Mann, drücken – nicht ziehen!

Bei uns ist, wie bei vielen von euch, das Wetter als sehr besch…eiden zu bezeichnen. Es ist grau, nass-kalt und stimmungstrübend. Sobald man im Auto sitzt, ist der Scheibenwischer im Dauereinsatz.

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Meine heutige Kolumne dreht sich genau um dieses Phänomen. Die Wischblätter des Wischers schwingen also pausenlos hin und her. Klar, dass das beste Material irgendwann Verschleißerscheinungen aufzeigt. So auch bei mir.

Das Wischblatt links hing in den letzten Tagen recht zerfleddert auf der Scheibe. Bei jeder Hin- und Herbewegung gab es fürchterliche Schlieren auf dem Glas. Meine Sicht beim Fahren war dadurch stark beeinträchtigt.

Ich wollte diesen gefährlichen Zustand ändern und ging deshalb zu meinem Ehemann und meldete das Problem. Philipp meinte, ich solle eben kurz neue Wischblätter kaufen fahren, die Montage sei ein Klacks.

Naiv wie ich manchmal bin, fuhr ich zum nächsten Baumarkt und stand dann da vor unzähligen Wischblättern in allen Formen und Größen. Da war guter Rat teuer. Da kein männlicher Einkäufer weit und breit sichtbar war, begab ich mich auf die Suche nach einem Kundenberater. Ihr könnt euch vorstellen, das war so ähnlich, als ob ich eine Nadel im Heuhaufen suchen ging.

Nach geraumer Zeit fand ich endlich jemanden. Er war sogar bereit mitzukommen. Nun standen wir beide vor den Wischblättern. Aber, der nette junge Mann schien exakt genauso wenig Ahnung davon zu haben, wie ich.  Das sich auf seiner Stirn abhebende unsichtbare Fragezeichen wurde größer und größer. Mist!

Ich überlegte also, woher wir eventuell eine Information erhalten könnten, welche Wischblätter bei meinem Auto passend wären. „Sagen Sie“ meinte ich deshalb zögerlich „könnte uns eventuell der KFZ-Schein weiterhelfen?“ „Super Idee“ antwortete der Kundenberater „darin steht das Baujahr ihres Autos und der Fahrzeugtyp. So finden wir das Richtige für Sie.“

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Klasse, dachte ich. Dann fing ich erst einmal an, in der Handtasche zu suchen. Ich habe in drei verschiedenen Portemonnaies unterschiedliche Inhalte. Was genau, kann ich gar nicht direkt sagen.  Schließlich fand ich, was ich suchte. Ich las dem Baumarktmitarbeiter die gewünschten Angaben vor. Der junge Mann griff zu einer Informationsbroschüre und fand binnen  sehr kurzer Zeit, die für mein Auto richtigen Wischblätter.  Glücklich nahm ich sie in Empfang. Anschließend  ab zur Kasse und fix nach Hause.

Mein Mann,, der vor unserem Haus im Nieselregen stand, weil ich ja nur ganz kurz zum Baumarkt wollte, begrüßte mich leicht angesäuert und recht nass.  Ich ignorierte diese Tatsache einfach. Freudestrahlend drückte ich ihm meine Beute in die Hand. Nun war er dran. Ich habe meinen Teil der Aktion erfüllt.

„Ich geh mal rein“ meinte ich „und koche uns einen Kaffee. Die Teile sind ganz leicht zu wechseln. Einfach die alten Teile rausklicken und die neuen Wischblätter reinklicken. Schau, das steht alles“. Mit einem Blick, der heißen sollte „Ich bin doch nicht doof!“ nahm  Philipp mir die beiden Wischblätterverpackungen ab.

Erleichtert ging ich meiner Beschäftigung in der Küche nach. Endlich wieder klare Sicht! Der Kaffee blubberte Minuten später heiß in der Espressokanne. Ich öffnete das Fenster und rief hinaus: “Kaffee ist fertig.“, Fenster wieder zu. In der Annahme, dass mein Mann gleich ins Wohnzimmer käme, goss ich den Kaffee in die Tassen und brachte alles auf den kleinen Tisch beim Fernseher. Die  Kekse dazu hatte ich vergessen, somit auch noch rasch diese geholt. Kein Philipp.

Vermutlich hatte er mich durch das Küchenfenster nicht gehört, dachte ich.  Ich ging also zur Haustüre vorne. Mit lauter Stimme rief ich erneut: „Schatz, der Kaffee ist fertig.“ Ich sah, wie ein wuscheliger Kopf, der vor Minuten noch perfekt gestylt war, hinter der offenen Motorhaube erschien. „Ähm, was machst du denn da?“ fragte ich irritiert. „Blöde Frage“ kam zurück „die Wischblätter austauschen. Schon vergessen?“  Da ich nicht wusste, warum dazu die Motorhaube geöffnet werden musste, trat ich neugierig raus in den Nieselregen,  neben das Auto. Ich nahm eine Verpackung in die Hand und schaute mir die Bedienungsanleitung an. „Von Haube öffnen steht da doch gar nichts“ sagte ich stutzig.  Mein Mann brummte nur irgendetwas von „Ich suche den Klickhebel“ oder so.

