Patrick stieg in den Sternenwagen ein

Vor ein paar Tagen ist unser 15jähriger Tigerkater Patrick gestorben. Er war seit seinem 6. Lebensjahr Diabetiker, und die Prognose lautete, dass er vermutlich nur 10 bis 12 Jahre alt wird. In der letzten Zeit bemerkten wir, dass er gesundheitlich abbaut. Wir sprachen davon, dass unser Liebling  wohl nicht mehr Jahre leben wird. Es war nun aber für uns alle ein Schock, dass Patrick sich noch vor dem Weihnachtsfest entschlossen hat,  in den Sternenwagen zu steigen. 

Jeden Morgen, wenn ich nach unten ins Erdgeschoss komme gilt mein erster Blick immer den Tieren. Alle da? Alle wohlauf? So auch am vergangenen Donnerstag. Patrick lag wie jeden Morgen auf seinem Platz auf dem Sofa. Max und Wilhelm saßen schon in der Küche vor ihren Futterplätzen, ebenfalls wie jeden Morgen. Lionel saß vor der Terrassentüre. Er ist morgens stets der erste, der das Haus verlässt. Er inspiziert immer erst  den Garten. Könnte ja sein, dass ein fremder Kater es gewagt hat, hier sich aufzuhalten. Brutus kam mit Schwanz wedelnd entgegen.

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Patrick atmete an jenem Morgen schwer. Ich ging hin und  streichelte ihn. In der letzten Zeit hatte er ab und zu einen doofen Tag. Den Tag davor stand er noch auf und freute sich, als meine Hände liebkosend über sein Fell strichen, diesmal blieb er liegen. Ich kann euch nicht genau beschreiben was an diesem Morgen anders war, aber ihn umgab etwas, das ich nicht fassen aber spüren konnte.

Da mich jedoch meine allmorgendliche Arbeit in Anspruch nahm, wurde ich davon abgelenkt. Normalerweise kam Patrick immer, wenn er hörte, dass ich die Futterschalen säubere und neu befülle. Er war immer ein begeisterter Esser. Am  Donnerstag interessierte ihn dieses nicht.

Natürlich ist es mir aufgefallen, aber es kam mir vorerst nicht seltsam vor. Der kommt schon noch, dachte ich mir. Brotdosen füllen, Getränke in die Schulranzen, Kinder wecken und und und (was eben morgens so an steht) beschäftigte mich die weitere Zeit. Erst nachdem ich die Kinder in die Schule gebracht hatte und Patrick immer noch auf seinem Sofaplatz lag und nicht fressen wollte beschlich mich ein komisches Gefühl. Ist Patrick krank? Er atmet so schwer.

Philipp ist bei der Arbeit, wo sonst, deshalb schrieb ich ihm:“ Patrick geht es nicht gut.“. Zurück kam, ich solle mir keine Sorgen machen, dem alten Herrn ginge es später bestimmt  wieder besser. Okay, keine Gedanken machen. Ich neige eh dazu, mir ständig den Kopf zu zerbrechen. Aber so sehr ich mir auch Mühe gab,  ich war immer mit einem Ohr dabei, auf Patricks schwere Atmung  zu hören.

Der alte Kater hatte mittlerweile seinen Platz vom Sofa auf den Boden verlagert. Die Atmung gefiel mir ganz und gar nicht. Es klang so, als ob er eine verstopfte Schnupfennase hätte und nicht richtig Luft holen könnte. Wir alle wissen, wie ekelhaft sich das an fühlt. Ich vermutete, dass er sich am Tag zuvor erkältet hat, als er trotz Dauerregen tapfer durch den Garten trottete, um sein Geschäftchen zu machen.

So gegen Mittag, nachdem ich die Kinder von der Schule geholt  hatte, rief in der Tierklinik an. Mein Bauchgefühl riet mir, mich an den Tierarzt zu wenden. Auf mein Bauchgefühl kann ich mich nämlich zu 100% verlassen, ihr auch? Ich bekam gleich einen Termin für 15.45 Uhr. Da spürte ich eine gewisse Erleichterung. Bald würde Patrick Hilfe bekommen. Eine Antibiotikaspritze oder so, und es wäre bald wieder alles gut.

Vom Alltag abgelenkt verging die Zeit. Kurz vor unserer Fahrt zum Tierarzt kam Lionel die Treppe herunter. Der wasserscheue Kater geht bei Schmuddelwetter nicht raus. Wir haben ja Katzentoiletten. Unser „Kampfkater“ hält sich bei Regen lieber im kuschelig warmen Haus auf. An solchen Tagen sind ihm sogar die Kater aus der  Nachbarschaft egal. Sollen sie doch durch den Garten laufen. Um sie zu verjagen hat er Brutus, unseren Hund.

