froh, einen Fresser weniger zu haben.

Der kleine Willi ist mittlerweile ein stattlicher, hochbeiniger hübscher Kater. Sehr vorsichtig. Er geht nie alleine vor die Türe. Wenn keiner der anderen Kater raus will (oder unser Hund), dann bleibt Willi lieber in der Terrassentüre sitzen und genießt so die frische Luft. Kurios ist, dass ausgerechnet Lionel die Rolle des „Erziehers“ eingenommen hat. Er bringt William das Verhalten draußen bei. Vögel und Mäuse jagen, vorsichtig sein bei Autos, fremden Menschen aus dem Weg gehen und niemals anfassen lassen. Zum Unterricht gehört auch das „Schulfach“: „Wie kämpfe ich mit fremden Katern?“. Den letzten Punkt der „Ausbildung“ nimmt Lionel natürlich besonders ernst. Taucht einer der zahlreichen Nachbarskater auf, rennt Willi wie ein geölter Blitz nach Hause in den sicheren Garten und Lionel verprügelt den Feind. Sollte er selbst in Not geraten kommen ihm Max oder unser Hund Brutus zur Hilfe. Ja, richtig gelesen, unser Hund ist Verteidiger in Notsituationen. Der schlaue Lionel verlegt den Kampfplatz meistens in die Nähe des Gartentores. Wird es brenzlig rettet er sich mit einem Sprung über das Tor. Sollte der Feind hinterher springen steht er einem zähnefletschenden Muskelpaket gegenüber. Mach ein Kater musste bereits ein paar Haare lassen, wenn Brutus ihn quer durch den Garten gejagt hat. Lionel beobachtet das Spektakel mit sichtbarer Begeisterung. Könnte er laut lachen, würde er es tun.image

Nun Leute, wie ihr seht, sind wir sehr Tier lieb oder soll ich sagen verrückt? Neben Hund und Katern versorgen wir draußen auch noch diverse heimische Vögel und Igel. Für uns bedeutet es keinen Aufwand jeden morgen früh aufzustehen, um nicht nur unsere Kinder mit Frühstück zu stärken, sondern auch noch die Tiere. Ist ein Tier krank oder verletzt fahren wir zum Arzt. Urlaube werden nicht spontan gebucht. Erst müssen Hund und Kater gut untergebracht sein. Ich habe in den vergangenen Jahren hunderte von Kilogramm Katzenstreu ins Haus geschleppt. Denn auch wenn die Kater raus dürfen, haben wir im Keller vier Katzentoiletten, die mehrfach täglich gesäubert werden. Das Futter für unsere Tiere ist wöchentlich auch ein stolzer Betrag, aber das stört uns nicht. Egal ob es stürmt, schneit oder regnet, Brutus darf mindestens drei Mal am Tag mit uns seine Gassi Runden laufen.

Als unsere Kinder klein waren, bekamen sie beide von Max bzw. Lionel einmal einen Kratzer verpasst. Da musste ich Mutter mir die Schuld geben, denn nicht die Katze war doof, sondern ich. Ich hätte besser auf die Katzensprache achten sollen, denn die ist eindeutig.

Was ich euch damit sagen will ist, Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke, die man überreicht, weil sie niedlich sind! Tiere sind Lebewesen mit einer Seele und einem kleinen Herzchen, das gebrochen werden kann.

Aus einer kleinen Katze wird auch eine große. Wer immer noch denkt, diese Tiere sind Einzelgänger, die man einmal am Tag zu füttern hat, liegt völlig falsch. Eine Katze kann auch keine Vögel oder Mäuse fangen, wenn sie es nicht von ihrer Mutter (oder wie bei uns von einem „Patenonkel“) lernt.
Auch der süße Welpe wird groß. Er muss bei jedem Wetter raus. Er kann nicht den ganzen Tag alleine gelassen werden. Wohin mit ihm im Urlaub? Wir planen zum Beispiel so, dass er zu 98% mit dabei ist.

Überlegt euch gut, ob ihr ein Tier in eurer Familie aufnehmen wollt. Das Haus wird nie wieder richtig sauber sein. Tiere verlieren Haare, die überall zu finden sind, egal wie oft du am Tag mit dem Staubsauger herum saust. Katzen spucken Fellballen aus, die sich durch das permanente Fell reinigen bei ihnen im Magen bilden. Bei uns bevorzugen die Kater dafür unsere Teppiche. Wäre ja zu schön, wenn ich die „Schweinerei“ von den Fliesen weg wischen könnte. Aber keine Panik, es gibt Teppichreiniger, der alles wieder sauber macht. Bist du wirklich dafür bereit, dieses in Kauf zu nehmen? Stell dir vor, du hast gerade alles schön gewischt, dein Boden glänzt und der Hund kommt aus dem Garten herein geprescht. Frische Erde an  den Pfoten. Binnen Sekunden ist deine ganze Arbeit „für die Katz“. Hältst du das aus, ohne dem Hund Vorwürfe zu machen?

