Mia macht Pause!

Wer kennt ihn nicht den Satz:“ Mach mal Pause!“? Er fällt immer dann, wenn wir von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seele uns wieder eingeholt hat.

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Auslöser für mein Innehalten war eine Telefonrechnung. Du fragst dich warum? Nun, es war Sonntagabend und mein Mann und ich waren dabei zu Bett zu gehen. Philipp war noch kurz im Büro, ich richtete in der Küche alles für den kommenden Morgen her. Als mein Mann mit Papiermüll aus dem Keller wieder nach oben stapfte fiel uns ein Brief vor die Füße.

Werbung, dachte ich und wollte den Brief ungelesen in die Papiertonne werfen. Da las ich den Absender: unser Telefonanbieter. Ach, gibt es neue Tarife? Neugierig öffnete ich den Brief. Geld sparen ist immer gut.
Aber stattdessen lese ich: 1. Mahnung. „Schau mal“ sagte ich zu Philipp „das ist eine Mahnung. Ich habe doch alles bezahlt“. „Zeig her“ kam zurück. Tatsächlich, der letzte Telefonrechnungsbetrag über 74.- Euro wurde angemahnt. Ich zückte also mein Tablett und schaute aufs Konto. Komisch, keine Überweisung zu finden. Aber ich weiß ganz genau, dass ich mich damit beschäftigt hatte!

Um sicher zu gehen, lief ich zu meinem Schreibtisch. Na siehste, da ist doch der Zettel mit allen Daten. Also noch einmal die Überweisungen auf dem Konto durchschauen. Nichts! „Philipp, ich habe hier den Überweisungsträger, aber anscheinend habe ich vergessen, die Überweisung zu tätigen. Was immer mich davon abgehalten hat“. Anstatt ganz normal zu antworten bekam ich von meinem Mann eine „Standpauke“ gehalten, dass es unter keinem Umstand dazu kommen darf, die Telefonrechnung nicht zu bezahlen. Alles sei doch nur durcheinander, weil ich nichts besseres mehr zu tun hätte, als den lieben langen Tag vor meinem scheiß Tablett zu kleben.

Oh Mann, wie ich Verallgemeinerungen hasse. Die Worte „dauernd, ständig, immer“ lassen mich an die Decke gehen! Da habe ich innerhalb von vielen Jahren EIN MAL die Rechnung nicht bezahlt und muss mir so etwas anhören.

Okay, lange Rede kurzer Sinn: es gab einen riesen Streit! Wegen einer Telefonrechnung. Die natürlich am Montag pünktlich in der Nachzahlungsfrist beglichen wurde. Streit am Valentinstagabend! Ich schlief dann oben, Philipp durfte aufs Sofa.

Am nächsten Morgen gab es beim kurzen Frühstück eine „Lagebesprechung“. Meine Herzbuben waren sich einig, Mama ist „Tablett süchtig“. Wieder fielen die Worte „dauernd, ständig, immer“.

Ach ja?? Ich und süchtig? Und wer fährt einkaufen? Wer kocht, wäscht, bügelt? Wer putzt das Haus und geht mit dem Hund seine Runden? Wer bringt und holt die Kinder, egal wo hin? WER?

Aber egal. Was soll ich diskutieren? Zeige ich den Herrschaften doch, dass ich es auch ohne dieses elektronische Teil aushalte. Vielleicht wird dann ja registriert, dass ich die meiste Zeit des Tages mit allem möglichen beschäftigt bin, nur nicht mit dem Tablett. Ich sagte deshalb:“ Wisst ihr was? Die kommenden drei Tage bleibt das blöde Tablett liegen. Ich bin ganz gewiss nicht süchtig“.

Aufgestanden, kurzer Post bei Facebook, Tablett auf den Schreibtisch gelegt. Fertig!

Den restlichen Morgen verbrachte ich mit meinen Routineaufgaben, die montags immer anstehen. Und was soll ich sagen? Mir fiel auf, dass ich in meinen Arbeitspausen dazu geneigt war, das Tablett in die Hand zu nehmen. Die Jungs haben irgendwie doch etwas Recht. Ich vernachlässige zwar nicht meine Pflichten, aber der Griff zum Gerät ist auffallend häufig.

