Leserinformationen zum Kriminalroman „Anne, rette mich!“

Inhaltliche Kurzbeschreibung:

„Ein Anruf am frühen Morgen reißt Hauptkommissarin Anne von Hohenstedt aus dem Bett. Eine junge Frau wurde im Rosensteinpark in Stuttgart tot aufgefunden. Was anfänglich für die Mordkommission in der Hahnemannstraße 1 nach einem Routinefall aussieht, entwickelt sich rasch zum Wettlauf gegen die Zeit. Eine weitere Frau, die der Toten verblüffend ähnlich sieht, wird als vermisst gemeldet. Anne arbeitet fieberhaft mit ihrem Team daran, das Leben der alleinerziehenden Mutter, Leoni Kettler, zu retten. Eine nahende Lösung erweist sich als Sackgasse. Der Fall gerät ins Stocken. Nun ist es Zeit für das so genannte Ritual, das  Hauptkommissarin Anne von Hohenstedt und  ihre eineiige Zwillingsschwester Eva in ausweglosen Situationen praktizieren. Kurz danach steckt Anne in einem brisanten Interessenkonflikt. Ist nun alles verloren?“

Über die Protagonisten:

Anne von Hohenstedt ist leidenschaftliche Kommissarin der Stuttgarter Mordkommission. Neben ihrem Beruf ist sie außerdem Ehefrau und Mutter. Der Spagat, der sich zwangsläufig aus diesen Rollen ergibt zwingt sie, manchmal nicht ganz einfache Kompromisse zu schließen.

Albert Moshuber, genannt Berti, ist Annes Ermittlungspartner. Er ist waschechter Bayer aus München, der ab und zu in seinen Dialekt zurück fällt. Natürlich bleibt es nicht aus, dass sich Anne, die gebürtige Hamburgerin ist, und er in verbalen Missverständnissen verstricken.  

Pollux, Bordeauxdogge, ist Annes vierbeiniger Partner und Defender in unübersichtlichen Situationen. Seit 2011 wurde die Stuttgarter Hundestaffel, die ursprünglich aus der dominierenden Hunderasse „Deutscher Schäferhund“ bestand, aufgelockert. Für meinen Roman fand ich das Powerpaket Pollux extrem passend.

Eva von Hohenstedt ist Annes eineiige Zwillingsschwester. Sie ist Tierärztin mit eigener Praxis in Stuttgart. Interessant für den Roman ist allerdings ihre Rolle als Schwester, denn Anne und Eva verbindet eine besondere Gabe. Diese ist besonders bei weiblichen eineiigen Zwillingen existent – allerdings noch nicht wissenschaftlich fundiert ergründet.

Der Antagonist:

Kliff ist ein rätselhafter Mann, mit einer Neigung zur Esoterik. Er mag auf den ersten Blick eiskalt und völlig durchgeknallt erscheinen… Aber ist er das wirklich?

Alle anderen Figuren sind natürlich wichtig für den Verlauf des Romans, aber wer sie sind, und was sie erleben, dürfen meine Romanleser alleine herausfinden.  

Ort der Handlung:

 

Meine Geschichte spielt in Stuttgart. Meiner alten Heimat. Ich wurde in dieser Stadt geboren und lebte in ihr viele Jahre. In gewisser Form ist mein Kriminalroman eine Art Hommage an diese tolle Stadt, die mich natürlich wesentlich geprägt hat.

Die Straßen und Orte im Roman sind real. Wer mag, kann im Internet recherchieren. Ich wünsche viel Spaß dabei.

Selbstverständlich habe ich auch einen Protagonisten im Roman, der als Urschwabe im Landesdialekt spricht.  Wer das nicht verstehen sollte, kann im „Schwäbisch-Hochdeutsch-Übersetzer“ im Internet sich die Dialoge verständlich machen.

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Liebe Mama, du wärst gewiss stolz auf mich!

