Leseprobe zum Roman „Anne, rette mich!“

 

 

Liebe Mama, du wärst gewiss stolz auf mich!

 

 

 

Leseprobe:

 

Epilog

Kleingartenanlage Waldbad, Grünwalderstraße in Stuttgart.

Obwohl es bereits 9 Uhr war, wollte es nicht hell werden. Schummriges Licht hüllte die Umgebung in eine milchglasartige Szenerie. Es war kalt. Die Temperatur maß gerade einmal 3,3 Grad Celsius. Graue Wolken standen tief am Himmel. Sie glichen dicken Schafen mit verschmutztem Fell. Ihre Anwesenheit schien jegliche Geräusche zu dämpfen oder ganz zu verschlucken, denn von der nahen Kräherwaldstraße waren keinerlei  Motorengeräusche zu hören. In den Bäumen und Sträuchern der Anlage hingen vereinzelt Nebelschwaden. Wie Zuckerwatte klebten sie an den noch kahlen Ästen.

  Es regnete bereits seit den frühen Morgenstunden. Dicht an dicht fielen die feinen Tropfen zur Erde herab. Das Prasseln erzeugte auf dem Boden und den Laubendächern ein monotones Geräusch.

Trotz der Feuchtigkeit lag ein holziger Geruch von frischen Sägespänen in der Luft, die beim Fällen alter Baumstämme am Vortag entstanden waren. Einige der Hütten waren schlicht gehalten, andere moderner. Vereinzelt waren Dachrinnen zu sehen, die in Regentonnen mündeten. Auch von dort war ein gleichförmiges Plätschern zu hören. Zwei Lauben trugen Solarzellen auf dem Dach. Eine davon gehörte Holger Mankowski.

  Wo im Sommer frisches Gras und Blumen sprossen, lag nun ein nackter, sandiger Fußweg, auf dem sich zwischen den zahlreichen Lauben die Pfützen sammelten. Einzelne davon schmolzen zu großen Wasserlachen zusammen.

  Eine Amsel genoss ausgiebig ihr Morgenbad. Sie saß in der Mitte einer Lache und flatterte lange mit ihren schwarzen Flügeln. Das Wasser spritze in feinen Tröpfchen über ihr Gefieder. Immer wieder drehte sie wachsam ihr Köpfchen mit dem leuchtend gelben Schnabel, um sicherzugehen, dass sie keinen Fressfeind zu befürchten hatte, bevor sie sich erneut ihrem Vergnügen hingab.

  Die Anlage war menschenleer – wie immer um diese Jahreszeit. Mitte März, der Schnee war gerade geschmolzen, konnte noch nichts in den Parzellen gearbeitet werden. Still und ruhig lag der Kräherwald um die Kleingartenanlage herum. Ein idyllischer Platz in der großen Stadt, der im Frühjahr zu langen Spaziergängen einlud und im Sommer Schatten und Kühle spendete.

  Plötzlich durchschnitt ein greller Schrei die Stille. Blass stand die Frau in der Laube, die ihrem Bekannten Holger gehörte. Sie klammerte sich an die Lehne eines Holzstuhls, der am Esstisch stand, und krümmte sich vor Schmerzen. Die Frau ächzte. Ihre Hände zitterten.

  Sie hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Suchend glitten ihre Augen durch den Raum. Sie wollte sich hinlegen. Hinten, in der Ecke stand Holgers grünes Sofa. Mit unsicheren Schritten tastete sich die Frau langsam vorwärts. Der Schmerz ließ im Augenblick etwas nach. Nach endlos erscheinenden Minuten kam sie bei der Couch an. Entkräftet ließ sie sich in die weichen Kissen fallen.

  Auf der Stirn hatten sich Schweißtropfen gebildet. Ihre langen, braunen Haare klebten ihr im Gesicht. Sie schloss ihre blauen Augen und atmete tief ein und aus. Dabei strich sie sich rhythmisch mit der rechten Hand über ihren Unterleib. Immer im Kreis herum. So hatte es ihre Mutter gemacht, wenn sie als Kind Bauchweh hatte.

  Eigentlich wollte sie hier in der Laube ein entspanntes Wochenende verbringen. Holger hatte ihr den Schlüssel gegeben. Er sei für ein halbes Jahr oder geringfügig länger in New York, meinte er, und wenn sie Bock habe, könne sie die Hütte nutzen. Es sei ihm sogar lieb, denn er wolle nicht, dass sich über den Winter irgend so ein »scheiß Penner«, wie er es ausdrückte, bei ihm einnistete.

Jeder wisse ja, dass »diese Arschlöcher« sich auf diese Weise eine warme Bleibe beschafften.

  Die Frau nestelte nun mit beiden Händen am Hosenknopf ihrer Jeans herum. Dieses Ding drückte ihr unangenehm in den Bauch. Sie hatte Mühe damit, denn ihre Hände zitterten immer noch unkontrolliert. Kaum war der Knopf offen, zog sie ihre Hose ganz aus. Sofort spürte sie die Kälte. Gänsehaut überzog ihre nackten Beine. Ein Kälteschauer floss durch ihren Körper. Sie hatte kurz zuvor, als sie die Hütte betrat, vergessen, den Stecker für die elektrische Heizung in die Steckdose neben der Türe zu stecken. Immerhin hatte sie noch ihre warmen Socken an.

