UPS, der GlückLöwe!

Jedem von euch ist die Redewendung „In ein Fettnäpfchen treten“ schon zu Ohren gekommen, oder? Das bedeutet, jemand hat sich ungeschickt angestellt, oder jemand hat einen Fauxpas (zu Deutsch: Fehler) begangen. Aber Leute, was mir vor ein paar Tagen passiert ist, gleicht einem „Sprung in einen Fettcontainer“!

Wie bei fast allen hier in Deutschland hat es Anfang der Woche endlich auch bei uns in Hamburg geschneit. Es schneite und schneite. Einen ganzen Tag lang. Wahnsinn, was für Schneemassen binnen weniger Stunden aus dem Himmel rieselten.

Am späten Nachmittag ließ der Schneefall für kurze Zeit nach. Und wie es sich für einen guten Hamburger Mitbürger gehört, ging auch ich zur Garage und holte den Schneeschieber heraus. Dick eingemummelt in meinen warmen Mantel machte ich mich ans Werk.

Puh war das anstrengend. Wir haben (in diesem Falle) „leider“ ein relativ großes Stück Fußweg vor dem Haus und an der Ecke rechts herum, am Haus entlang, zu fegen oder heute, vom Schnee zu befreien.

Wer von euch auch die Tage dieser Arbeit nach ging weiß, dass Schnee irgendwie ganz schön schwer ist, obwohl er so locker flockig aus dem Himmel herunter fällt. Soll heißen, ich kam bereits nach wenigen Metern ziemlich doll ins Schwitzen. Ich schob nämlich den Schneeschieber immer ein Stück vor mir her, und dann musste ich den angehäuften Schneeberg vom Fußweg weg an den Wegesrand auftürmen. Bis ich mit allem fertig war ist locker eine halbe Stunde verstrichen, oder etwas länger, denn ab und zu musste ich eine Pause machen.

Als ich alles geschafft hatte, rann der Schweiß unter meinem Mantel nur so in Strömen an meinem Oberkörper herab. Die Schweißperlen auf der Stirn bemerkte ich nicht, da diese in meinen Haaren festgefroren sind. Aber unter der Mütze hatte ich ebenfalls das Gefühl von „Hitzestau“.

Da meine Kinder mit einigen Kindern aus der Nachbarschaft draußen herum tobten, dachte ich mir, ich hätte gewiss nun eine gute Gelegenheit, kurz nach getaner Schweißarbeit rasch unter die Dusche zu springen. Ich finde es nämlich total ekelig, wenn mir die Klamotten „triefend“ am Körper kleben. Da muss ich raus. Dann ist mir nach „Reinigung“ zu Mute. Schön warm duschen, mit lecker riechendem Duschgel einreiben, die Haare ebenfalls mit toll riechendem Shampoo einschäumen und dann genussvoll alles minutenlang wieder abduschen. Aaaah, herrlich!

Ihr seht schon, ich bin eine kleine „Duftmaus“. Ich liebe es, gut zu riechen. Parfüm hält bei mir auch irgendwie nicht sehr lange. Aber ist es nicht herrlich, so sauber und frisch wieder aus dem Bad zu kommen, um sich dann erneut dem restlichen Tag zu widmen?

Okay, ich habe also die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Natürlich informierte ich meine Dinos zuvor, dass ich fertig mit schneeschieben bin und jetzt rein ginge zum Duschen. Sie mögen bitte nur im Notfall klingeln, da ich gleich für ein paar Minuten oben im Bad sei.
„Jaahaa!“ kam als Antwort zurück. Super, dachte ich, Message ist angekommen. Also ich rein ins Haus. Mantel, Mütze, Schal, Winterstiefel aus. Kurz Brutus begrüßen. Mein Hund war sichtlich empört, dass ich ihn drinnen gelassen hatte. Wäre aber doof gewesen ihn mit zu nehmen, da er vermutlich nichts Besseres zu tun gehabt hätte, als in den Stil des Schneeschiebers zu beißen.

Dann die Treppe nach oben geeilt. Rein ins Bad, extra Heizlüfter an. Wer duscht schon gerne in kühlen Räumen, ich nicht?! Während sich die Raumtemperatur Stück für Stück der 30* C Marke näherte, zog ich mich aus. Igitt waren mein T-Shirt, die Unterwäsche und sogar meine Socken nass geschwitzt.

Ich wollte gerade in die Dusche steigen, da klingelte es. Ich öffnete das Badefenster eine kleinen Spalt und rief runter:“ Ich bin oben im Baaahaaad“! „Mama ich muss, ganz dringend!“ kam von unten vor der Haustüre die Antwort von Dino 2. Okay, das ist wichtig. Ich also in den Bademantel geschlüpft, Band zu geschnürt und barfuß die Treppe runter zur Haustüre.

Pfui, eiskalt an den Füßen! Türe auf, Dino rein aufs Gäste Klo. Minuten später wieder raus zu den anderen.

Ich erneut Treppe hoch ins Bad. Herrlich!! Schön warm! Meine Füße waren Eisklötze. Erst kurz vor den Heizlüfter stellen und selbige von der wundervoll warmen Pusteluft „auftauen“ lassen. Bademantel aus. Erneuter Versuch in die Dusche zu steigen.