 

 

 

Leseprobe:

 

Epilog

Kleingartenanlage Waldbad, Grünwalderstraße in Stuttgart.

Obwohl es bereits 9 Uhr war, wollte es nicht hell werden. Schummriges Licht hüllte die Umgebung in eine milchglasartige Szenerie. Es war kalt. Die Temperatur maß gerade einmal 3,3 Grad Celsius. Graue Wolken standen tief am Himmel. Sie glichen dicken Schafen mit verschmutztem Fell. Ihre Anwesenheit schien jegliche Geräusche zu dämpfen oder ganz zu verschlucken, denn von der nahen Kräherwaldstraße waren keinerlei  Motorengeräusche zu hören. In den Bäumen und Sträuchern der Anlage hingen vereinzelt Nebelschwaden. Wie Zuckerwatte klebten sie an den noch kahlen Ästen.

  Es regnete bereits seit den frühen Morgenstunden. Dicht an dicht fielen die feinen Tropfen zur Erde herab. Das Prasseln erzeugte auf dem Boden und den Laubendächern ein monotones Geräusch.

Trotz der Feuchtigkeit lag ein holziger Geruch von frischen Sägespänen in der Luft, die beim Fällen alter Baumstämme am Vortag entstanden waren. Einige der Hütten waren schlicht gehalten, andere moderner. Vereinzelt waren Dachrinnen zu sehen, die in Regentonnen mündeten. Auch von dort war ein gleichförmiges Plätschern zu hören. Zwei Lauben trugen Solarzellen auf dem Dach. Eine davon gehörte Holger Mankowski.

  Wo im Sommer frisches Gras und Blumen sprossen, lag nun ein nackter, sandiger Fußweg, auf dem sich zwischen den zahlreichen Lauben die Pfützen sammelten. Einzelne davon schmolzen zu großen Wasserlachen zusammen.

  Eine Amsel genoss ausgiebig ihr Morgenbad. Sie saß in der Mitte einer Lache und flatterte lange mit ihren schwarzen Flügeln. Das Wasser spritze in feinen Tröpfchen über ihr Gefieder. Immer wieder drehte sie wachsam ihr Köpfchen mit dem leuchtend gelben Schnabel, um sicherzugehen, dass sie keinen Fressfeind zu befürchten hatte, bevor sie sich erneut ihrem Vergnügen hingab.

  Die Anlage war menschenleer – wie immer um diese Jahreszeit. Mitte März, der Schnee war gerade geschmolzen, konnte noch nichts in den Parzellen gearbeitet werden. Still und ruhig lag der Kräherwald um die Kleingartenanlage herum. Ein idyllischer Platz in der großen Stadt, der im Frühjahr zu langen Spaziergängen einlud und im Sommer Schatten und Kühle spendete.

  Plötzlich durchschnitt ein greller Schrei die Stille. Blass stand die Frau in der Laube, die ihrem Bekannten Holger gehörte. Sie klammerte sich an die Lehne eines Holzstuhls, der am Esstisch stand, und krümmte sich vor Schmerzen. Die Frau ächzte. Ihre Hände zitterten.

  Sie hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Suchend glitten ihre Augen durch den Raum. Sie wollte sich hinlegen. Hinten, in der Ecke stand Holgers grünes Sofa. Mit unsicheren Schritten tastete sich die Frau langsam vorwärts. Der Schmerz ließ im Augenblick etwas nach. Nach endlos erscheinenden Minuten kam sie bei der Couch an. Entkräftet ließ sie sich in die weichen Kissen fallen.

  Auf der Stirn hatten sich Schweißtropfen gebildet. Ihre langen, braunen Haare klebten ihr im Gesicht. Sie schloss ihre blauen Augen und atmete tief ein und aus. Dabei strich sie sich rhythmisch mit der rechten Hand über ihren Unterleib. Immer im Kreis herum. So hatte es ihre Mutter gemacht, wenn sie als Kind Bauchweh hatte.