  Da überrollte sie die nächste Schmerzattacke. Ihre Bauch- und Unterleibsmuskeln zogen sich erneut zusammen. Es fühlte sich an, als ob ein Tau sich in ihrem Körper befände, das zu einem Knoten zusammengezogen wurde. Fester wurde die Verschlingung und fester. Die Frau hielt die Luft an. Sie japste. Ihr Kopf verfärbte sich rot. Stoßartig quetschte sie die Luft aus ihren Lungen und sog anschließend gepresst neuen Sauerstoff ein. Reflexartig zog sie ihre Beine an den Körper. Ein Wimmern drang aus ihrer Kehle. Und gerade als sie das Gefühl hatte, den Schmerz nicht länger aushalten zu können, verebbte er wieder.

  Die Frau sank erschöpft in sich zusammen. Schweiß floss nun aus allen Poren. Sie rang nach Luft. Verzweiflung packte sie. Erst wenige Wochen zuvor hatte sie erfahren, dass sie Mutter werden sollte. Der Schwangerschaftstest war binnen Sekunden eindeutig gewesen. Zwei rosa Striche. Klar und deutlich. Im ersten Moment wusste sie damals nicht, was sie denken sollte. Freude? Angst? Sie hatte sich dann für einfach akzeptieren entschieden. Ganz pragmatisch. Ein Gotteszeichen. Eine Chance. Nun konnte sie beweisen, es gut zu machen. Besser!

  Der Frau kullerten Tränen über ihr ebenmäßiges Gesicht. Ihr Kajal begann sich aufzulösen und hinterließ schwarze Streifen auf den Wangen.

Dann war die kurze Erholungsphase zu Ende. Ein neuer Krampf baute sich auf. Stärker als vor wenigen Minuten. Sie wand sich von Neuem. Ein gequälter, langgezogener, hohler Ton trat über ihre zusammengepressten Lippen. Wieder zog sie ihre Knie eng an den Körper und drehte sich hin und her. Gleichzeitig kniff die Frau ihre Augen zusammen und betete stumm. Die Engelsmächte mochten sie beschützen. Ihre Flügel über das Leben in ihr legen. Doch der Schmerz blieb. Er war unbeschreiblich.

  Es war in etwa so, als ob sich eine grobe Hand in ihre weiche Gebärmutter grub. Die Hand packte zu und riss an dem, was sich in ihr befand. Gnadenlos. Hart. Die Faust, die ihr Kind gepackt hatte, ließ einfach nicht mehr los.

  Und dann vernahm die Frau das Seufzen. Ihr Kind wimmerte. Die Faust hatte gewonnen. Ihre Gebärmutter löste sich. Langsam sickerte das Blut zwischen ihren Beinen aus der Scheidenöffnung. Warm und klebrig fühlte es sich an.

  Die Blutung wurde mit jeder Minute stärker. Schwallartig quoll der dunkelrote Lebenssaft aus ihr heraus. Das Sofa wurde feucht und verfärbte sich. Die Hände der Frau versuchten instinktiv, das Blut zurückzuhalten, das unaufhaltsam nach außen strömte.

  Die Frau bettelte, sie flehte, sie schrie. Aber nichts und niemand halfen ihr. Das, was ihr vor Wochen als Geschenk in den Leib gelegt worden war, wurde ihr nun von der Hand des Teufels entrissen.

  In der Laube 102 der Kleingartenanlage an der Grünwalderstraße weinte die blutverschmierte Frau bittere Tränen.

  »Nicht einmal das gönnst du mir, Mutter«, dachte sie, »nicht einmal das!«

  Die Amsel in ihrer Pfütze bekam von alledem nichts mit. Sie hatte ihr Bad beendet und war damit beschäftigt, ihr Gefieder mit dem Schnabel zu glätten.

 

Freitag

5.29 Uhr.

  Langsam erhob sich die Maisonne am Horizont in ihrer vollen Pracht. Erste weiße, goldgelbe und orangefarbene Strahlen funkelten am Morgenhimmel. Sie überzogen den gesamten Horizont und erzeugten ein beeindruckendes Farbenspiel. Noch war es frisch, aber es würde ein herrlicher, warmer Tag werden. Still und verlassen lag der See in der Dämmerung. Die Sonnenstrahlen schlichen sich nun bereits durch die Baumkronen ans Ufer und tauchten das Wasser in ein diamantenes Glitzern. Ein Fisch sprang übermütig aus der Tiefe über die Wasseroberfläche. Mit einem leisen Platschen verschwand er wieder. Die Luft war klar und roch würzig nach Tannennadeln und getrocknetem Laub. Auf einer Lichtung links neben dem Seeufer stand ein äsendes Reh. Wachsam ließ es seine Ohren kreisen, während es beständig seinen Kopf beugte, um geschickt mit seiner Zunge den frischen Klee aus den umliegenden Grashalmen zu pflücken.