Aber was soll ich sagen, just in diesem Moment klingelte es wieder. Badefenster von mir gereizt aufgerissen. Unverschämtheit! Ich hatte doch gesagt, ich würde duschen! „Ja, was ist?“ rief ich runter. „Mama ich habe Nasenbluten“ Dino 1. „Julian hat mir einen Schneeball ins Gesicht geworfen“. Auch ein Notfall. Badefenster wieder zu, erneut Bademantel an, dieses Mal auch meine Puschen für die Füße angezogen, raus aus dem Bad, Treppe runter, Haustüre aufgemacht.

Oh ja, das sah übel aus. Aus der Nase meines großen Dinos floss das Blut stark. „Oh je, komm schnell rein. Das muss versorgt werden“ sagte ich und zog mein Kind mit Schneeanzug und Stiefeln ins Haus. Ich brachte ihn zum Sofa und legte ihn hin. Schnell Küchenhandtuch aus der Schublade und Eisbeutel aus der Gefriertruhe geholt. Zuvor Blut kurz weg gewischt. „Halt das auf die Nase“ meinte ich. Dann holte ich ein zweites Kühlkissen für den Nacken. „Gar nicht schlimm“ meinte ich zu meinem Sohn, weil der mich mit großen Augen ansah. „Das hört gleich auf zu bluten“. Und so war es dann auch. Kühlen ist doch immer noch das beste Mittel.

Als die Nase wieder „blutfrei“ war, wusch ich meinem Kind das Gesicht und holte den anderen Schneeanzug aus dem Keller, denn den, den er jetzt an hatte, konnte er nicht weiter tragen, da er oben im Brustbereich und vorne am Ausschnitt mit Blut voll getropft war.

„So Großer, hier ist der Haustürschlüssel. Den nimmst du jetzt mit. Falls etwas ist, könnt ihr rein. Ich möchte jetzt endlich unter die Dusche hüpfen dürfen! Mir ist schon wegen euch total kalt! Auf Schnupfen habe ich so gar keinen Bock, okay?!“ sagte ich zu meinem Kind, als dieser wieder fröhlich aus der Türe sprang. „Ja Mama, versprochen. Wir stören nicht mehr“ war seine Antwort.
Genau liebe Leser, danach ich wieder die Treppe rauf, ins Bad und so weiter, und so weiter. Aber dieses Mal kam ich in die Dusche!

Weil ich von meinem mehrfachen Treppe runter und wieder rauf Gerenne ganz schön durchgefroren war, blieb ich etwas länger unter der Brause stehen. Herrlich! Wundervoll! Wohltuend!

In süßen Duschgel Duft gehüllt stieg ich aus der Dusche und trocknete mich ab. Ich weiß nicht wie ihr das dann so handhabt, jedenfalls creme ich mich anschließend stets ein. Ich verwende zwar schon entsprechendes Feuchtigkeit spendendes Gel, aber meine Haut ist im Winter immer sehr trocken, so dass ich ihr ein zusätzliches Verwöhn Programm schenke.

Beim zweiten Bein angekommen klingelte es. War ja klar, dass die Kinder es nicht durchhalten bis ich fertig bin. Egal, ich lasse mir Zeit, sie haben einen Schlüssel! Dann klingelte es erneut. Und nochmal und wieder!

Sind die denn völlig bescheuert? Was erlauben die sich? Aber im selben Moment schoss mir in den Kopf „Sturmklingeln = Supernotfall!“. Oh mein Gott!

Genau in dem Moment, als ich in Panik aus dem Bad stürzen wollte, hörte ich sie unten aber fröhlich lachen. Kein Notfall! Ich spürte Erleichterung!

Klingel, klingel!

Jetzt schlug meine Stimmung in Wut um. Verdammt noch einmal. Wie unverschämt ist das denn? Da gebe ich ihnen einen Schlüssel mit und die klingeln trotzdem weiter. Na warte! Jetzt gibt es ein Donnerwetter. Nicht mit mir!!

Ich riss die Bad Türe auf, rannte so schnell ich konnte die Treppe runter, durch den Flur zur Haustüre und selbige wurde dann mit einem Ruck von mir geöffnet. „Jaaaaaaaa!“ schrie ich. Aber nicht in die Gesichter meiner Kinder, sondern in das von Herrn Mufaro Aleeke, „unserem“ langjährig bekannten kenianischen Paketboten vom Internationalen Paket Service.

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Dieser begrüßt mich normalerweise mit einem strahlenden Lächeln und den Worten: „Guten Tag Frau Bruckmann, ich habe etwas für Sie“. Heute nicht. Heute machte er seinen Mund auf, schloss diesen wieder und meinte:“ Ups!“. Anschließend öffnete er seine Uniformjacke, zog sie aus und reichte mir diese hin mit den Worten:“ Frau Bruckmann, Sie erkälten sich“.

Was soll ich sagen? Erst in diesem Moment wurde mir klar, dass ich vor diesem Mann ausschließlich in Unterwäsche gekleidet an der Haustüre stand.

