„May heiligs Blechle“

Wie vermutlich euch allen bestens bekannt, ist das „heilige Blechle“ bei den meisten Männern dieser Erde das aus Blech bestehende AUTO. Bei meinem Ehemann Philipp ist das anders.

Er hat überhaupt kein eigenes Auto, da er es bevorzugt, sich von mir von A nach B fahren zu lassen und für die Ausübung seines Berufes ist es ihm bequemer, mit der Bahn zu fahren. Das Allerheiligste, das mein Mann hütet wie seinen eigenen „Sohn“, ist sein hochwertiges „Apfelblechle“. Na ihr wisst schon, ein Tablett mit der Frucht drauf. Dieses Ding trägt er tatsächlich überall hin mit- auch auf das stille Örtchen. Wenn es mal wieder ewig dauert bis er sich von diesem eigentlich unkomfortablen Ort fort bewegt, hat es vermutlich damit zu tun, dass er bei seinem Lieblings –Social- Media- Anbieter eine Werbekampagne zu starten versucht. Das kann sehr lange dauern, da ja jedes Wort und Bild bestens überlegt sein will. Sein Tablett ist auch bei jeder Autofahrt dabei, denn anstatt sich mit mir Fahrerin nett zu unterhalten und mit auf den laufenden Verkehr zu achten, hängt er krumm und schief über seinem Blechle und tippt. Natürlich ist auch hier das Endprodukt nicht sofort fertig, denn bei jedem Bremsvorgang oder einer Kurve haut er seine Finger auf die falschen Tasten. Kaum ist Philipp morgens wach, ist er auf dem Weg nach unten in die Küche, denn dort hängt sein Heiligtum sicher und warm über Nacht am Stromkabel.

Okay, ich gebe zu, ich liebe mein Tablett ebenfalls, weil ich dort seit geraumer Zeit ein Onlinegame mit großer Begeisterung spiele. Philippus hat dafür nicht die Bohne Verständnis übrig, weil er der Meinung ist, die Betreiber des Spieles werden durch dumme Hühner wie mich reich, da ich von Zeit zu Zeit mir im Einzelhandel dafür eine Geldkarte kaufe, um mir das im Spiel benötigte Zahlungsmittel aneignen zu können. Mag ja durchaus sein, dass das so ist, aber dessen bin ich mir ja völlig bewusst. Nichts desto trotz hänge ICH nicht in meiner Freizeit pausenlos an meinem Gerät, einzig aus dem Grund, dass ich als Bozibumä (ihr erinnert euch an diese Berufsbezeichnung?) überhaupt kaum Freizeit habe.

Dino 1 und Dino 2 besitzen ebenfalls ihre eigenen Elektronikgeräte, die sie minutenweise (alles perfekt nach Plan geregelt) nutzen dürfen. Damit wir als Familie uns mindestens einmal pro Tag ungestört über alles Mögliche unterhalten können, gibt es jedoch die absolut unumstößliche Abmachung, dass jegliche sich im Haushalt befindenden Elektroteile nicht mit an den Tisch gebracht werden dürfen! Das klappt meistens sehr gut, aber wenn Husbandus wieder einmal in Aktion ist, vergisst er das auch schon mal. Ich werde dann meistens richtig sauer, denn abgesehen von dem Regelbruch verletzt er meiner Meinung nach auch noch seine Vorbildfunktion als Erziehender.