  Ein milder Wind umspielte das Gesicht von Anne von Hohenstedt. Ihre glatte, feinporige Haut war bereits leicht getönt. Der positive Nebeneffekt von ausgiebigen Hundespaziergängen an der frischen Luft.

  Lange Wimpern umrahmten ihre geschlossenen, mandelförmigen Augen. Die große, schlanke Frau stand still auf dem Turm in 192 Metern Höhe. Ihre blonden, knapp bis zum Ellenbogen reichenden Haare hatte sie zu einem strengen Pferdeschwanz nach hinten gebunden. Einzelne Haarsträhnen streichelten sie im Nacken und an den Schultern. Ausgiebig genoss die einundvierzigjährige Kriminalhauptkommissarin die Ruhe.

  Die absolute Lautlosigkeit erzeugte in Anne inneren Frieden und ein tiefes Wohlempfinden. Sie lächelte, denn neben ihr stand ihre Schwester, Eva. Seit ihrer Zeugung waren die beiden unzertrennlich. Selbst wenn viele Kilometer die Frauen trennen würden, wären sie dennoch telepathisch miteinander verbunden.   Ein Phänomen, das besonders bei weiblichen eineiigen Zwillingen auftrat.

  Dann wurde Anne jäh aus ihrer Geborgenheit gerissen. Noch aus den Augenwinkeln heraus sah sie, wie Eva strauchelte und über die Plattform nach vorne kippte. Mit vor Panik aufgerissenen Augen versuchte Eva nach Annes rechter Hand zu greifen. Aus Evas Mund kam ein stummer Schrei. Die Schwerkraft siegte. Eva begann, wie ein Stein in die Tiefe zu fallen. Ohne nur eine Sekunde zu zögern, sprang Anne von der kleinen Turmaussicht hinterher.

  Beide Frauen rasten auf die Seeoberfläche zu. Eva ruderte verzweifelt mit den Armen, in der Hoffnung, den Fall irgendwie verlangsamen zu können. Anne lag hingegen stromlinienförmig im Wind.

  Die Luft war eisig. Der Wind, der Eva in den Ohren pfiff, schwoll Sekunde für Sekunde zu einem markerschütternden Geheul an. Maßlose Angst packte die Zwillingsschwestern. Eva konnte nicht schwimmen. Sie würde, wenn sie in den See fiele, untergehen und jämmerlich ertrinken.

  Anne stieß einen Entsetzenslaut aus und saß schweißgebadet in ihrem Bett. Florian, Annes Ehemann, war bereits aufgestanden. Zitternd und schwer atmend rang die Hauptkommissarin nach Luft.

  Zeitgleich klingelte, in den wabernden Zustand zwischen Traum und Erwachen hinein, ihr Handy. Anne griff mit halb geöffneten Augen nach dem rechts auf ihrem Nachttisch stets griffbereit liegenden Telefon. Sie wusste, ohne auf ihr Display sehen zu müssen, wer dran war und sprach mit belegter Stimme: »Moin Evi, ganz ruhig, das war nur unser Albtraum. Hörst du? Nicht weinen! Ich hätte dich gerettet, das weißt du!«    

 

5.55 Uhr

  In Bad Cannstatt, etliche Kilometer von Anne entfernt, klingelte es auch. Lange. Ein Wecker. Der widerliche und hell surrende Klingelton drang langsam aber nachhaltig in das benommene Bewusstsein des Mannes ein. Er, der sich selbst Kliff nannte, öffnete bedächtig die Augen. Durch die ungeputzten Fenster drangen zaghaft die ersten Sonnenstrahlen des Tages.

  Heute war es endlich soweit. Die vergangenen Wochen, die durch harte Arbeit gekennzeichnet waren, lagen hinter ihm. Nun würden seine Mühen Früchte tragen. Noch war er nicht ganz an seinem Ziel angelangt. Das würde sich aber in den kommenden Stunden ändern. Ein süffisantes Lächeln umspielte seine vollmundigen Lippen.

  Kliff streckte sich. Der große, hagere Mann hatte fast zierlich erscheinende Gliedmaßen und feingliedrige Hände. Dennoch zeichneten sich deutlich viele Muskeln ab.  Seine glatte Gesichtshaut wies keinerlei Bartstoppeln auf.

  Heute fiel es ihm schwer aufzustehen. Erneut räkelte er sich genüsslich hin und her, um anschließend seine langen Beine aus dem Bett zu schwingen.

  Mechanisch streichelte er den Kopf der rot-weiß getigerten Katze, die neben seinem Bett saß. Ab heute war die Jagdsaison eröffnet. Doch bevor er sich das Vögelchen schnappte, wollte Kliff joggen gehen.

 Der Mann stand vom Bettrand auf, ging ins Bad und putzte sich die Zähne. Anschließend bürstete er seine schwarzen, kurzen Haare und strich die buschigen Augenbrauen glatt. Danach zog er seinen Jogginganzug an, griff seine Haus- und Autoschlüssel und verließ kurz nach 6 Uhr die Wohnung.

