Strandgut von Benjamin Cors

Fakten:

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Erscheinungsdatum: 2016

Umschlaggestaltung:  Johannes Wiebel / punchdesign, München

Druck und Bindung: Druckerei C.H. Beck, Nördlingen

ISBN: 978 – 3 – 423 – 21632 – 6

Gedruckt auf säurefreiem, chlorfrei gebleichtem Papier

 

Zum Autor:

Benjamin Cors ist politischer Fernsehjournalist und hat viele Jahre für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtet. Heute arbeitet er als landespolitischer Korrespondent für den SWR. Er ist Deutsch-Franzose und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht. Für sein Debüt  “ Strandgut“ erhielt er 2016 den Friedrich-Glauser-Preis. 

Blick ins Buch:

„Ein unverzeihlicher Fehler vor den Augen der Weltöffentlichkeit: Versehentlich schlägt der junge Personenschützer Nicolas Guerlains seine eigene Schutzperson nieder, einen Minister der französischen Regierung. Seine Karriere ruiniert – Nicolas wird in seine alte Heimat, den Badeort Deauville in der Normandie, strafversetzt. Dort soll er die örtliche Polizei im Vorfeld des bevorstehenden internationalen Gipfels beraten. Auch wenn er von den neuen Kollegen nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird, scheint dies doch eine der leichteren Übungen für Nicolas zu werden. Bis sich plötzlich der Verdacht eines auf dem Gipfel geplanten Anschlags erhärtet… Dann wird auch noch eine abgetrennte Hand an den Strand gespült – direkt vor Nicolas´Füße.“  

Covergestaltung:

Auf Gelb-Weißem Hintergrund, der einem Sonnenaufgang ähnelt, sind eine Strandpromenade mit prachtvollen Villen, sowie der davor liegende Strand mit einem alten angespülten Baum abgebildet. Da im Kriminalroman so manches an den Strand angespült wird, passen Titel und bildhafte Darstellung sehr gut zum Inhalt des Buches.

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Aufbau und Schreibstil:

Der Roman ist in drei Teile aufgeteilt. Der erste Teil beginnt mit einem Handlungsrückblick, einer Art Einleitung, dem anschließend 18 Kapitel folgen. Dem zweiten Teil, der ebenfalls mit der Vergangenheit anfängt, folgen Kapitel 19 bis 38. Auch der letzte Teil wird mit einem erklärenden Geschichtsrückblick eingeleitet und anschließenden  führen 9 Kapitel den Leser zum vorläufigen Ende des  Romans. Der Roman besteht insgesamt aus 419 zu lesenden Seiten.

Die Fortsetzung zu „Strandgut“ findet der Leser im zweiten Band der Normandie-Krimi-Reihe um den jungen Personenschützer „Küstenstrich“.  

Der Schreibstil ist anspruchsvoll. Die Handlung ist sehr verschachtelt. Es gibt viele Zeit- und Handlungssprünge. Der nicht chronologische Geschichtsverlauf macht das Lesen komplex. Der Leser muss die dadurch leicht unübersichtliche Handlung mit Konzentration lesen, um nicht den „roten Faden“ zu verlieren. Die in einander verflochtenen Handlungsstränge gehen teilweise nahtlos in einander über, sodass das Lesevergnügen die Begeisterung des Lesers für solch einen Schreibstil voraussetzt.  

Meine Meinung:

Der Einstieg ins Buch ist etwas prekär. Vielleicht ist es für Sie als Leserin und  Leser hilfreich, sich den Aufbau des Kriminalromans wie eine Matrjoschka (eine Russische Stapelpuppe) vorzustellen. Diese sind aus Holz gefertigt und ineinander schachtelbar. Man öffnet die Puppe von außen nach innen, bis die kleinste Puppe zum Vorschein kommt.

So habe ich es bei der Geschichte empfunden. Der Autor arbeitet sich vom weit entferntesten Punkt nach innen zum Kern des Romans vor. Um einen Überblick zu behalten, sind die kurzen Kapitelüberschriften sehr nützlich.

Ich hatte den Eindruck, dass Benjamin Cors diese Geschichte persönlich am Herzen liegt. Eine tragische Handlung, die am Ende für alle Hauptfiguren des Romans jeweils ein ureigenes Fazit parat hat. Nicht das spannungsgeladene „Actionpaket“, sondern die zwischenmenschlichen Schicksale stehen im Focus des Geschehens.

Fazit:

Mir persönlich hat „Strandgut“ gut gefallen. Etwas mühselig war es, sich wie ein kleines „Würmchen“ durch die verschachtelte Handlung hindurchzubeißen, bis die Geschichte mit einem  packenden Finale ausklingt. Wer sich eine offensichtlich mitreißende und hochspannungsvolle Handlung erhofft, wird womöglich enttäuscht sein, da der Leser gefordert wird, die „Matrjoschka“ bis zum Kern zu „entkleiden“, um den Zusammenhang des Kriminalromas erfassen zu können.

Trotz der künstlerisch hochwertigen Schreibweise ist der der Verlauf der Handlung so geschickt konstruiert, dass ich als Leserin gebannt Buchstabe für Buchstabe „verschlang“. Die nette Anekdote mit „dem schlauen Hund“ ist amüsant, und bis zum Ende steht die Frage im Raum: „Was ist mit Julie, der plötzlich verschwundenen Freundin von Nicolas Guerlains, passiert?“

Dem Autor gelingt es auf unkonventionelle Art und Weise seinen Lesern die Romanhauptfigur „Nicolas Guerlains“ vorzustellen. Wie im gesamten Roman selbst, ist auch das Psychogramm des jungen Personenschützers gewandt in die Gesamthandlung verstrickt.

„Strandgut“ fordert ein konzentriertes Lesen, ist aber als Gesamtwerk ein stilistisches Kunstwerk und für Leser/innen, die gerne mit „Köpfchen schmökern“ ein geistiger Genuss.  Deshalb erhält dieses Buch von mir 4,7 von 5 möglichen Sternen.

 

 

 

 

 

Herzlichen Dank an den dtv Verlag, dass ich dieses besondere Buch lesen und rezensieren durfte!   

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