  Eigentlich wollte sie hier in der Laube ein entspanntes Wochenende verbringen. Holger hatte ihr den Schlüssel gegeben. Er sei für ein halbes Jahr oder geringfügig länger in New York, meinte er, und wenn sie Bock habe, könne sie die Hütte nutzen. Es sei ihm sogar lieb, denn er wolle nicht, dass sich über den Winter irgend so ein »scheiß Penner«, wie er es ausdrückte, bei ihm einnistete.

Jeder wisse ja, dass »diese Arschlöcher« sich auf diese Weise eine warme Bleibe beschafften.

  Die Frau nestelte nun mit beiden Händen am Hosenknopf ihrer Jeans herum. Dieses Ding drückte ihr unangenehm in den Bauch. Sie hatte Mühe damit, denn ihre Hände zitterten immer noch unkontrolliert. Kaum war der Knopf offen, zog sie ihre Hose ganz aus. Sofort spürte sie die Kälte. Gänsehaut überzog ihre nackten Beine. Ein Kälteschauer floss durch ihren Körper. Sie hatte kurz zuvor, als sie die Hütte betrat, vergessen, den Stecker für die elektrische Heizung in die Steckdose neben der Türe zu stecken. Immerhin hatte sie noch ihre warmen Socken an.

  Da überrollte sie die nächste Schmerzattacke. Ihre Bauch- und Unterleibsmuskeln zogen sich erneut zusammen. Es fühlte sich an, als ob ein Tau sich in ihrem Körper befände, das zu einem Knoten zusammengezogen wurde. Fester wurde die Verschlingung und fester. Die Frau hielt die Luft an. Sie japste. Ihr Kopf verfärbte sich rot. Stoßartig quetschte sie die Luft aus ihren Lungen und sog anschließend gepresst neuen Sauerstoff ein. Reflexartig zog sie ihre Beine an den Körper. Ein Wimmern drang aus ihrer Kehle. Und gerade als sie das Gefühl hatte, den Schmerz nicht länger aushalten zu können, verebbte er wieder.

  Die Frau sank erschöpft in sich zusammen. Schweiß floss nun aus allen Poren. Sie rang nach Luft. Verzweiflung packte sie. Erst wenige Wochen zuvor hatte sie erfahren, dass sie Mutter werden sollte. Der Schwangerschaftstest war binnen Sekunden eindeutig gewesen. Zwei rosa Striche. Klar und deutlich. Im ersten Moment wusste sie damals nicht, was sie denken sollte. Freude? Angst? Sie hatte sich dann für einfach akzeptieren entschieden. Ganz pragmatisch. Ein Gotteszeichen. Eine Chance. Nun konnte sie beweisen, es gut zu machen. Besser!

  Der Frau kullerten Tränen über ihr ebenmäßiges Gesicht. Ihr Kajal begann sich aufzulösen und hinterließ schwarze Streifen auf den Wangen.

Dann war die kurze Erholungsphase zu Ende. Ein neuer Krampf baute sich auf. Stärker als vor wenigen Minuten. Sie wand sich von Neuem. Ein gequälter, langgezogener, hohler Ton trat über ihre zusammengepressten Lippen. Wieder zog sie ihre Knie eng an den Körper und drehte sich hin und her. Gleichzeitig kniff die Frau ihre Augen zusammen und betete stumm. Die Engelsmächte mochten sie beschützen. Ihre Flügel über das Leben in ihr legen. Doch der Schmerz blieb. Er war unbeschreiblich.

  Es war in etwa so, als ob sich eine grobe Hand in ihre weiche Gebärmutter grub. Die Hand packte zu und riss an dem, was sich in ihr befand. Gnadenlos. Hart. Die Faust, die ihr Kind gepackt hatte, ließ einfach nicht mehr los.