Lionel hörte Patricks schwere Atmung und ging zu ihm. Er schnupperte an ihm. Ausführlich. Dann setzte er sich vor ihn hin. Lionels Blick suchte den meinigen. Als sich unsere Augen trafen sah ich die Veränderung, die Botschaft. Lionel hatte einen wissenden Blick. Eine Aussage stand in seinen Augen. Ab diesem Moment schlich ein Gefühl in meinen Bauch. Eine unangenehme Ahnung.  Als ob eine leise Stimme immer wieder anklopfte und „Hallo, ich will dir etwas sagen“ hauchte. Nein, ich will dich nicht hören! Sei still! Nicht aussprechen, verstanden!

Ich setzte mich neben Patrick und streichelte ihn. Leise sprach ich dabei zu ihm. Ich sagte ihm, dass Lionel mir eben etwas mitgeteilt hat. Ich sagte ihm, dass es okay ist. Das „WAS“ wollte ich nicht aussprechen. Kennt ihr das? Etwas nicht sagen wollen, damit das „ETWAS“ nicht wahr wird?  

Ich dankte Patrick für all die schönen Stunden, die er uns geschenkt hat. Tränen stiegen in meinen Augen auf. Patrick schnurrte. Ich konnte deutlich spüren, wie gut es ihm tat, dass ich neben ihm saß und ihn sanft streichelte. Er legte sein Köpfchen in meine Hand und drehte sich auf den Rücken. So wie er es immer tat, wenn er die Streicheleinheiten genießt. Schwer wurde mein Herz dabei, unendlich schwer.

Ich schrieb erneut Philipp:“ Ich fahre mit Patrick jetzt in die  Tierklinik“. Mein Mann war über diese Mitteilung entrüstet. Er antwortete, dass er der Meinung ist, ich würde wieder einmal übertreiben. Er sei sich sicher, dem Kater ginge es später wieder besser. Aber ich solle zum Arzt fahren, damit Patrick Medizin bekommt, um wieder besser  atmen zu können. Gerne hielt ich mich an diesen Worten fest. Philipp wird  Recht haben. Ganz bestimmt!

Meinen Kindern habe ich von all meinen Ahnungen und meinen verdrängten Gedanken bislang nichts erzählt. Sie  waren fröhlich. Ich sagte ihnen nur, der Patrick hätte eine Erkältung und ich hätte das Gefühl er müsse zum Arzt. Das war für  meine Kinder völlig in  Ordnung. Sie wissen, sie können meinen Aussagen vertrauen.

Während die Kinder im Wartezimmer der Tierklinik saßen, ging die Untersuchung relativ zügig. Patrick ging es schlecht. Dr. van Klees röntge ihn, weil er die Befürchtung hatte, der Kater bekäme wegen Wasser in der Lunge keine Luft. Das sei dann ein ernster Notfall. Seine Befürchtung wurde nicht bestätigt. Allerdings war der eine Lungenflügel schlecht durchlüftet. Deshalb traf er die Entscheidung, dass bevor etwas für Patrick getan werden könnte, der Kater vor allem dringend eine Infusion bräuchte, da er stark ausgetrocknet sei. Patrick sollte über Nacht da bleiben.

Wieder beschlich mich dieses unheimliche Gefühl von „Gefahr“. Diese Ahnung. Meine Angst!  Wie ein Kälteschauer fühlte es sich an. Aus diesem Grund sagte ich zu Dr. van Klees:“ Ich habe Sorge, dass Patrick erstickt. Ich möchte nicht, dass er leiden muss!“. „Keine Sorge Frau Bruckmann, ihr Kater ist bei uns in guten Händen. Er wird nicht leiden müssen“ war seine Antwort. Kurz spürte ich Erleichterung. Dann schoss mir der Gedanke in den Kopf:“ Was meint er damit?“, aber ich sprach es nicht aus. Vertraue Mia sagte ich mir innerlich leise, du musst nun vertrauen.

Der Kater hingegen entzückte zur selben Zeit die Arzthelferin, weil er mit ihr intensiv schmuste. Ja, so ist unser Patrick. Er liebt es zu schmusen. Ach Patrick!