Die Tiere werden hoffentlich auch bei euch alt. Bei uns ist es so, dass Kater Patrick seit einem Jahr etwas „tüddelig“ im Kopf ist. Er vergisst, dass er gefressen hat und steht ganz oft in der Küche und verlangt etwas. Er findet sich draußen nicht mehr gut zurecht. Somit ist der Garten für ihn so gesichert, dass er selbigen nicht mehr verlassen kann. Wer raus will aus dem Garten, muss springen. Leider dreht sich Patrick auch auf dem Katzenklo in die falsche Richtung. Soll heißen, er hält sein Popöchen brav über den Rand der Katzentoilette und den Kopf über das Streu. Was das bedeutet könnt ihr euch denken. Die meisten seiner Hinterlassenschaften landen vor dem Katzenklo anstatt darin. Wirst du ihn dafür nicht schimpfen? Wir haben seitdem antibakterielles Chlorspray bei den Katzentoiletten und Einweghandschuhe, damit lässt sich das Malheur beseitigen.

Bist du bereit, dein verletztes Tier auch nachts in die Tierklinik zu fahren? Das kostet meistens relativ viel Geld; ist dieses vorhanden?

Leute kauft nicht unüberlegt ein Tier für eure Kinder. Sind diese alt genug, sich auch darum zu kümmern?
Seid ihr sicher, dass das Tier nicht nach wenigen Wochen langweilig ist, wenn sich zum Beispiel das Katzenbaby keine Puppenkleider anziehen lassen möchte? Ganz generell, Tiere sind kein Spielzeug!

Wie steht es bei euch mit Tierhaarallergien? Sind welche bekannt? Und denkt daran, Hund ist nicht gleich Hund. Jede Rasse hat ihre besonderen Eigenschaften und auch „Macken“. Erkundigt euch, ob das Tier überhaupt zu euch passt. Wie oft treffe ich auf meinen Spaziergängen Hundebesitzer, die mit ihrem Tier überfordert sind, weil eine Deutsche Dogge einfach mal riesig wird oder ein Jack Russel nun mal ein Jagdhund ist.
Ich möchte euch darauf aufmerksam machen, dass ihr euch vor der Anschaffung gute Gedanken machen sollt. Prüft euch selbst auf „Herz und Nieren“. Seid ihr für ein Haustier bereit? Es müssen ja nicht nur Hund oder Katze sein. Auch Mäuschen, Hamster, Vögel, Hasen, Meerschweinchen etc. gehören dazu.
In diesem Sinne – habt eine schöne Vorweihnachtszeit! Vielleicht freuen sich eure Kinder, Freundinnen, Ehefrauen oder andere Partner auch über ein kuscheliges Stofftier!

7 comments on “Weihnachten, aber bitte ohne mich!

  1. So mega toll geschrieben und die Fotis herzallerliebst!!!!
    Ich predige das jedes Jahr in meine Gruppe, wenn sie anfangen zu erzählen, dass sie sich beispielsweise einen Hund wünschen. Geht gar nicht!!!! Gerade diese Geschenke werden sehr gern und sehr schnell ins Tierheim abgeschoben oder ausgesetzt.
    Wir haben keine Tiere, da meine Tochter eine Tierhaarallergie hat.
    Lg und ein tolles We

  2. Liebe Mia,
    das ist sehr schön geschrieben…trifft das Thema auf den Punkt!
    Ich kann dem nur beipflichten. Tiere sollten niemals leichtfertig angeschafft werden!
    Ich denke zwar auch, dass es für Kinder nichts Schöneres gibt, als ein geliebtes Tier zu haben, aber wie im Artikel beschrieben, sollte die Anschaffung sehr wohl überlegt sein….dann sind Kinder- und Tierseele HAPPY :))
    In meinem Freundeskreis wurde der Sohn sogar durch sein Hängebauchschwein, das dort in einem großen Gehege glücklich im Garten lebt, von seiner Magersucht geheilt…Tiere haben für Kinder bzw. Menschen allgemein eine sehr große therapeutische Wirkung!
    Liebe Mia, toll, dass du dich solcher Themen annimmst!! Weiter so!

    LG Vera

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