  Seine favorisierte Laufstrecke verlief durch den Killesberg Park. Dafür musste er ein paar Meter mit dem Auto fahren.

  Die gelben Glasaugen der ausgestopften Katze starrten Kliff ausdruckslos hinterher.

 

6.38 Uhr

  Ein Unfall in der Friedrich-Ebert-Straße, der eine Vollsperrung zur Folge hatte, zwang Kliff dazu, einen großen Bogen durch die Stuttgarter Innenstadt zu fahren.

Er entschloss sich deshalb spontan, heute über den Herdweg und die anschließende Lenzhalde zum Park in Stuttgart Nord zu fahren. Während er zähneknirschend dem Straßenverlauf folgte, spürte er, dass seine innere Erregung stieg. Die Vorfreude, die mehr und mehr von ihm Besitz ergriff, steigerte seine Gier nach Vergeltung. Er, Kliff, war zurückgekehrt, um Rache zu nehmen. Sein CD-Spieler im Auto ließ harten Trash Punk aus den Lautsprechern erschallen. Der Sound der E-Gitarre, das rasende Tempo des Schlagzeugs und die raue Gesangsstimme des Bandleaders peitschten Kliff zusätzlich an. Er war heiß und versessen auf das, was heute folgen würde. Dann trat er abrupt auf die Bremse.

   Anne von Hohenstedt, die seit dem Herdweg hinter einem dunkelblauen Golf 7 herfuhr, musste ebenfalls bremsen, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. Heute fuhren doch alle wie Bekloppte. »Sag mal spinnst du?«, schrie sie entrüstet aus dem geöffneten Beifahrerfenster, als sie das stehende Fahrzeug vor sich überholte. Sie sah einen Hinterkopf mit dunklem Haarschopf. Der Fahrer blickte nach rechts zur Seite. Er sprach aus dem ebenfalls bei sich geöffneten Beifahrerfenster eine junge Frau an. Diese beugte sich nach vorne. Ihre langen, glatten, braunen Haare fielen ihr sanft über die Schultern zur Brust. Die junge Frau lächelte. »So ein Idiot«, fluchte Anne vor sich hin, dann gab sie Gas. Ihr Telefonat mit Eva hatte länger gedauert als gedacht. Damit geriet sie, wie so häufig morgens, wieder einmal in Zeitnot. Da ihr üblicher Weg zur Arbeit durch den Autounfall in der Friedrich-Ebert-Straße gesperrt war, wurde sie heute ebenfalls gezwungen, einen großen Umweg zu fahren. Genervt hämmerte sie auf ihr Lenkrad. Sie durfte nicht zu spät im Dezernat ankommen.

8.10 Uhr

  Verdammte Scheiße, dachte Anne auf dem Revierparkplatz. Alles war bis zur Straße Am Kräherwald glatt verlaufen.

Sie war bis dahin super pünktlich in der Zeit gewesen. Dann fuhr ein LKW-Fahrer in eine große Moorschnucken-Herde. Er hatte die Tiere auf der Fahrbahn anscheinend zu spät registriert. Bilanz des Unfalls: drei Tiere lagen tot unter seinem Fahrzeug, ein weiteres Tier musste schwerverletzt von einem herbeigerufenen Veterinär getötet werden. Die restliche Herde war in Panik auseinandergestoben.

  Der Berufsverkehr am Killesberg brach binnen weniger Sekunden zusammen. Es dauerte über eine Stunde, bis die Fahrbahn einspurig wieder freigegeben wurde.

  Während dieser Zeit hörte Anne im Auto Radio. Der Moderator erzählte den Zuhörern irgendetwas vom Schwarzen Mond, der kommenden Mittwoch sein sollte. Ein Ereignis für Esoteriker, hieß es. Wenn das Nachtgestirn neu geboren werde, sei es Zeit für Erneuerung. Eine Gelegenheit, sich von alten Gewohnheiten zu lösen.

  Anne schüttelte ihren Kopf, als sie das hörte. Lächerlich, dachte sie, für allen Scheiß soll der Mond  zuständig sein? Wenn ich etwas verändern will, dann mach ich es, ohne auf den Mond zu achten. Anne hielt Esoterik für Humbug.

  »Aber«, sprach sie zu Pollux, ihrem dreijährigen Bordeauxdoggenrüden nach hinten, »es gibt tatsächlich so Freaks, die sich gemäß dem Mondstand ihre Fingernägel schneiden. Irre was?« Anne musste lachen.

  Zeitgleich fiel ihr ihre langjährige Kollegin Carola Steiner ein,  die tatsächlich nach einem Mondkalender lebte. Freakig war die eigentlich nicht.

Eher überkorrekt und fast spießig. Anne wischte ihre Gedanken weg. Ein paar Ausnahmen mit Hang zur Normalität mag es ja unter denen geben.  

