Mal eben!

Kennt ihr das? Ihr habt seit längerer Zeit eine Kleinigkeit zu erledigen, schiebt diese vor euch her, da es ja nur eine Kleinigkeit ist. Dann entschließt ihr euch endlich dazu die Kleinigkeit „mal eben“ ,so schnell nebenbei, aus der Welt zu schaffen, und alles kommt anders als gedacht!

 

Es war Samstag. Unsere Dinos hatten sich kurzfristig mit ein paar Klassenkameraden und deren Eltern verabredet. Um 10 Uhr morgens fuhren sie begeistert los – in die „Fun Arena“, einen großen Indoor-Spielplatz.

Philipp und ich waren genauso begeistert über die unerwarteten ruhigen Stunden zu zweit. Wir saßen gerade mit unserer dritten Tasse Kaffee, die wir in Ruhe genießen wollten auf dem Sofa und sprachen über Weihnachten (das Fest ist nicht mehr weit weg), als es an der Haustüre klingelte. Mich durchzuckte kurz der Gedanke, es könnten die Kinder sein, die spontan entschieden haben, nicht in die „Fun Arena“  zu wollen, aber nein, es war unsere Nachbarin.

Sie ist  im Haus neben uns zuhause. Eine ältere Dame, die stets sehr schick gekleidet das Haus verlässt. Anfangs war sie über unseren Einzug in unser Haus nicht sehr begeistert. Zwei kleine sehr lebhafte und ab und an recht laute Kinder, sowie eine Mutter, die ab und an auch recht laut  werden kann um ihre Raptoren zur Ruhe zu bekommen. Der Vater, der Zucht und Ordnung schaffen könnte kaum anwesend. Dazu ein sehr großer und mächtiger Hund. Angsteinflößend für jemanden,  der sich mit Hunden nicht so gut auskennt. Und last but not least ein Katerrudel raubte unserer Nachbarin, die es gewohnt war, in himmlischer Stille in ihrem Haus zu wohnen, bestimmt den einen oder anderen Nerv.

Dieses ist allerdings ein paar Jahre her. Mittlerweile verstehen wir uns mit unserer Nachbarin richtig gut. Wir nehmen für sie Pakete an, da sie viel auf Reisen ist. Im Gegenzug bringt sie unsere Mülltonne zur Straße, wenn wir in die Ferien fahren. Die Dinos bekommen von ihr hin und wieder  eine Tüte Gummibären geschenkt, einfach so, und Frau La Quart findet es ganz toll, dass unsere Kinder mit so lieben Haustieren aufwachsen dürfen. „Schuld“ an dieser Meinung hat einer unserer Kater, der bei ihr im Garten zwei Wühlmäusen den Gar ausgemacht hat, die sie zuvor mit jeglichen erdenklichen Anti-Maus-Mitteln zu bekämpfen versucht hatte.  

Okay, diese kleine Erläuterung am Rande. Frau La Quart stand also bei uns vor der Türe und fragte höflich an, ob Philipp und ich eventuell kurz Zeit hätten, ihr und ihrem Mann zu helfen, eine schwere Matratze bei ihnen im Haus aus dem ersten Stock über den Balkon abzuseilen. Da wir nette Nachbarn sind schwangen wir uns vom Sofa hoch, stellten unsere Kaffeetassen bei Seite und folgten Frau La Quart nach nebenan. Die Matratze war wirklich sehr schwer. Sie bestand aus Lattenrost und Federkernmatratze in einem. Wir vier Erwachsene mussten gut festhalten, als die Matratze über den Balkon im ersten Stock hinab sank. Danach gingen wir alle in den Garten und trugen dieses mega schwere Teil in die Garage der älteren Herrschaften.

Philipp und ich hatten unabhängig voneinander während dieser überraschenden Aktion erstaunlicher Weise den gleichen Gedanken:“ kurz mal bei uns die Garderobe erweitern“! Warum? Nun, ganz einfach. Die Kinder haben für ihre vielen verschiedenen Jacken, die im Moment einfach dank des wechselhaften Wetters erforderlich sind, eine schöne Garderobe mit richtig vielen Kleiderhaken. Wir Erwachsenen hingegen hängen wenige Haken mit genauso vielen Jacken und Mänteln voll.

Das hat zur Folge, dass ich genervt bin, da Philipp meistens seine Sachen über meine hängt. Gut, wenn er zuhause ist, geht er mehr mit Brutus spazieren, weil er die Spaziergänge mit dem Hund genießt. Dafür zieht er allerdings nicht wie ich die gleiche Jacke an, sondern er wählt je nach Laune aus. Pro Spaziergang also eine Jacke mehr auf meinen. Wenn ich dann das Haus verlassen möchte, um zum Beispiel die Dinos von der Schule abzuholen, muss ich meine Jacken unter denen von Philipp herauskramen. Nervig finde ich das, total nervig!