Dass ich deshalb die Telefonrechnung vergessen habe weise ich immer noch vehement von mir. Ich habe mich damit an den Computer gesetzt. Für Überweisungen bin nämlich ich zuständig. Ich hatte definitiv den Überweisungsträger in der Hand. Das kann ich an einem handschriftlichen Vermerk beweisen. Warum ich die Überweisung allerdings nicht eingegeben habe kann nur den Grund haben, dass ich just in diesem Moment gestört worden bin. Was mich gestört hat kann ich nicht sagen. Ich habe mir gewiss schon mein Köpfchen zermartert, aber es will mir einfach nicht einfallen.

Zurück zum Gerät des „Übels“. Bevor mein Mann mir den Blog letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte, war Facebook für mich völlig uninteressant. Es ging mir hinten irgendwo vorbei, dass Menschen sich mitteilten, welchen Salat sie zum Mittagessen aßen, oder bei welchem Gewinnspiel dieses oder jenes gewonnen werden kann. Wozu auch? Diese Informationen sind nicht „lebenswichtig“.

Mit dem Blog fand ich allerdings den Weg zu besagtem Social Media Anbieter. Um den Blog mit Leben zu füllen ist es unumgänglich, die bekannten sozialen Netzwerke zu bedienen. Auf mich aufmerksam machen. Informieren, dass es mich und meine Kolumnen nun gibt.

Ich stellte allerdings rasch fest, dass ich von sehr vielem keine Ahnung hatte. Die Blogger-Sprache glich einer Fremdsprache. Ich las einen Text und konnte die darin enthaltenen Informationen nicht verstehen. Was tun?

Gemäß meinem Motto „Fragen über Fragen“ stellen, wählte ich mir ein paar der sich auf Facebook „tummelnden“ Bloggerinnen aus und fragte. Wie geht das? Was bedeutet das? Was versteht man unter…?

Danke an dieser Stelle an euch, die ihr mir geduldig Antwort gegeben habt!

Binnen des vergangenen halben Jahres lernte ich unheimlich viel, auch viele neue Menschen kennen. Mit der einen oder anderen Bloggerin fühle ich mich bereits mehr als oberflächlich verbunden. Es gab ab und an private Gespräche, die nicht nur mit dem Thema „Blog“ zu tun hatten. Ich könnte mir vorstellen, mich auch mit diesen Mädels irgendwann im Frühling oder Sommer, wenn es draußen warm ist, irgendwo in Deutschland zu treffen.

Durch diese Verbundenheit hatte der Post „des Salates“ plötzlich eine andere Bedeutung. Nun erhielt ich dadurch die Information, wo sich X in der Mittagspause aufgehalten hatte. Dass Y bereits am Sonntagmorgen im Schwimmbad war, während ich hier zuhause faul auf meinem Sofa lümmelte. Ich fand es spannend.

Ich habe dank des ein oder anderen schriftlichen Kontaktes auch schon herzhaft gelacht. Da fällt mir prompt wieder ein „Spiel“ ein, in dem ich meine „Freunde“ zu bestimmten Aufgaben „herausfordern“ konnte. Die Vorstellung, dass die eine Freundin popelnd und die andere, mit einer Unterhose auf dem Kopf, in einer Fußgängerpassage stehen sollten, um ein Lied zu gurgeln, ließ mich in brüllendes Gelächter ausbrechen. Die Erheiterung hielt den gesamten Tag an, da besagte Damen toll auf die „Herausforderung“ reagierten. Ich schief abends kichernd ein.

Schlau gemacht kann ich da nur sagen! Ganz subtil wird man als User an den sozialen Netzwerkbetreiber angebunden. Solch positive Momente wirken katalysierend. Nachschauen, ob X etwas geschrieben hat. Wer hat auf meinen eigenen Post geantwortet? Ach, Y hat etwas Neues – da schreibe ich kurz „meinen Senf dazu“. Und schwupp die wupp hängt man mehr und mehr an seinem elektronischen Gerät.