  Um 7.46 fuhr Anne an der Unfallstelle vorbei. Das Blut der toten Tiere floss unter dem Lastwagen hervor. Anne taten die Schafe leid. Sie liebte Tiere jeglicher Gattung.

  Nun stand sie auf dem Parkplatz und war schon wieder zu spät. Mit Glück könnte sie sich am Büro von Dr. Schwarz vorbeimogeln, mit Pech würde sie ihm direkt in die Arme laufen.

  Anne schaute vorsichtig nach links und rechts und drehte dann den Zeiger ihrer Ice-Swatch um zehn Minuten zurück. Ein spontanes Gefühl der Zufriedenheit durchströmte sie. Super, nun war sie pünktlich. Und falls sie Radegund Schwarz begegnen sollte, könnte sie immer noch vom Unfall mit den Schafen erzählen. Ihre Aussage ließe sich ja problemlos überprüfen.

  Anne ging zum Kofferraum und öffnete ihn. Pollux lag entspannt auf der Ladefläche und schaute sie erwartungsvoll an. Ihm gefiel sein Job.

  Seit 2011 zeichnete sich bei der Hundestaffel der Polizei in Baden-Württemberg ein Führungswechsel ab. Die bislang dominierende Rasse des Deutschen Schäferhundes wurde durch andere aufgelockert. In Stuttgart kamen circa fünfzig Polizeihunde zum Einsatz. Einer davon war Pollux.

  Bordeaux-Doggen besaßen eine hohe Reizschwelle, waren selbstsicher und mutig. Die Rasse zeichnete sich durch Ausgeglichenheit und schier endlose Geduld aus. Ihren Menschen gegenüber war eine Bordeauxdogge sehr loyal und liebevoll. Somit wurde Pollux vor einiger Zeit Annes indirekter Bodyguard. Ihr Defender in undurchschaubaren Situationen.

8.15 Uhr

  Mittlerweile war es hell geworden. Der Wald pulsierte. Vögel hüpften auf den Ästen der Bäume oder sammelten auf dem Boden Laub, Moos und anderes Nistmaterial. Zwei rostrote Eichhörnchen spielten in einer hohen Tanne Fangen. In einem Fenstergiebel des ehemaligen Wohnhauses hatten sich Hornissen eingenistet. Emsig flogen die Insekten ein und aus. Ihr Summen klang in der friedvollen Stille laut. Es roch nach nasser Erde und modrigem Laub. Einzelne Tropfen des Morgentaus perlten funkelnd an Grashalmen ab, als ein Maikäfer gemächlich über eine weiße Anemone krabbelte. Irgendwo in der Nähe hämmerte ein Specht mit seinem Schnabel gegen einen hohlen Baumstamm.

  Kliff hielt vor der verfallenen Kapitänsvilla an. Er stellte den Motor ab, stieg aus, ging um das Auto herum, öffnete die Beifahrertüre und beugte sich in den Innenraum des Fahrzeuges. Mühsam zog er eine regungslose, junge Frau ins Freie.

  Ihre langen, braunen Haare fielen ihr dabei ins Gesicht. An der rechten Schläfe prangte eine dicke, sich langsam dunkel verfärbende Beule. Die junge Frau trug ein dunkelblaues Baumwollkleid mit weißen Blumen, eine dünne, hellblaue Jeansjacke, dunkelblaue Strumpfhosen und braune Kurzstiefel.  Wie ein Sack Kartoffeln hing sie schlaff in seinen Armen. Sie war schwerer als erwartet.

  Kliff ging rückwärts auf die alte Lagerhalle zu. Die Füße der jungen Frau schleiften dabei leise raschelnd durch das Laub. Bei jedem Schritt wippte ihr Kopf rhythmisch mit.

  Die Suche nach den passenden Räumlichkeiten für sein Vorhaben hatte lange gedauert. Schließlich half Kliff der Zufall. In einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung schrieb ein Journalist über eine einst angesehene Familie adliger Herkunft. Sie hatte in der nun seit sehr vielen Jahren leerstehenden Kapitänsvilla in Stuttgart Kaltental gewohnt. Anscheinend gab es niemanden, der sich für dieses Anwesen interessierte, denn die Gebäude waren mittlerweile allesamt verfallen, standen aber unter Denkmalschutz. Kliff zögerte nicht lange. Nach einer kurzen Besichtigung stand für ihn fest, das ideale Versteck gefunden zu haben. Da sich in diesen Teil des Waldes offenbar keine Menschenseele verirrte, konnte Kliff sogar tagsüber ungestört hantieren.

  Er wählte für sein Vorhaben das ehemalige Lagerhaus aus. Darin befanden sich mehrere Kammern. Für seine zukünftigen Gäste schleppte er alte Holzliegen in die Räume. Die eisernen Handschellen, die er ebenfalls benötigte, brachte er an verrosteten alten Rohren an, die quer durch die Räume verliefen. Anscheinend musste die alte Lagerhalle damals beheizt werden, wofür auch immer.