  Und dann vernahm die Frau das Seufzen. Ihr Kind wimmerte. Die Faust hatte gewonnen. Ihre Gebärmutter löste sich. Langsam sickerte das Blut zwischen ihren Beinen aus der Scheidenöffnung. Warm und klebrig fühlte es sich an.

  Die Blutung wurde mit jeder Minute stärker. Schwallartig quoll der dunkelrote Lebenssaft aus ihr heraus. Das Sofa wurde feucht und verfärbte sich. Die Hände der Frau versuchten instinktiv, das Blut zurückzuhalten, das unaufhaltsam nach außen strömte.

  Die Frau bettelte, sie flehte, sie schrie. Aber nichts und niemand halfen ihr. Das, was ihr vor Wochen als Geschenk in den Leib gelegt worden war, wurde ihr nun von der Hand des Teufels entrissen.

  In der Laube 102 der Kleingartenanlage an der Grünwalderstraße weinte die blutverschmierte Frau bittere Tränen.

  »Nicht einmal das gönnst du mir, Mutter«, dachte sie, »nicht einmal das!«

  Die Amsel in ihrer Pfütze bekam von alledem nichts mit. Sie hatte ihr Bad beendet und war damit beschäftigt, ihr Gefieder mit dem Schnabel zu glätten.

 

Freitag

5.29 Uhr.

  Langsam erhob sich die Maisonne am Horizont in ihrer vollen Pracht. Erste weiße, goldgelbe und orangefarbene Strahlen funkelten am Morgenhimmel. Sie überzogen den gesamten Horizont und erzeugten ein beeindruckendes Farbenspiel. Noch war es frisch, aber es würde ein herrlicher, warmer Tag werden. Still und verlassen lag der See in der Dämmerung. Die Sonnenstrahlen schlichen sich nun bereits durch die Baumkronen ans Ufer und tauchten das Wasser in ein diamantenes Glitzern. Ein Fisch sprang übermütig aus der Tiefe über die Wasseroberfläche. Mit einem leisen Platschen verschwand er wieder. Die Luft war klar und roch würzig nach Tannennadeln und getrocknetem Laub. Auf einer Lichtung links neben dem Seeufer stand ein äsendes Reh. Wachsam ließ es seine Ohren kreisen, während es beständig seinen Kopf beugte, um geschickt mit seiner Zunge den frischen Klee aus den umliegenden Grashalmen zu pflücken.

  Ein milder Wind umspielte das Gesicht von Anne von Hohenstedt. Ihre glatte, feinporige Haut war bereits leicht getönt. Der positive Nebeneffekt von ausgiebigen Hundespaziergängen an der frischen Luft.

  Lange Wimpern umrahmten ihre geschlossenen, mandelförmigen Augen. Die große, schlanke Frau stand still auf dem Turm in 192 Metern Höhe. Ihre blonden, knapp bis zum Ellenbogen reichenden Haare hatte sie zu einem strengen Pferdeschwanz nach hinten gebunden. Einzelne Haarsträhnen streichelten sie im Nacken und an den Schultern. Ausgiebig genoss die einundvierzigjährige Kriminalhauptkommissarin die Ruhe.

  Die absolute Lautlosigkeit erzeugte in Anne inneren Frieden und ein tiefes Wohlempfinden. Sie lächelte, denn neben ihr stand ihre Schwester, Eva. Seit ihrer Zeugung waren die beiden unzertrennlich. Selbst wenn viele Kilometer die Frauen trennen würden, wären sie dennoch telepathisch miteinander verbunden.   Ein Phänomen, das besonders bei weiblichen eineiigen Zwillingen auftrat.

  Dann wurde Anne jäh aus ihrer Geborgenheit gerissen. Noch aus den Augenwinkeln heraus sah sie, wie Eva strauchelte und über die Plattform nach vorne kippte. Mit vor Panik aufgerissenen Augen versuchte Eva nach Annes rechter Hand zu greifen. Aus Evas Mund kam ein stummer Schrei. Die Schwerkraft siegte. Eva begann, wie ein Stein in die Tiefe zu fallen. Ohne nur eine Sekunde zu zögern, sprang Anne von der kleinen Turmaussicht hinterher.