Nun trug es sich zu, dass mein geliebtes Nachtschattengewächs vor ein paar Tagen abends todmüde über seinem Tablett eingeschlafen ist. Er saß damit bei uns im Wohnzimmer auf dem Sofa, das Blechle lose und ungesichert auf seinem Schoß. Ich befand mich zum selben Zeitpunkt oben im Bad, um mich für das ins Bett gehen zu richten. Das dauert bei mir Frau mitunter etwas länger, da mir die Gesichts- und Körperpflege wichtig ist. Es macht sich ja durchaus bezahlt, denn Falten habe ich trotz meines Alters kaum. An jenem besagten Tag wurde mein abendliches Ritual jedoch durch ein ohrenbetäubend gebrülltes Wort, das mit „SCH“ beginn, jäh unterbrochen. Die zuvor verschlafene Tomate war mit einem Schlag hellwach und sprang wie ein wildgewordener Flummi als super ungenießbare Peperoni auf und ab. In der Hand hielt Husbandus sein Tablett und fuchtelte mir damit vor der Nase herum. Ich bin natürlich zuvor mit meiner Gurkenmaske im Gesicht, die ich 1x pro Woche aufzutragen pflege, aus dem oberen Bad gestürzt weil ich dachte, meinem Ehemann sei etwas passiert. Ist es im Grunde ja auch… Meinem schlafenden Mann ist nämlich das ungesicherte Tablett vom Schoß gerutscht. Mitten auf den Sandsteinboden im Wohnzimmer. Peng! Endergebnis: Display gesplittert. Was für eine Katastrophe! Aber anstatt sich selbst die Schuld zu geben, wurde ich auf die übelste Art und Weise angepflaumt, wie ich ihn denn so müde auf dem Sofa hätte sitzen lassen können?! Ich hätte die Pflicht gehabt, ihn ins Bett zu schicken, etc. etc. Ihr lieben Leserinnen und Leser, dass diese bizarre Situation noch einige Zeit anhielt könnt ihr euch sicherlich denken. Philipp strich, wenn er nicht laut schimpfend um den Esstisch rannte, wieder und wieder liebkosend über die Glasfläche des Tabletts , aber mit jedem Touch wurde der fuchsbauähnliche Riss in der Scheibe größer und größer. Hätte ich ein Blutdruckmessgerät zur Hand gehabt, hätte ich vermutlich in derselben Sekunde noch den Notarzt angerufen!

Es bedurfte großer Überredungskunst Philipp dazu zu bringen, das Tablett in der Küche an den Strom zu hängen, so wie er es allabendlich zu tun pflegt, und ins Bett zu gehen. An der Situation war um 22.35 Uhr eindeutig nichts zu ändern, somit brachte das gesamte Lamenti ihn keinen Schritt weiter, außer mit jeder Minute näher an einen Herzinfarkt.

Es hat schon seinen Sinn, dass ICH die Leiterin unseres Unternehmens der speziellen Art bin, denn meine Nerven sind centimeterdicke „Drahtseile“, die mehreren „Tonnen“ Belastung stand halten, somit auch den netten Schimpftiraden meines völlig schockierten und verzweifelten Tomatenbäuchleins.

Natürlich war Philipp am nächsten Morgen nicht lange im Bett zu halten. Wir haben nach wie vor Sommerferien, das heißt die Dinos und ich schlafen üblicher Weise länger als sonst, wenn wir morgens um 8 Uhr pünktlich vor den Toren der Schule stehen müssen. Mein Göttergatte hat sich jedoch auf 5 Uhr einen Wecker gestellt, ist nach dem Aufstehen in die Küche gelaufen, um festzustellen, dass das alles kein böser Traum war. Nein, das Tablett hatte tatsächlich üble Risse im Display, nach wie vor! Daraufhin schnappte er sich MEIN Tablett und suchte im Internet bei uns vor Ort nach Reparaturservice Nummern. Die Zeit bis 9 Uhr, das war so im Durchschnitt die genannte Ladenöffnungszeit, war mein Mann keine Peperoni oder Chili sondern ein Gewächs, dessen Namen es heute noch nicht gibt, da die Schärfe absolut totbringend ist. Unser Glück war, dass er sich in sein Büro im Keller verzogen hat, da ihn die fröhlichen Kinderstimmen und ebenfalls meine Anwesenheit störten. Er gab doch tatsächlich immer noch mir die Schuld für dieses unbeschreibliche Unglück. Dass Männer aber auch immer solche Mimosen sein müssen!

Zum Glück habe ich im Laufe unserer langjährigen Ehe gelernt, in gewissen Situationen meine Ohren auf Durchzug zu stellen. Da kommt die Schallwelle seiner Worte am linken Ohr an und verlässt (nicht die Bohne ausausgewertet) durch das rechte Ohr wieder meinen Kopf. Praktisch ist das und jedem, der es auch mit einer solchen Art Gewächs zu tun hat, zu empfehlen.