  Das Backsteingemäuer war teilweise eingefallen, so dass Kliff zwei der Kammern mit Mörtel ausbesserte. Überall wimmelte es vor kleinen Kriechtieren, Spinnen und Mäusen. In manchen Ecken des Gebäudes stank es widerlich nach Mäusekot.

  Kliff wählte heute den vordersten Raum für seinen ersten Gast. Achtlos ließ er den Oberkörper der Frau auf die Holzliege fallen. Ihre Beine hob er anschließend nach. Geschickt fesselte er die Handgelenke seines Opfers mit den vorbereiteten Handschellen am alten Eisenrohr über ihrem Kopf fest. Er prüfte, ob sie durch die Öffnung der Handfesseln schlüpfen könnte. Alles gut.

  Kliff atmete zufrieden aus. Wieder hatte ihm der Zufall geholfen. Neugierig betrachtete er seinen Fund. Sie war jung. Mitte zwanzig, schätzte der Mann. Ihre Haut war makellos und von einer feinen Blässe. Volle Lippen und schöne, geschwungene Augenbrauen betonten das hübsche Gesicht. Am meisten aber gefielen ihm ihre langen, braunen Haare. Wie ein seidiger, schimmernder Fluss umgaben sie ihren Kopf. Kliff ergriff eine Strähne und roch daran. Ein wundervoller Duft von Sommer, Kokosnuss und blumiger Lieblichkeit stieg in seine Nase. Die Haare waren zudem geschmeidig und weich. Eine alte Erinnerung wallte kurz auf. Kliff hörte ein hämisches Lachen in seinem Kopf widerhallen.

  Ein damit verwobener abgrundtiefer Hass stieg zeitgleich wie eine Luftblase in seinem Brustkorb auf. Mit wutverzerrtem Gesicht  schlug Kliff der jungen Frau mit der flachen Hand ins Gesicht. Sie zuckte zusammen und öffnete mit flatternden Lidern die Augen. Als sie in Kliffs rachelüsternes Gesicht blickte, schrie sie entsetzt auf.

  Ruckartig setzte sie sich hin, um sofort festzustellen, dass ihre Hände über dem Kopf fixiert waren. Erneut stieß sie einen grellen Schrei aus. Panik ergriff sie. Sie keuchte. Dann zog sie ihre Beine an und wich auf der Holzliege so weit wie möglich vor Kliff zurück. Mit nestelnden Fingern versuchte sie, ihr Kleid möglichst schützend über ihre Brust zu ziehen.

  »Guten Tag meine Schöne« , sprach der Mann sie mit seiner tiefen und rauen Stimme an. Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, während seine Augen die Frau reglos anstarrten.

  »Was wollen Sie von mir?«, schrie sie mit schriller, zitternder Stimme zurück.

  »Spielen«, war seine kurze Antwort.

  Seine grünen Augen blitzten eiskalt. Ein Frösteln rieselte durch die Adern der Frau.

Angst breitete sich überall in ihrem Körper aus und überflutete ihre Sinne. Ihr anfänglich leichtes Zittern verstärkte sich.

  Kliff trat nahe neben die Pritsche und packte sie hart an den Haaren. Er riss ihren Kopf nach hinten und küsste sie grob auf den entsetzt aufgerissenen Mund. Sie versuchte ihren Kopf wegzudrehen, doch seine linke Hand hielt diesen wie in einem Schraubstock fixiert fest. Als Kliff von ihr abließ, begann die junge Frau zu schluchzen.

  »Gefällt es dir etwa nicht?«, herrschte er sein Opfer an und packte sie erneut. Dieses Mal schob er unnachgiebig seine forschende Zunge in ihren Mund. Süß schmeckte seine Beute. Gleichzeitig rieb er seine rechte Hand über ihre Brust. Er spürte, wie sich unter der Berührung seiner Finger ihre Brustwarzen aufstellten.

  »Siehst du«, hauchte er ihr ins Ohr, »es gefällt dir doch.«  Die junge Frau wimmerte. Sie begann zu schwitzen.

  »Hör auf zu jaulen!?«, schrie er sie unvermittelt an, »Ich kenne eine Frau, die dieses Spiel liebte. Stundenlang konnte sie sich daran ergötzen. Jetzt darfst du mit mir spielen. Und ich verspreche dir, ich lasse mir ganz viel Zeit.«  

 

8.17 Uhr

  Anne von Hohenstedt kam leicht außer Atem im fünften Stock des großen Polizeikomplexes an. Wie jeden Morgen war sie die 456 Stufen nach oben gelaufen, da Pollux den elektrischen Aufzug hasste. In der Eingangstüre zum Dezernat 11 erwartete sie bereits Dr. Radegund Schwarz, ihr direkter Vorgesetzter.

  Er war sechzig Jahre alt, schlank, knapp 1,90 Meter groß, hatte kurze, bereits ergraute Haare und einen Oberlippenbart. Wie jeden Tag trug er einen makellos sitzenden Designeranzug.    Heute in der Farbe Dunkelblau. Passend dazu eine eisblau schimmernde Seidenkrawatte. Für sein Alter war er durchaus ein attraktiver Mann. 