Ich holte die Kinder aus dem Wartezimmer. Es war Zeit uns zu verabschieden, damit Patrick seine Infusion bekommt. Dr. van Klees erklärte noch einmal den Dinos das medizinische Vorhaben. Sie streichelten Patrick. „Tschüss mein Süßer, gute Besserung“ sagte Dino 2. Er lächelte dabei. Für ihn stand fest, dass nun alles wieder gut wird. Dino 1 war stumm. Ich schaute ihn prüfend an. Konnte er die Ahnung etwa auch spüren? „Na Großer, alles klar bei dir?“ fragte ich ihn. Er nickte mit dem Kopf. Gedankenverloren strichen seine zarten Finger durch Patricks Fell. Dann gingen wir aus dem Behandlungsraum. Ich warf einen letzten Blick auf unseren Kater, der immer noch damit beschäftigt war, mit der Arzthelferin zu schmusen. 

Mit zwei fröhlichen Kindern stieg ich wieder ins Auto ein. Mein Unwohlgefühl stieg in diesem Moment jedoch rasant an. Soll ich rein gehen und Patrick holen? Sekundenlang hin und her gerissen saß ich da. Die Vernunft siegte letztendlich. Patrick war dort in den besten Händen. Vertrauen Mia, vertrauen!

„Patrick ist nun in der Tierklinik. Muss da bleiben. Braucht Infusion“ schrieb ich Philipp und fuhr nach Hause. „Ach, das ist doch gut! Mach dir keine Sorgen, unser Patrick ist zäh. Morgen geht es  ihm wieder besser. Ich habe für ihn gebetet“ kam zurück.

Der Nachmittag nahm seinen üblichen Lauf. Immer wieder schlich sich ein „Mit Patrick stimmt etwas nicht“ Gefühl bei mir ein. Klappe zu, sagte ich zu meiner inneren Stimme. Ich lasse mich doch nicht verrückt machen!

Kurz vor dem Abendessen hielt ich es dann doch  nicht mehr aus. Ich griff zum Telefon. Ich wollte wissen, wie es Patrick geht. Nur zur Beruhigung. Ich wollte einen „Beweis“, dass sich meine Ahnung als Täuschung heraus stellt.

Die nette Sprechstundenhilfe am Telefon meinte:“ Hallo Frau Bruckmann, einen kurzen Moment bitte, ich schau mal nach“. Dann legte sie den Hörer weg und war ein paar Minuten weg. „Hören Sie Frau Bruckmann? Dr. van Klees möchte Sie sprechen, ich verbinde“.

Ich hörte den Doktor sagen, dass Patrick die Infusion angeschlossen bekommen hat. Es sei sichtbar gewesen, dass die Flüssigkeit dem Kater gut tat. Er hätte eine Kleinigkeit gefressen und hätte sich dann zum Schlafen eingerollt. Bei der Kontrolle vor einer halben Stunde hätten sie festgestellt, dass Patrick für immer eingeschlafen sei. Ganz ruhig. Ganz friedlich. Ich könnte jederzeit vorbei kommen und ihn abholen.

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Siehst du, meinte meine innere Stimme. Das habe ich dir schon den ganzen Tag sagen wollen, aber du hast mich immer verdrängt! Mechanisch dankte ich dem Tierarzt. Ich käme Patrick am anderen Tag holen. Vielen Dank für alles.

Ich musste mich anschließend erst einmal hinsetzen. Meine Güte, wie sage ich das bloß meinen Kindern?

Mit dem Telefon noch in der Hand rief ich die beiden ins Wohnzimmer. Unter Tränen, die wie ein Wasserfall aus meinen Augen kullerten,  teilte ich ihnen mit, dass Patrick in den Himmel gegangen sei. Ungläubige Kinderaugen starrten mich an. Dino 2 drehte sich um und rannte schluchzend die Treppe hoch in sein Zimmer. Dino 1 blieb wie versteinert auf dem Sofa sitzen. Es fühlte sich alles so unwirklich an. Als ob ich neben mir stünde und von außen das Geschehen beobachtete.

Philipp anrufen schoss mir in den Kopf. Scheiß egal, dass er bei der Arbeit war. Ich wusste, ich würde ihn stören, aber scheiß drauf!

„Mann was ist denn?“ war seine deutlich verärgerte Begrüßung. Tränenerstickt schluchzte ich ihm entgegen.“ Patrick ist tot!“. „Was? Was ist los?“ kam zurück.