Ab 9 Uhr saß mein Mann dann in seinem Kellerbüro und ließ das Telefon den Siedepunkt am Ohr erreichen. Grund dafür war, dass egal WO er anrief, er stets die gleiche Antwort erhielt:“ Tut uns leid, aber für das Apfelblechle gibt es derzeit keine Ersatzteile. Der Hersteller hat Lieferprobleme. Es kann durchaus einige Wochen dauern, bis das Display des Gerätes repariert werden kann.“ So, nun war die Laune von Husbandus absolut im Eimer. Er saß völlig erschöpft auf seinem Drehstuhl im Keller und starrte Löcher in die Luft als ich es wagte den Raum nach Stunden zu betreten, weil seine immer lauter werdende Stimme mit einem mal verstummt war. Da war guter Rat teuer.  

Nachdem er sich dann erst einmal gestärkt hat und mit einer warmen Dusche sein Wohlbefinden sich zurück meldete, beschlossen wir, dort hin zu fahren, wo wir das Tablett gekauft haben.

Also haben wir für die Dinos unsere Babysitterin organisiert, da es sicherlich besser war, ohne selbige in den Verkaufsladen zu fahren.   Bei X haben wir ein prall gefülltes Kundenkonto, weil es über die Jahre viele Einkäufe dort gegeben hat. Mein Mann hatte nämlich die Idee, dass das Gerät aus Kulanz kostenlos gegen ein neues Tablett getauscht werden könne, da wir dieses erst vor 3 Monaten im Laden X gekauft haben. Die Idee war gut, die Hoffnung groß, das Ergebnis leider miserabel. Angeblich waren dem Reparaturservice in besagtem Geschäft die Hände gebunden. Da mein Mann beim Kauf des Tabletts keine Geräteversicherung abgeschlossen hatte, sei nichts zu machen. Auch, dass wir Vielkäufer seien könne nichts daran ändern, dass das kaputte Gerät nicht kostenlos gegen ein neues getauscht wird. Die einzige Möglichkeit die es gäbe ein neues Apfelblechle zu bekommen wäre, wenn wir die Hälfte des Reparaturpreises bezahlen. Da mein Mann jedoch ein sehr hochwertiges Tablett gekauft hatte, wäre diese Summe fast so hoch wie der Kaufpreis vor wenigen Monaten gewesen.

Meinem Mann platzte im Laden nach der Äußerung dieses Angebotes die Hutschnur! Nun stand der Herr des Reparaturservice meinem Mann ungeschützt gegenüber und durfte die absolute Schärfe meines Nachtschattengewächses kosten. Dem armen Mann stand der Schweiß auf der Stirn, als Philipp endlich zu einem Ende kam. Herr Buchmeier, so war der Name des Redeschwallopfers, holte tief Luft und meinte dann leise:“ Ich hätte da noch den Vorschlag, dass Sie sich für 9,99 Euro eine Folie kaufen, diese auf das zersplitterte Display kleben und abwarten, bis ein Ersatzdisplay lieferbar ist. Das Gerät ist ja noch einwandfrei zu benutzen. Mit der Folie verhindern Sie, dass Sie sich an den Rissen in die Finger schneiden. Was halten Sie davon?“.

Wenige Sekunden war es absolut still. Husbandus dachte nach. Ich habe insgeheim meine Finger hinter meinem Rücken gekreuzt. Der Vorschlag des Herrn Buchmeier war genial…. Beten, bitten, bibbern, dass Husbandus das ebenso sieht! Und tatsächlich, mein Philipp klopfte diesem schwitzenden Mann, der ihm hinter dem Reparaturservicetresen gegenüber stand, auf die Schulter und meinte.“ Ja, so machen wir das!“

Nun ist alles wieder beim alten. Philipp haut in die Tasten bzw. er bearbeitet das Touchscreen mit seinen Fingern und vergisst minutenweise die Welt um sich herum. Lang lebe Herr Buchmeier!

Sagt Leute, auch schon so ein Erlebnis gehabt? Teilt es mir mit!

 

 

Bis bald,

eure Mia   

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