Vor meinem Bloggerdasein nutzte ich freie Minuten im Alltag, um auszuruhen. Eine Pause machen. Innehalten um zu regenerieren. Neue Kraft schöpfen. Abschalten. „Kopf“ runter fahren.

In der letzten Zeit hing ich stattdessen am Tablett. Nachlesen. Nachschauen. Stöbern. Schreiben. Kopfarbeit. Und abends wunderte ich mich, warum ich so müde war. Erschöpft könnte ich sagen.

Die vergangenen Tage war das nicht so. Ich legte mich tatsächlich mittags wieder auf mein Sofa, wenn die Kinder oben in ihren Zimmern nach dem Mittagessen ihre Erholungspause hielten bevor dann Freunde zum Spielen kamen.

Ich begann nach zu denken. Über mich und den Blog. Ich erkannte, dass sich meine anfänglichen Prioritäten verschoben hatten. Zuerst diente mir Facebook als Informatiosplattform, um meinen Blog zu veröffentlichen. Da war es mir zwar nicht „egal“, ob eine Reaktion erfolgte, aber es stimmte mich zumindest nicht traurig.

Mir fiel in den vergangenen Tagen auf, dass ich aktuell nicht mehr „für mich“ sondern zum „gefallen bei anderen“ schrieb. Viele Antworten zu bekommen war das Ziel meines Posts. Das Gefühl haben „beliebt“ oder „bekannt“ zu sein war wichtig. Im Umkehrschluss stimmte es mich betrübt, wenn eine erhoffte Reaktion aus blieb.

Damit ist jetzt Schluss. Das tut mir nicht gut! Falsche Ausrichtung! Falsches Ziel!

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Ich schreibe immer noch, weil es mir Spaß macht. Ich lasse euch an meinem Leben teilhaben, weil ich hoffe, dass ihr beim Lesen schmunzeln könnt. Heitere Kolumnen aus dem Alltag, den ihr so ähnlich bestimmt auch kennt. Sich wiedererkennen. Lachen können bei überspitzter Darstellung eines Sachverhaltes. Meinen Blog besuchen weil es euch gefällt, was ich schreibe.

Aber nicht schreiben, weil ich Antworten erwarte. Es darf nicht sein, dass das Ausbleiben mir suggeriert, meine Kolumnen sind es nicht wert gelesen zu werden. Drüber stehen, wenn zum Beispiel meine Selbstreflexion nicht die breiten „Massen“ anspricht. Ich schreibe für euch, aber immer noch hauptsächlich für mich!

Wie im Berufsleben, die innere Distanz zum „Objekt“ oder „Klienten“ wahren. Die Unterhaltung meiner Leser ist wichtig. Mich dafür aber nicht verbiegen. Diejenigen, die meine Art zu schreiben mögen, werden meine Kolumnen lesen. Im übertragenen Sinne könnte ich sagen, die einen lesen gerne die „BILD Zeitung“ andere stehen auf die „Frankfurter Allgemeine“.

Geduld ist in diesem Zusammenhang auch ein Stichwort. Rom wurde nicht in einem Tag erbaut, so ist es auch mit der Zahl der „Stammleser“. Weiter machen. Ausdauer beweisen. Mühsam wie ein Eichhörnchen die „Nüsse“ einsammeln um „satt“ zu werden. Dabei den Spaß am Schreiben nicht verlieren.

Blog erweitern. Darüber dachte ich ebenfalls nach. Was macht mir außer Kolumnen schreiben auch Spaß? Ergebnis ist, dass ich mein Spektrum erweitere, in dem ich Buchrezensionen schreibe.

Ich lese gerne. Tauche mit Begeisterung in „andere Welten“ ab. Löse Kriminalfälle, amüsiere mich über Frauen wie „Bridget Jones“ und erleben Zeitgeschichte „als Hitler das rosa Kaninchen stahl“. Dazu meinen Eindruck verfassen. Neue Bücher für euch lesen und beurteilen gemäß „Mia-Style“. In Assoziationen schwelgen. Da wird ein Schreibstil „fluffig wie ein Sahnepudding“ oder“ zäh wie Schuhsole“. Herrlich!