„Patrick ist tot“ schrie Dino 1, der mir den Hörer aus der Hand gerissen hatte, meinen Ehemann an. Schweigen in der Leitung. Da machte es wohl in Philipps Kopf „Klick“, er verstand was wir ihm mitteilten.  „Ach du Scheiße! Oh nein!“ war seine Antwort. Dann, ein knappes „Ich komme“ und die Verbindung wurden getrennt.

Da war ich wieder alleine. Alleine mit den Kindern, die zum ersten Mal in ihrem jungen Leben mit dem Thema „Tot“ konfrontiert wurden.  Alleine mit mir, die ich vor innerem Schmerz schreien könnte.

Tu was Mia, sprach meine innere Stimme zu mir. Tu was!  So sehr traurig ich in genau diesen Minuten war, ich wusste dass ich nun als Mutter handeln musste. Innerlich weich, zerbrechlich und schwach musste ich für meine Kinder äußerlich stark sein. Ich musste sie auffangen in ihrem Kummer,  in ihrem Schmerz. Ich musste ihnen Halt geben. Ich musste für sie da sein!

Ich nahm Dino 1, der immer noch wortlos, tränenlos, stumm und starr auf dem Sofa saß an der Hand und zog ihn die Treppe hoch in das Zimmer von Dino 2. Das arme Kind lag zitternd und schluchzend in seinem Bett. Den Kopf vergrub er im Fell von Willi. Der süße junge Kater, der Wasser nicht ausstehen kann,  war meinem unendlich verzweifelten Kind zu Hilfe geeilt. Geduldig hielt er es aus, dass sein Fell von den Tränen durchnässt wurde. „Ich will,  dass Patrick wieder  kommt“ schluchzte mir Dino 2 entgegen. „Ich will ihn wieder haben! Mama mach was! Paddy soll wieder kommen“.

Ihr lieben Leser/innen , ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie  sehr mir diese Worte in meinem Mutterherzen wehtaten. Selber erschüttert sollte ich meinem Kind Trost spenden. Das ist etwas, das kaum zu schaffen ist, aber ich musste es versuchen. Ich setzte mich somit vor das Bett von Dino 2  und gab ihm ein Taschentuch. „Komm mein Schatz, erst trocknen wir einmal dein Gesicht ab und putzen die Nase. Willi ist schon ganz nass“ sagte ich und streichelte ihm dabei sanft über die Haare. Auch ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.

„Soll ich euch sagen, was Patrick jetzt in diesem Moment macht?“ war meine anschließende  Frage. Plötzlich fühlte ich mich stark. Als ob mich mein Schutzengel in den Arm genommen hätte.

Ich erzählte ihnen folgende Geschichte:“ Immer, bevor ein Lebewesen zu uns als Baby auf die Welt kommt, lebt es oben im Himmel auf der Himmelswiese. Da gibt es ganz viele Spielkameraden. Da wird viel gelacht. Jeder Tag macht Spaß. Behütet werden all diese Kindlein und Tierlein von den Engeln.

Dort im Himmel gibt es auch einen besonderen Engel.  Der große Engel, wie er genannt wird, hat eine spezielle Aufgabe. Er kommt immer dann auf die Himmelswiese, wenn eines der Kindlein oder Tierlein an der Reihe ist, den Himmel zu verlassen, um von nun an ein Erdenleben zu führen. Der große Engel nimmt das Kindlein oder Tierlein zur Seite und spricht:“ Für dich ist die Zeit der Erdenreise gekommen. Gehe an das Ende der Himmelwiese und schaue durch das Wolkenguckeloch. Suche dir aus, bei welcher Familie du von nun an leben möchtest. Wenn du dich entschieden hast, komme zu mir und teile mir deine Entscheidung mit“. Wie befohlen machen sich dann die Angesprochenen auf, um durch das Loch nach unten auf die Erde zu schauen. Eine Familie auszusuchen ist nicht einfach. Da gibt es so viele Menschen, Städte, Länder.