  Beide Frauen rasten auf die Seeoberfläche zu. Eva ruderte verzweifelt mit den Armen, in der Hoffnung, den Fall irgendwie verlangsamen zu können. Anne lag hingegen stromlinienförmig im Wind.

  Die Luft war eisig. Der Wind, der Eva in den Ohren pfiff, schwoll Sekunde für Sekunde zu einem markerschütternden Geheul an. Maßlose Angst packte die Zwillingsschwestern. Eva konnte nicht schwimmen. Sie würde, wenn sie in den See fiele, untergehen und jämmerlich ertrinken.

  Anne stieß einen Entsetzenslaut aus und saß schweißgebadet in ihrem Bett. Florian, Annes Ehemann, war bereits aufgestanden. Zitternd und schwer atmend rang die Hauptkommissarin nach Luft.

  Zeitgleich klingelte, in den wabernden Zustand zwischen Traum und Erwachen hinein, ihr Handy. Anne griff mit halb geöffneten Augen nach dem rechts auf ihrem Nachttisch stets griffbereit liegenden Telefon. Sie wusste, ohne auf ihr Display sehen zu müssen, wer dran war und sprach mit belegter Stimme: »Moin Evi, ganz ruhig, das war nur unser Albtraum. Hörst du? Nicht weinen! Ich hätte dich gerettet, das weißt du!«    

 

5.55 Uhr

  In Bad Cannstatt, etliche Kilometer von Anne entfernt, klingelte es auch. Lange. Ein Wecker. Der widerliche und hell surrende Klingelton drang langsam aber nachhaltig in das benommene Bewusstsein des Mannes ein. Er, der sich selbst Kliff nannte, öffnete bedächtig die Augen. Durch die ungeputzten Fenster drangen zaghaft die ersten Sonnenstrahlen des Tages.

  Heute war es endlich soweit. Die vergangenen Wochen, die durch harte Arbeit gekennzeichnet waren, lagen hinter ihm. Nun würden seine Mühen Früchte tragen. Noch war er nicht ganz an seinem Ziel angelangt. Das würde sich aber in den kommenden Stunden ändern. Ein süffisantes Lächeln umspielte seine vollmundigen Lippen.

  Kliff streckte sich. Der große, hagere Mann hatte fast zierlich erscheinende Gliedmaßen und feingliedrige Hände. Dennoch zeichneten sich deutlich viele Muskeln ab.  Seine glatte Gesichtshaut wies keinerlei Bartstoppeln auf.

  Heute fiel es ihm schwer aufzustehen. Erneut räkelte er sich genüsslich hin und her, um anschließend seine langen Beine aus dem Bett zu schwingen.

  Mechanisch streichelte er den Kopf der rot-weiß getigerten Katze, die neben seinem Bett saß. Ab heute war die Jagdsaison eröffnet. Doch bevor er sich das Vögelchen schnappte, wollte Kliff joggen gehen.

 Der Mann stand vom Bettrand auf, ging ins Bad und putzte sich die Zähne. Anschließend bürstete er seine schwarzen, kurzen Haare und strich die buschigen Augenbrauen glatt. Danach zog er seinen Jogginganzug an, griff seine Haus- und Autoschlüssel und verließ kurz nach 6 Uhr die Wohnung.

  Seine favorisierte Laufstrecke verlief durch den Killesberg Park. Dafür musste er ein paar Meter mit dem Auto fahren.

  Die gelben Glasaugen der ausgestopften Katze starrten Kliff ausdruckslos hinterher.

 

6.38 Uhr

  Ein Unfall in der Friedrich-Ebert-Straße, der eine Vollsperrung zur Folge hatte, zwang Kliff dazu, einen großen Bogen durch die Stuttgarter Innenstadt zu fahren.