„Sie müssen den Hebel drücken. Das alte Wischblatt entfernen. Das neue auf die Stange stecken und einrasten lassen“ stand da. Völlig simpel. Ich sah mir also den linken Scheibenwischer an und fand auf Anhieb den kleinen Hebel. „Meinst du den Hebel?“ fragte ich meinen Mann. „Genau!“ kam von ihm „geh mal weg. Jetzt mach ich das kurz.“ „Gut, unser Kaffee ist nämlich im Wohnzimmer trinkbereit. Ich geh wieder rein“ war meine Antwort.

Ich kam genau bis zur Eingangstüre, da hörte ich ein lautes „Scheiße!  Jetzt geh doch ab.“ Philipp hatte den rechten Scheibenwischer in der Hand und rüttelte, zerrte und zog am alten Wischblatt. „Reiß bloß nicht den Stab ab“ äußerte ich besorgt. „Quatsch, ich weiß schon was ich mache. Halt du deinen Mund“ kam gereizt zurück.  Dann meinte Philipp:“ Das ist völlig eingerostet. Da tut sich gar nichts!“  Natürlich konnte ich das nicht einfach so im Raum stehen lassen. Ich ging zurück zum Auto und probierte Links, das Wischblatt zu lösen. Tatsächlich, nichts rührte sich. „Und jetzt?“ fragte ich meinen Mann. „Ruf den ADAC an“ antwortete er prompt. „Nee, das ist doch peinlich“ entgegnete ich entsetzt. „Mach“ kam von Philipp zurück „schließlich zahle ich da jedes Jahr die Gebühr für den Service. Dann kann da auch einer kommen und die Wischblätter neu machen.“  Und es kam, wie es dann immer kommt, wir fingen an zu streiten.

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Lautstark diskutierend standen wir auf der Straße. Philipp fuchtelte aufgebracht mit einem der neuen Wischblätter vor meiner Nase herum. „Kann ich euch vielleicht helfen?“ unterbrach uns Peter, unser Nachbar vom Haus rechts neben unserem.  „Klar“ antwortete Philipp schlagfertig „kannst du Wischblätter wechseln?“ Peter nahm die Dinger in die Hand, bediente den kleinen Hebel und DRÜCKTE das alte Wischblatt aus der Halterung. Zack, das neue war dran. Rechts das gleiche. Die Angelegenheit war binnen zwei Minuten erledigt.

Peter drehte sich breit grinsend um. „Drücken, nicht  ziehen“ meinte er und ging zurück in sein Haus. Wir zwei Streithähne schauten uns betreten an, dann mussten wir lachen. Oh Mann, wir mal wieder! Aber Danke, lieber Peter, wir haben etwas fürs Leben neu gelernt! Die neuen Wischblätter erneuern wir ratz fatz, irgendwann.     

Den Kaffee habe ich nochmal neu gekocht. Friedlich vereint ließen Philipp und ich uns dann die Kekse schmecken.

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16 comments on “Mann, drücken – nicht ziehen!

  1. Cool !!
    Man merkt das du verdammt viele Bücher liest ! Deinen Schreibstil finde ich genial ! Solche Bücher lese ich übrigens gerne !
    Schreibe doch auch mal ein Buch , aber dann bitte in diesem Stil . Ich lache sehr gerne 🙂
    liebe grüße dajana

    1. Liebe Dajana, du bist süß! Der Traum vom eigenen Buch existiert bereits. Die Umsetzung ist allerdings nicht so einfach, aber wenn es irgendwann einmal soweit ist, freue ich mich, wenn du zu meinen Leserinnen gehörst! LG, Mia

        1. Liebe Tine, hui… Auch deine Zuversicht in meine Fähigkeiten ehrt mich! Da muss ich doch ernsthaft in mich gehen und anschließend nachdenken. Ich will euch ja schließlich nicht enttäuschen. Und wer wagt, gewinnt, oder? Mann, Mann… das ist ein Ding

  2. Hallo Mia!
    Na, ich gesell mich in die Leserunde zu deinem ersten Buch!
    Wenn es solche witzigen Geschichten aus dem Leben erzählt… gerne.
    Da finden wir uns ja alle irgendwo wieder.
    Herzliche Grüße,
    Annette

    1. Liebe Annette, ich freue mich! Allerdings musst du dich noch fleißig in Gefuld üben, denn der Traum vom Buch muss von mir erst in die Tat umgesetzt werden.

  3. Hallo Mia,
    ich schmeiß mich weg, das hätten wir sein können.
    Mein Mann meint immer er könne das und am Ende ist noch etwas kaputt. Lustig wie simpel manchmal etwas geht und wie viel Stress man sich selbst macht und daraus dann fuchsig wird. 😉
    Grüße Marie

    1. Liebe Marie, bei uns ist es nicht anders. Ich tu dann immer so, als ob mein Mann der Tollste ist, während ich ihm die Lösung des Problems geschickt verpackt anbiete. Wir sind wie ein italienisches Ehepaar: erst fliegen die Teller, dann die Küsse

  4. Liebe Mia,
    das ist so genial geschrieben…bin die ganze Zeit dabei am lachen. Mein Mann guckt schon ganz komisch … 🙂 Denkt wohl ich bin Alleinunterhalter:-) Also, wenn Du ein Buch schreiben solltest…ich bin dabei!!!

    1. Vielen lieben Dank! Ich freue mich sehr, wenn ich euch erheitern kann. So soll es sein. Und ich denke tatsächlich über ein Manuskript nach. Wenn es spruchreif ist, melde ich mich!

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