So hat es auch unser Patrick gemacht. „Gut lieber Patrick“ sprach der große Engel „ du hast dich also entschieden. Halte dich bereit. Wenn dein Tag gekommen ist,  werde ich kommen und dich mit dem Sternenwagen abholen “.  Am Tag von Patricks  Abreise zur Erde hielt der große Sternenwagen auf der Himmelswiese. Die Türe der schönen weißen Kutsche, die mit Sternen verziert war, ging  auf. Patrick und viele andere Tierlein oder  Menschlein durften einsteigen. Der große Engel schnalzte mit  seiner Zunge und die vier schneeweißen Pferde sausten los. Ihre Reise zur Erde dauerte seine Zeit. Sie flogen durch das  All von Planet zu Planet. Überall hielten sie an, um sich ihre Erdengabe abzuholen. Patrick bekam von Merkur Verstand, von Venus Geselligkeit und Herzensgüte, Jupiter schenkte ihm Glaubenskraft, Saturn Sicherheit, Uranus gab Patrick Eigenheit, Pluto Regeneration, der Mond schenkte ihm Gefühl und Sensibilität und letztlich die Sonne Lebenskraft und Persönlichkeit.  Außerdem durften alle Erdenreisenden bei der Sonne ihr Erdenkleid weben. Immer ein Sonnenfädchen und  ein Erdenfädchen im Wechsel. Sie mussten sorgsam arbeiten. Das Kleid sollte keine Lücken haben. Am Ende ihrer Arbeit bestimmte der große Engel für jeden noch seinen Schutzengel. Dieser verschloss mit Mondenstaub die kleinen Lücken im Kleid. Nun war auch Patrick bereit, die Erde zu betreten. Er zog sein Himmelskleid aus und das Erdenkleid an. Sein Himmelskleid wurde sorgsam bei der Sonne verwahrt. Für den Tag seiner Rückkehr. Für den Tag, an dem er die Erde wieder verlässt und in den Himmel zurück reist.

Wie ihr wisst kam Patrick, so wie er es sich im Himmel ausgesucht hat, zu mir. Patrick war glücklich. Er hatte es geschafft. Er war dort, wo er hin wollte. Von da an lebte er wie im  Schlaraffenland. Er bekam Futter, hatte ein kuscheliges Haus für sich, andere Kater als Kameraden. Für seine Gesundheit sorgten Papa und  ich. So wurde er  glücklich älter und älter.

15 Katzenjahre lang schenkte er uns seine Freundschaft. Beglückte uns mit seinem Wesen. 15 Katzenjahre sind bei uns 105 Menschenjahre. Das ist eine richtig lange Zeit. Heute war seine Erdenzeit zu Ende. Nach einem wunderschönen Katzenleben stieg er heute wieder in den Sternenwagen ein. Abgeholt wurde er wieder vom großen Engel. Heute war seine Kutsche schwarz und ebenso prächtig mit Sternen geschmückt wie damals die weiße. Dort beim Tierarzt, als er seine Ruhe hatte, legte Patrick sein Erdenkleid ab. Er stieg in den Sternenwagen ein und ist nun auf der Reise zurück in den Himmel. Wenn er bei der Sonne angekommen ist, wird er sein Himmelskleid bekommen. Um dort hinzukommen fährt der große Engel über den Regenbogen direkt zur Sonne.

Und das meine lieben Kinder ist der Lauf des Lebens. Auch wir sind mit dem Sternenwagen zur Erde gefahren und reisen damit zurück in den Himmel. Jeder Mensch und jedes Tier hat seine Zeit auf der Erde. So traurig wir alle nun sind, wir werden Patrick wieder sehen. Oben auf der Himmelswiese. Irgendwann“.

Die Kinder haben still meinen Worten gelauscht. Dino 2  weinte anschließend nicht  mehr. Er fragte mich nur:“ Wann sehen wir Patrick wieder? Wacht er dann wieder auf?“. Ich sagte:“ Wann wir ihn wiedersehen weiß ich nicht, aber vielleicht ist es wie bei Dornröschen. Er schläft  nun vielleicht 100 Jahre und dann erwacht er wieder und wir finden uns im Himmel wieder“. Da lachte mein kleiner Dino und meinte:“ Paddyröschen! Wie süß“.

Natürlich sind noch viele Tränen geflossen. Auch bei mir, wenn ich zum Beispiel auf dem Hundespaziergang war oder im Keller beim Wäsche aufhängen. Aber ich hatte das Gefühl, die Geschichte nahm den Kindern die Ungewissheit, die Angst um den geliebten Kater. Sie hatten nun eine Vorstellung was passiert ist. Den Schmerz werden wir verlieren, wenn wir das Unabwendbare angenommen haben. Dafür hat jeder seine eigene Zeit. 

Philipp kam am Freitag nach Hause. Wir haben Patricks Erdenkleid im Moor beerdigt. Mein Ehemann grub das Loch, Dino 1 schrieb Patricks Namen in einen Baum, Dino 2 suchte Stöcker für das Holzkreuz und ich buddelte eine Rose aus dem Garten ein. Eine schöne Stelle haben wir uns ausgesucht. Ein Birkenwäldchen. Dort können wir unseren Kater besuchen so oft wir möchten.