Philipp sprach die Idee mit der Garderobenerweiterung zuerst aus. Fand ich ganz toll, denn er war ja der Stress auslösende Faktor. „Klar“ sagte ich, „das machen wir kurz. Dieses Ding da rasch anzubohren ist ja überhaupt kein großer Akt“. Gesagt, getan. Philipp ging in den Keller, um die dort gelagerte zusätzliche Garderobe, seine Bohrmaschine, Dübel, Schrauben, Wasserwage und und und nach oben in den Flur zu holen. Ich befand mich zur selben Zeit im Flur, um die voll gehängte ursprüngliche Garderobe leer zu machen. Es kann ja nicht gebohrt werden, wenn kein Platz dafür ist. Während ich meiner Arbeit nach ging überlegte ich, wo die andere Garderobe am besten angebracht werden könnte.

Als Philipp mit seinen Gerätschaften und Zubehör zu mir stieß, teilte ich ihm meine Entscheidung mit:“ Schatz“ meinte ich „der beste Platz für die andere Garderobe ist hier daneben“. Philipp schaute, hielt das Metallding an besagte Stelle und wir sahen, dass der Schuhschrank wegen zwei Zentimetern im Weg stand. Mist! Also andere Seite. Da war die Wand zu kurz. Scheiße! Achselzuckend meinte dann mein Ehemann.“ Ja, da bleibt uns nichts anderes übrig, als das blöde alte Ding hier abzubauen. Der Schuhschrank nervt mich eh, weil da zwei Schubladen kaputt sind. Komm wir fahren kurz in den Schnickschnackladen beim Baumarkt. Die haben da Schuhbänke stehen. Würde doch hier  auch gut passen“. Gute Idee, ich bin immer für Veränderungen zu haben. Unsere Dinos waren bis 16 Uhr unterwegs, wir haben ja Zeit. Und die Schuhbank ist ja ratz fatz gekauft.

Wir haben dann den Platz ausgemessen. Die Bank soll unter der Kindergarderobe ihren Standort haben. Praktisch, können wir uns  zukünftig im Flur zum Schuhe anziehen hinsetzen und müssen uns nicht um einen geeigneten Platz auf  der Treppe nach oben streiten.

Wir haben wirklich sehr schnell eine passende Schuhbank gefunden und waren nach nicht einmal einer halben Stunde wieder zuhause. Philipp hat sich gleich daran gemacht den alten Schuhschrank, der mit Dübeln und Haken in der Flur Wand gesichert war, auszuräumen  und anschließend abzubauen. Das ging auch sehr schnell. Gemeinsam trugen wir das klapperige Ding bei uns im Garten in den Schuppen. Die Kindergarderobe räumten wir ebenfalls leer, denn wenn Philipp  gleich für die Löcher der neuen Garderobe bohren muss wäre das mit dem Staub in den Kinderjacken doof.

Da standen wir also anschließend im leeren Flur und betrachteten die leeren Wände. Und oh Graus, die sahen fürchterlich aus. Dort wo der Schuhschrank ehemals stand waren schwarze Striemen an der Wand. Vom Auf- und Abhängen der Erwachsenenjacken komischer Weise ebenso. Brutus hat auch seine Spuren an den Wänden hinterlassen. Na ja, ein Hund schüttelt sich nun auch mal drinnen, wenn es draußen regnet. Erstaunlich wie hoch doch so Matschtröpfchen  fliegen können, wenn sich unser großer Liebling „abtrocknet“.

Wir haben natürlich auch ein Hundehandtuch im Flur hängen, um Brutus trocken zu reiben und den Fliesenboden zu säubern, aber es sind doch etliche Tropfen, wie auch immer, unter die aufgehängten Jacken geflogen. Unser Versuch, die Tropfen mit einem nassen Schwamm weg zu wischen schlug fehl. Anstatt Drecktropfen waren danach Dreckstreifen auf der Wand sichtbar.

Nee, so können wir den Flur nicht lassen! Komisch, dass das nie auffällt, wenn der Flur voll gehängt ist. Es war kurz nach 12 Uhr. Wenn wir jetzt gleich die Wände streichen würden, wäre die Farbe bis 16 Uhr bestimmt getrocknet. Am besten nehmen wir Latexfarbe. Die können wir zukünftig abwischen. Wir haben ja noch Zeit, die Dinos sind unterwegs.

Natürlich hatten wir keine Latexfarbe im Haus vorrätig. Somit wieder anziehen und zum Baumarkt fahren. Wir waren ja vor kurzer Zeit nur nebenan im Schnickschnackladen die Schuhbank kaufen. Hätten wir gewusst, dass wir noch zum Baumarkt müssen, hätten wir die Farbe gleich mit kaufen können. Ich fühlte so eine kleines genervt sein Gefühl in mir. Das verflog wieder rasch, als Philipp und  ich vor der Latexfarbe standen. Warum alles öde Weiß streichen, eine Wand könnte ja farbig werden. Es ging hin und her bei meinem Ehemann und mir, weil wir unterschiedlicher Ansicht waren, welche Farbe passend wäre. Mein Wunsch setzte sich letztendlich durch – Flieder sollte es sein. Okay, ich gebe zu, ich habe Philipp eine kleine Szene bereitet, aber dafür bin ich ja schließlich Frau, oder? Bei meinem Husbandus und mir ist es  oft so, dass ich mir vor meinem inneren Auge vorstellen kann, wie etwas aussieht und er kann das überhaupt nicht. So ist es auch bei der Wahl von Möbeln. Deshalb bestehe ich eben ab und an auf etwas, auch wenn meine Tomate, die nun mehr zu einer Chili mutier ist, es sich nicht vorstellen kann.