Gott war mir das PEINLICH! Ich wünschte mir, der Boden ginge auf, und ich könnte einfach verschwinden. Oder ich hätte eine Tarnkappe griffbereit und ich wäre binnen Sekunden unsichtbar. Da aber nichts davon geschah, stammelte ich verlegen:“ Herr Mabuto Adele, ähm falsch, Herr Matutu Mikele, … ooooh…“. Ich verstummte. Die Situation wurde für mich von Sekunde zu Sekunde peinlicher!

Mit gefasster Stimme, höflich, ganz Gentleman like antwortete unser Paketbote: „Frau Bruckmann, holen Sie sich doch kurz einen warmen Mantel und Schuhe, ich warte hier sehr gerne so lange“.

Danke! Danke Herr Mufaro Alleke für diese Worte! Sie sind mein Retter aus der Peinlichkeit!

Ich schloss rasch die Haustüre und verließ eilends den Flur. Hoch ins Bad. Meine Güte war mir kalt, obgleich meine Backen im Gesicht feuerrot glühten. Ich schaute in den Spiegel und sprach zu mir:“ Mia, du dusselige Blödkuh!“. Diesem Mann kann ich doch nie wieder in die Augen schauen, schoss mir durch den Kopf. Der muss doch denken, ich will ihn blöd anmachen. Meine Güte, der ist verheiratet (er trägt zumindest auch einen Ehering). Oh weh, was mach ich denn jetzt?

„Einfach nicht mehr runter gehen“ war mein erster Gedanke. „Nein, das geht nicht, er wartet unten“ der darauf folgende. Also zog ich mir meinen plüschigen Bademantel zum wiederholten Male an und schnürte ihn gut zu. Ich zog ein paar Strümpfe an, sowie meine Puschen und ging mit einem komischen Gefühl in der Magengrube zurück an die Türe. „Was sag ich bloß, was sag ich bloß?“ überlegte ich währenddessen die ganze kurze Zeit zurück.

Ich öffnete die Türe und vor mir stand erneut Herr Mufaro Aleeke. „Guten Tag Frau Bruckman, ich habe hier etwas für Sie“ begrüßte mich selbiger und lächelte mich freundlich an.

Danke, zum zweiten Mal!!!!

„Das ist ja prima“ war meine Antwort. Ich nahm das Paket entgegen. „Bitte hier unterschreiben und dann bin ich wieder weg“ meinte der Herr und hielt mir sein Registriergerät unter die Nase. Ich kritzelte ein unleserliches BRUCKMANN darauf. Mit einem höflichen „Tschüss bis zum nächsten Mal“ verabschiedeten wir uns voneinander. Dann schloss ich die Türe. Geschafft!

Nachdem ich mich rasch fertig angezogen hatte, rief ich Philipp an, um ihm von meinem Erlebnis zu berichten. Der lachte mir schallend ins Ohr. Typisch Mia, meinte er, das könnte auch nur mir passieren!

(Und ihr Lieben, ich möchte euch nur kurz noch etwas sagen. Ich habe den Namen unseres Paketboten im Internet recherchiert. Wisst ihr, was der Name „Mufaro Aleeke“ bedeutet? Die Übersetzung lautet: „Glück und Starker Löwe“).

10 comments on “UPS, der GlückLöwe!

  1. Oh, nein… Ich hab’s die ganze Zeit geahnt. Oh weh. Was für eine tolle Story und was für ein wunderbarer Paketbote. Irgendwann ist Gras drüber gewachsen und…es hätte ja sogar noch schlimmer kommen können.

    1. Ja, liebe Steffi, unser Paketbote ist einfach durch und durch ein Gentleman! Ich hoffe, das nächste Paket kommt nicht so schnell!!!

  2. Meine liebe Mia,
    ich hoffe du verzeihst es mir, dass ich mich köstlich amüsiert habe. Ich hatte es richtig bildlich vor mir, was dir da passiert ist. Cool wie dein Mann reagiert hat, hihi…
    Ich bin gespannt, wie du das nächste Mal, wenn du auf deinen Postboten triffst, reagierst….
    Du weisst, dass ich deinen Schreibstil total mag, so lebendig geschrieben!!!!
    Hab ein tolles We ohne Fettnäpfchen
    Liebste Grüße Sandra

    1. Liebe Sandra, es ist völlig okay, dass du dich amüsiert hast! Das geht allen so, die mein Erlebnis kennen. Philipp nimmt meine Sprünge von Näpfchen zu Napf sportlich. Er weiß, dass er mit mir die treueste Seele aller Zeiten an seiner Seite hat. Und was den Boten betrifft: ich hoffe, das nächste Treffen lässt auf sich warten ( oder mein Mann ist dann zuhause, um an die Türe zu gehen). Ich brauche etwas Zeit, um mich wieder “ sicher“ zu fühlen.

  3. Auch ich fand deine Story total lustig. Allerdings dachte ich beim Lesen, sie wird doch nicht nackt runter gelaufen sein …lach.

    Deine Art zu schreiben, ist einzigartig. Man kann nicht aufhören zu lesen. Mach weiter so.

    Liebe Grüße Sabine

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