Um uns abzulenken sind wir am Samstagnachmittag ins Kino gefahren. Und ob ihr es glauben wollt oder nicht, genau zu dieser Zeit regnete es und die Sonne kam hervor. Es gab einen wunderschönen Regenbogen. „Schau Mama, schau“ sprach Dino 1 „da ist Patricks Regenbogen. Wie schön!“. 

Irgendwie ist seitdem der Schmerz kleiner geworden.    

 

Lebe wohl mein guter alter treuer Freund! Wir werden dich niemals vergessen! Hab eine gute Zeit! Wir werden uns wiedersehen!   

 

16 comments on “Patrick stieg in den Sternenwagen ein

  1. Schöner hätte man es nicht schreiben können, BRAVO!
    Wir haben dies selber schon viele Male durchlitten, da wir stets viele Tiere in unserem Haus haben.
    Die Geschichte des Sternenwagens spendet sehr viel Trost, wobei ich persönlich glaube, dass es tatsächlich der Wahrheit entspricht. Diese Version ist jedenfalls sehr kindgerecht!
    Der Naturwissenschaftler würde sagen: jedes Lebewesen ist pure Energie und Energie geht im Universum niemals verloren, sie wandelt sich höchstens um!
    Schöne Weihnachten!
    Liebe Grüße
    Vera Roumain

    1. Liebe Vera, ich danke dir sehr! Unsere Haustiere sind Familienmitglieder, so wie bei euch. Wir wünschen euch von Herzen ebenfalls frohe Weihnachten. Liebe Grüße, Mia

  2. Ich konnte es kaum zu Ende lesen, weil ich so sehr schluchzen musste. Liebe Mia, das hast du wunderschön geschrieben. Ich danke dir für dafür. Für dich und deine Familie wünsche ich mir eine besinnliche Zeit. Zündet für Paddy eine Kerze an. Er wird sie sehen. Und er wird immer bei euch sein.

  3. Schöner Text Frau Bruckmann, einzigartig schön. Die Katze, sowie der Hund- das eigene Tier sind treu und immer ehrlich, lustig und fürsorglich. Das kann kaum ein Mensch oder Partner einem über Jahre so konstant bieten- wie ein geliebtes Haustier.
    Der Schmerz, wenn es denn gehen muss ist hart, aber wenn es das Glück hat ohne weiteres einzuschlafen ist es sehr viel wert.
    Weggelaufen Ungewissheit! Zum Einschläfern bringen, an sehen wie Schmerzen es quälen, wie immer wieder neue Therapien Versagen und es dann doch die Spritze gibt beim Tierarzt- zur endgültigen Erlösung ist wohl das Schlimmste für einen Liebenden Tierhalter.
    Alles Gute und Kopf hoch.
    Wie Gott will, er gibt und nimmt!
    Mit freundlichen Grüßen
    Christopher

    1. Vielen Dank für die Anteilnahme. Es wird dauern bis Kopf und Herz wieder im Einklang sind, aber ich verstehe gut, was du mir sagen willst.

  4. So herzzerreißend geschrieben. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals. Schön hast du es deinem Kind erklärt. Da Tiere für mich Familienmitglieder sind, kann ich eure Trauer mehr als nachvollziehen.
    Liebe Grüße Sandra

    Hoffentlich klappt es jetzt mit dem senden.

    1. Danke, liebe Marie, das war eine schlimme Zeit für uns. Mittlerweile können wir uns eher mit einem Lächeln, als mit Tränen in den Augen, an unseren guten Freund erinnern.

  5. Liebe Mia,
    nun laufen sie die Tränen … sehr viele Parallelen zum letzten Tag meines HerzHundes – nur der Gang zum Tierarzt ist uns erspart geblieben. Die Warnzeichen hat mein Bauch auch gesendet, wahrscheinlich habe ich sie auch nicht hören wollen.

    Die Sternenwagengeschichte ist wunderschön, sie wird jetzt immer in meinem Herzen bleiben.
    Ich umarme Dich unbekannterweise!
    Denise

    1. Liebe Denise, ich drück dich auch ganz lieb! Sein Herztier gehen lassen zu müssen ist schwer, aber so ist auch der Kreislauf des Lebens. Der Schmerz wird irgendwann kleiner, dann überwiegen die schönen Erinnerungen. An manchen Tagen weine ich aber auch, dann fehlt mir mein treuer Freund zu sehr. Kopf hoch, liebe Denise!

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