  Dr. Schwarz wippte auf seinen Fußsohlen hin und her, von der Hacke bis zur Spitze und umgekehrt. Als er Anne erblickte, schaute er demonstrativ auf seine teure Breitlinguhr, die er zu Weihnachten von seiner Schwester geschenkt bekommen hatte.

  »Frau von Hochmut«, sprach er barsch, »wie nett! Sie und Schlabberbacke sind also eingetroffen. Alle meine Untergebenen sind pünktlich da, nur Sie und ihr Monster wieder nicht! So geht das nicht weiter!«  

  Dr. Schwarz starrte Anne gereizt an.

  Oh Mann, was für eine Begrüßung, dachte Anne. Vermutlich hatte ihm wieder eines seiner Onlinedates kurzfristig abgesagt, wie es freitags schon öfter der Fall war.

  Seitdem ihn seine Frau vor fünf Monaten wegen eines jüngeren Mannes verlassen hatte, war Herr Dr. Schwarz launisch, unberechenbar und empfindlich. Der Schock saß immer noch tief. Anne kannte seine Frau von diversen öffentlichen Veranstaltungen, die es bei der Polizei gab.

  Heidrun Schwarz war eine zierliche Person, mit langen, roten Haaren, freundlichen, blauen Augen und immer einem Lächeln im Gesicht. Sie wirkte eigentlich stets mit ihrem Mann harmonisch. Es musste etwas Außergewöhnliches passiert sein, dass sie die Trennung herbeigeführt hatte.

  Was, ging Anne nichts an. Sie lebte streng nach dem Glaubenssatz, Beruf und Privatleben, so gut es geht, voneinander zu trennen.

  »Herr Dr. Schwarz, wie schön, dass Sie mich heute so freundlich empfangen«, strahlte Anne ihren Chef gequält an, »auf meiner Uhr ist es Punkt acht, schauen Sie.«  Anne hielt ihm ihre Uhr unter die Nase. Skeptisch blickte Dr. Schwarz auf das Zifferblatt. »Außerdem wurde ich durch einen Unfall aufgehalten. Am Killesberg war ein Lastwagen in eine Schafherde gefahren. Das können Sie gerne nachprüfen.«  

  Anne schenkte ihrem Chef ein versöhnliches Lächeln.

  »Seit wann fahren Sie diesen Umweg?«, wollte Dr. Schwarz wissen.

  »Die gesamte Innenstadt ist dicht, warum auch immer«, erklärte sich Anne.

  »Aha«, antwortete Schwarz knapp. Er kniff seine Augen zusammen und blickte Anne nach wie vor skeptisch an.

  »Und, Dr. Schwarz«, fügte Anne rasch hinzu, »ich möchte Sie hiermit noch einmal an die Geburtstagsfeier am Sonntag bei mir zu Hause erinnern. Sie kommen doch, oder?«    

  Erstaunt sah sie der Erste Polizeihauptkommissar Schwarz an. »Die Party, meine Güte, gut, dass Sie mich noch einmal daran erinnern.«  Ein verstecktes Lächeln huschte über sein Gesicht. Das hatte er tatsächlich bereits wieder vergessen. Er nickte Anne zu, und wie aus Reflex streichelte er Pollux über den breiten Hundekopf.

  »Ich weiß, was Sie vorhaben«, sprach Dr. Schwarz nach einer kurzen Pause, »aber bilden Sie sich ja nicht ein, Sie könnten mich damit um den Finger wickeln.«  Er starrte Anne erneut wütend an.

  »Aber so war das doch gar nicht gemeint«, erwiderte die Kommissarin sofort. Mist, dachte sie, der ist heute anscheinend so richtig sauer.

  Bevor Anne sich eine neue Taktik überlegen konnte, sprach Dr. Schwarz unvermittelt weiter: »Und, bevor ich es nicht ausrichte: Kollegin Steiner ist krank. Sie rief gerade an. Magen-Darm-Virus«. Dann hielt er Anne und ihrem vierbeinigen Begleiter die Eingangstüre zur Abteilung auf und winkte mit der linken Hand energisch Richtung Großraumbüro.

  »Ich danke Ihnen«, antwortete Anne, während sie durch die Türöffnung trat, »hat Carola gesagt, wie lange sie ausfällt?«  Dr. Schwarz schüttelte den Kopf. »Vermutlich wie die anderen vor ihr«, meinte er dann, »so zwei bis drei Tage. Im Ernstfall müssen Sie eben eine andere Fotografin für die Spurensicherung organisieren, oder Sverre Johanson macht das zusätzlich.«  

  Carola Steiner war seit Jahren mit im Team. Ihren scharfen Augen und der Linse ihrer Spiegelreflexkamera entging an den Tatorten nichts. Durch ihre pedantische Art, ihre Umgebung Zentimeter für Zentimeter abzusuchen, fand sie schon so manchen Hinweis, der maßgeblich zur Lösung eines Mordfalles beitrug.