Ich freue mich darauf! Das erste Rezensionsbuch ist bereits auf dem Weg zu mir. Sobald ich mit der kritischen Besprechung fertig bin erscheint auf meinem Blog ein neuer Reiter: „Buchrezensionen- Mia Style“.

Danke an meine Familie für diese Pause. Es hat mir gut getan! Meine Seele hat wieder den Anschluss zu mir gefunden!

8 comments on “Mia macht Pause!

  1. Hallo liebe Mia,

    Ich lese schon lange bei dir. weil es einfach Spaß macht und mich immer wieder zu dir zieht.

    Aber heute muß ich dir einmal recht geben. Man wird automatisch „süchtig“ und hängt jede freie Minute an dem Teil. Ich finde das ist aber notwendig, denn unsere Leser kommen und gehen, wenn sie ein paar Mal nichts Neues im Blog gefunden haben. Daher kann ich dich sehr gut verstehen, auch wenn die Telefonrechnung nichts mit dem Netz zu tun hat.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      dein Kommentar freut mich sehr! Ja, die Leserschaft ist „zu füttern“. Aber auf die innere Einstellung von uns Bloggern kommt es an, damit WIR unsere Leser “ lenken“ und nicht umgekehrt. Bis bald!

  2. Liebe Mia,
    ich bin hier ganz bei dir…die neuen Medien sind Fluch und Segen zugleich…Facebook ist z.B.toll,um mit Freunden in aller Welt Kontakt halten zu können…aber: auf Facebook darf sich nicht “ das Leben abspielen“…richtige Freunde lernt man immer noch im realen „Hier und Jetzt“ kennen….es ist SCHEISSEGAL wieviele Likes du auf Facebook erhälts….das macht dich als Person nicht besser oder schlechter….was wirklich zählt, sind die wahren Freunde im Leben, die real bei dir auf der Matte stehen, wenn es dir mal schlecht geht…
    Dein Weg, einfach pure Unterhaltungsgeschichten zu schreiben, ist ganz bestimmt der RICHTIGE!
    Vera Roumain

    1. Danke liebe Vera, deine Worte sind wahr! Dennoch, manchmal ergeben sich auch Freundschften im realen Leben, die im „Netz“ ihren Ursprung hatten. Das ist selten, aber kommt vor. So ist meine persönliche Erfahrung.

  3. Liebe Mia,
    ich liebe deine Kolumne und habe bislang jede mit Freude gelesen. Manchmal schaffe ich es zeitlich nicht einen Kommentar zu hinterlassen und meistens fällt mir auch einfach nichts Schlaues ein. Doch ich bin immer am Ball. Sicher gibt es viele wie mich, die deine Kolumne lesen und schmunzeln oder mit dir fühlen. Mach weiter so.
    Liebe Grüße
    Steffi

  4. Hallo meine liebe Mia,
    ich gebe dir sowas von Recht und man wird so süchtig, dass wenn etwas unvorhergesehenes passiert, man in Schockstarre verfällt. Das was Donnerstag sich Goggle bei mir geleistet hat, hat mich zum umdenken bewegt und ich habe meinen Blog, Facebook, Instagram usw. gelöscht. Allerdings werde ich trotzdem bei einigen weiter lesen, die mir ans Herz gewachsen sind. Ich habe mir komplett eine neue Emailadresse erstellt und ein neues Google+ Profil. Da werde ich dir nachher folgen, ich hoffe wir bleiben im Kontakt, auch wenn ich kein Blogger mehr bin. Ich drücke dich. Liebste Grüße Sandra

    1. Oh liebste Sandra, nein! Was für eine schockierende Mitteilung! Natürlich bleiben wir in Kontakt. Ich freue mich, wenn wir weiterhin von einander hören. In diesem Sinne, wie du stets sagst: wir lesen uns! Herzlichen Gruß, Mia

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