Er entschloss sich deshalb spontan, heute über den Herdweg und die anschließende Lenzhalde zum Park in Stuttgart Nord zu fahren. Während er zähneknirschend dem Straßenverlauf folgte, spürte er, dass seine innere Erregung stieg. Die Vorfreude, die mehr und mehr von ihm Besitz ergriff, steigerte seine Gier nach Vergeltung. Er, Kliff, war zurückgekehrt, um Rache zu nehmen. Sein CD-Spieler im Auto ließ harten Trash Punk aus den Lautsprechern erschallen. Der Sound der E-Gitarre, das rasende Tempo des Schlagzeugs und die raue Gesangsstimme des Bandleaders peitschten Kliff zusätzlich an. Er war heiß und versessen auf das, was heute folgen würde. Dann trat er abrupt auf die Bremse.

   Anne von Hohenstedt, die seit dem Herdweg hinter einem dunkelblauen Golf 7 herfuhr, musste ebenfalls bremsen, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. Heute fuhren doch alle wie Bekloppte. »Sag mal spinnst du?«, schrie sie entrüstet aus dem geöffneten Beifahrerfenster, als sie das stehende Fahrzeug vor sich überholte. Sie sah einen Hinterkopf mit dunklem Haarschopf. Der Fahrer blickte nach rechts zur Seite. Er sprach aus dem ebenfalls bei sich geöffneten Beifahrerfenster eine junge Frau an. Diese beugte sich nach vorne. Ihre langen, glatten, braunen Haare fielen ihr sanft über die Schultern zur Brust. Die junge Frau lächelte. »So ein Idiot«, fluchte Anne vor sich hin, dann gab sie Gas. Ihr Telefonat mit Eva hatte länger gedauert als gedacht. Damit geriet sie, wie so häufig morgens, wieder einmal in Zeitnot. Da ihr üblicher Weg zur Arbeit durch den Autounfall in der Friedrich-Ebert-Straße gesperrt war, wurde sie heute ebenfalls gezwungen, einen großen Umweg zu fahren. Genervt hämmerte sie auf ihr Lenkrad. Sie durfte nicht zu spät im Dezernat ankommen.

8.10 Uhr

  Verdammte Scheiße, dachte Anne auf dem Revierparkplatz. Alles war bis zur Straße Am Kräherwald glatt verlaufen.

Sie war bis dahin super pünktlich in der Zeit gewesen. Dann fuhr ein LKW-Fahrer in eine große Moorschnucken-Herde. Er hatte die Tiere auf der Fahrbahn anscheinend zu spät registriert. Bilanz des Unfalls: drei Tiere lagen tot unter seinem Fahrzeug, ein weiteres Tier musste schwerverletzt von einem herbeigerufenen Veterinär getötet werden. Die restliche Herde war in Panik auseinandergestoben.

  Der Berufsverkehr am Killesberg brach binnen weniger Sekunden zusammen. Es dauerte über eine Stunde, bis die Fahrbahn einspurig wieder freigegeben wurde.

  Während dieser Zeit hörte Anne im Auto Radio. Der Moderator erzählte den Zuhörern irgendetwas vom Schwarzen Mond, der kommenden Mittwoch sein sollte. Ein Ereignis für Esoteriker, hieß es. Wenn das Nachtgestirn neu geboren werde, sei es Zeit für Erneuerung. Eine Gelegenheit, sich von alten Gewohnheiten zu lösen.

  Anne schüttelte ihren Kopf, als sie das hörte. Lächerlich, dachte sie, für allen Scheiß soll der Mond  zuständig sein? Wenn ich etwas verändern will, dann mach ich es, ohne auf den Mond zu achten. Anne hielt Esoterik für Humbug.

  »Aber«, sprach sie zu Pollux, ihrem dreijährigen Bordeauxdoggenrüden nach hinten, »es gibt tatsächlich so Freaks, die sich gemäß dem Mondstand ihre Fingernägel schneiden. Irre was?« Anne musste lachen.