  Knackarsch, dachte sich Radegund Schwarz im Stillen, als er Anne nachblickte und ihre Pobewegungen beobachtete. Als ob Pollux seine Gedanken verstanden hätte, blieb der Hund stehen und durchbohrte Dr. Schwarz mit einem ernsthaften Blick.

  »Ich erwarte Ihren Bericht zum vergangenen Einsatz bis heute Abend auf meinem Schreibtisch«, rief Radegund Anne gereizt hinterher, dann bog er in sein Arbeitszimmer ab und knallte die Türe zu.

9.05 Uhr

  Kliff beherbergte seit gut einer Stunde seinen Gast. Die junge Frau lag mittlerweile völlig erschöpft auf der Holzliege. Der Mann hatte sein Spiel verändert. Wie eine Katze, die ihre Beute genussvoll quält, bevor sie ihr Opfer tötet, stellte er jetzt der jungen Frau Fragen. Für jede falsche Antwort schlug er mit der Faust zu.

  Ihr eben noch hübsches Gesicht war nun angeschwollen. Das linke Auge wies ein ausgeprägtes Hämatom auf und war nur noch einen Spaltbreit offen. Die aufgeplatzten Lippen bluteten.

  »Nenne mir die ersten zwanzig Nachkommastellen der Kreiszahl Pi«, lautete die neue Anweisung. Die junge Frau weinte still und schüttelte ihren Kopf.

  »Ich weiß nicht«, flüsterte sie tonlos.

  »Streng dich doch mal an, du blödes Miststück!«, schrie Kliff sie an. Die junge Frau schloss ihre Augen.

  »Ich muss etwas trinken, bitte«, sprach sie weiter. Anstatt zu antworten, schlug Kliff zu. Unvorbereitet traf sie der harte Faustschlag im Bauch. Ein »Uffff«  drang aus ihrem Mund.   Gleichzeitig zog die junge Frau ihre Knie an. Der Schmerz war riesig. Ihre Atmung ging stoßartig.

  Kliff begann sich zu langweilen.

  »Trinken«, hauchte sie, »ich muss trinken.« Der Mann betrachtete sie stumm.

  »Gütiger Gott, hilf mir«, flüsterte die Frau flehend.

  »Gott?«, fragte Kliff hämisch, »was willst du denn von dem?« Er starrte die Frau durchdringend an.

  »Der Saftsack wird dir nicht helfen«, meinte er anschließend gedankenverloren, »der existiert nämlich gar nicht. Wirst schon sehen.«  

  Sekunden später schlug Kliffs Spannungslosigkeit in blinde Wut um. Wie konnte diese billige Bitch es wagen, seine Autorität in Frage zu stellen. Als ob er ihre Forderung erfüllen würde.

  Sein erster Faustschlag traf sie mitten im Gesicht. Aus ihrer Nase schoss das Blut. Sie schrie schmerzerfüllt auf. Der nächste traf die junge Frau in der linken Niere. Instinktiv versuchte sie sich von Kliff wegzudrehen. Sie hatte keine Chance. Mit jedem Schlag prügelte er sich mehr und mehr in Rage. Ihre Schreie wurden lauter, dann verstummten sie. Kliff hörte erst auf, als er völlig außer Puste war. Schweißgebadet rang der Mann nach Luft.

  Die junge Frau rührte sich nicht mehr. Ihr  noch offenes Auge blickte starr und angstvoll aufgerissen zur Decke. Die zerschundenen, blutigen Lippen waren leicht geöffnet. Ihre fixierten Hände hingen schlaff in den Handschellen. Ihre Brust hob und senkte sich nicht mehr. Er konnte es auf Anhieb sehen, die junge Frau war tot.

  Kliff keuchte. Mit der linken Hand wischte er sich den Schweiß aus den Augen. Still betrachtete er sein Werk. Einerseits empfand er leichte Enttäuschung, er hätte gerne noch länger gespielt, andererseits durchströmte ihn ein Gefühl von Kraft.

  Forschend glitten seine Hände über ihren leblosen Körper. Er war warm und weich. Er beugte sich über sie und roch an ihr. Ein lieblicher Duft, in dem ein Hauch ihres Parfüms lag, mischte sich mit Angstschweiß und dem metallischen Aroma ihres Blutes. Er hatte gesiegt. Zum ersten Mal in seinem Leben war er der Gebieter.

  Das pulsierende Leben draußen im Wald nahm unvermindert seinen Lauf. Vögel zwitscherten, Insekten summten. Irgendwo hämmerte ein Specht gegen einen hohlen Baum.

 

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2 comments on “Leseprobe zum Roman „Anne, rette mich!“

  1. Liebe Mia,

    als Deine kleine Schwester bin ich mächtig stolz auf Dich !!

    Mama freut sich “ da oben auf Wolke 7 “ sicherlich auch sehr über Deine liebe Widmung !

    Ich wünsche Dir nur das Beste für Deine neue Karriere und einen super Erfolg mit Deinem neuen “ Baby „.

    Sei gedrückt aus der Ferne.

    LG von Deiner Schwester Pia

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