Zurück im Haus im Flur stehend gab ich Philipp erst einmal einen Kuss. Das wirkt immer. Chili wurde wieder Tomate! Rasch in alte Klamotten geschlüpft und los ging es. Philipp strich die linke Seite, an der unsere Garderobe hängen wird,  Weiß und ich die rechte Seite, an der die Kindergarderobe erst einmal abmontiert wurde, Flieder. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Die Latexfarbe  brachte den Flur richtig zum Leuchten und  Strahlen. Nun musste auch Philipp zugeben, dass Flieder super passend ist. Stimmt`s, bei euch Leserinnen und Lesern  ist das auch so, oder?

Wir waren sehr zufrieden. Da auf feuchter Farbe keine Garderoben befestigt werden können machten wir uns daran, die Schuhbank auszupacken und aufzubauen. Sah eigentlich ganz leicht aus. Wäre es sicherlich auch gewesen, wenn die vorhandenen Löcher sauber gefräst gewesen wären. Oh Mann, an diesem scheiß Teil wäre fast mal wieder unsere Ehe zerbrochen. Wir haben zuerst ohne Bauanleitung gearbeitet. „Mann“ weiß ja, wie etwas zusammen gebaut wird. Stellte sich als Irrtum heraus. Schritt zwei hätte eigentlich nach Schritt vier gemacht werden sollen. Also alles wieder auseinander bauen und Bauanleitung auspacken. Hat damit dann alles gut gepasst, bis wir schließlich zu der tragenden Mittelstange und den dortigen Bohrungen  gekommen sind. Kein Loch passte zu irgendeiner noch vorhandenen Schraube. Erst versuchte es Philipp, dann ich, dann wieder Philipp, anschließend erneut ich. Mit jedem Wechsel wurde die Stimmung explosiver, die Ratschläge des nicht herum fummelnden Partners immer persönlicher. Zu guter Letzt schrien wir uns an, dass ER oder ICH einfach zu doof wäre die Schraube reinzudrehen.

Ich lief nach diesem Streit heulend nach oben ins Schlafzimmer, Philipp schmiss alles hin und setzte sich im Keller an seinen PC. So eine beschissene Idee, mal eben kurz diese scheiß Garderobe anzubauen!!!!

Aber wir wären nicht wir, das verrückte Paar, das eine italienische Ehe führt, wenn wir nicht wieder den Weg aufeinander zu machen würden. Philipp kam irgendwann mal hoch und klopfte an die Türe. Ich hatte mich mittlerweile auch wieder beruhigt und saß Musik hörend auf dem Bett. „Liebster Vogel“ so nennt mich Philipp manchmal „ magst du auch eine Tasse Kaffee?“. „Komm rein“ war meine Antwort. So saßen auf unserem Bett mit unseren Bechern in der Hand und alles war wieder gut. Wir gingen noch einmal alle Schritte der Bauanleitung durch. Wir haben definitiv keinen Fehler gemacht. Es lag also doch nur an den falsch gefrästen Löchern oder den falschen Schrauben. Fazit: die scheiß Schuhbank muss umgetauscht werden. Gesagt, getan!!

Mit der neuen Schuhbank lief dann alles ganz perfekt nach Bauanleitung. Ratz fatz war das Ding fertig. Die Latexfarbe war natürlich auch längst getrocknet, weil wir uns unheimlich lange mit der kaputten ersten Schuhbank beschäftigt hatten. Es war mittlerweile 15.45 Uhr. Die Dinos würden also bald nach Hause kommen. Wir beeilten uns deshalb unsere neue Garderobe anzubringen und die Kindergarderobe an ihrem alten Platz zu befestigen.

Als alles fertig war, die Jacken auf die Haken verteilt hingen, die Schuhbank unter der Kindergarderobe ihren Platz einnahm und unsere Schuhe einsortiert waren kam ein Anruf von den Dinos. Sie kämen gerne erst auf 18 Uhr. Die Eltern der Klassenkameraden würden noch mit ihnen allen zu Mc Donalds fahren wollen, ob das für Philipp und mich okay wäre?

Klar ihr lieben Dinos, genehmigt! Papa und Mama haben „mal eben“ den Flur verändert und werden die kommenden zwei freien Stunden genießen.

 

7 comments on “Mal eben!

    1. Liebe Sandra,
      wie das Leben so spielt! Freut mich, dass dir meine Kolumne ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte.
      Lieben Gruß,
      Mia

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