  Zeitgleich fiel ihr ihre langjährige Kollegin Carola Steiner ein,  die tatsächlich nach einem Mondkalender lebte. Freakig war die eigentlich nicht.

Eher überkorrekt und fast spießig. Anne wischte ihre Gedanken weg. Ein paar Ausnahmen mit Hang zur Normalität mag es ja unter denen geben.  

  Um 7.46 fuhr Anne an der Unfallstelle vorbei. Das Blut der toten Tiere floss unter dem Lastwagen hervor. Anne taten die Schafe leid. Sie liebte Tiere jeglicher Gattung.

  Nun stand sie auf dem Parkplatz und war schon wieder zu spät. Mit Glück könnte sie sich am Büro von Dr. Schwarz vorbeimogeln, mit Pech würde sie ihm direkt in die Arme laufen.

  Anne schaute vorsichtig nach links und rechts und drehte dann den Zeiger ihrer Ice-Swatch um zehn Minuten zurück. Ein spontanes Gefühl der Zufriedenheit durchströmte sie. Super, nun war sie pünktlich. Und falls sie Radegund Schwarz begegnen sollte, könnte sie immer noch vom Unfall mit den Schafen erzählen. Ihre Aussage ließe sich ja problemlos überprüfen.

  Anne ging zum Kofferraum und öffnete ihn. Pollux lag entspannt auf der Ladefläche und schaute sie erwartungsvoll an. Ihm gefiel sein Job.

  Seit 2011 zeichnete sich bei der Hundestaffel der Polizei in Baden-Württemberg ein Führungswechsel ab. Die bislang dominierende Rasse des Deutschen Schäferhundes wurde durch andere aufgelockert. In Stuttgart kamen circa fünfzig Polizeihunde zum Einsatz. Einer davon war Pollux.

  Bordeaux-Doggen besaßen eine hohe Reizschwelle, waren selbstsicher und mutig. Die Rasse zeichnete sich durch Ausgeglichenheit und schier endlose Geduld aus. Ihren Menschen gegenüber war eine Bordeauxdogge sehr loyal und liebevoll. Somit wurde Pollux vor einiger Zeit Annes indirekter Bodyguard. Ihr Defender in undurchschaubaren Situationen.

8.15 Uhr

  Mittlerweile war es hell geworden. Der Wald pulsierte. Vögel hüpften auf den Ästen der Bäume oder sammelten auf dem Boden Laub, Moos und anderes Nistmaterial. Zwei rostrote Eichhörnchen spielten in einer hohen Tanne Fangen. In einem Fenstergiebel des ehemaligen Wohnhauses hatten sich Hornissen eingenistet. Emsig flogen die Insekten ein und aus. Ihr Summen klang in der friedvollen Stille laut. Es roch nach nasser Erde und modrigem Laub. Einzelne Tropfen des Morgentaus perlten funkelnd an Grashalmen ab, als ein Maikäfer gemächlich über eine weiße Anemone krabbelte. Irgendwo in der Nähe hämmerte ein Specht mit seinem Schnabel gegen einen hohlen Baumstamm.

  Kliff hielt vor der verfallenen Kapitänsvilla an. Er stellte den Motor ab, stieg aus, ging um das Auto herum, öffnete die Beifahrertüre und beugte sich in den Innenraum des Fahrzeuges. Mühsam zog er eine regungslose, junge Frau ins Freie.

  Ihre langen, braunen Haare fielen ihr dabei ins Gesicht. An der rechten Schläfe prangte eine dicke, sich langsam dunkel verfärbende Beule. Die junge Frau trug ein dunkelblaues Baumwollkleid mit weißen Blumen, eine dünne, hellblaue Jeansjacke, dunkelblaue Strumpfhosen und braune Kurzstiefel.  Wie ein Sack Kartoffeln hing sie schlaff in seinen Armen. Sie war schwerer als erwartet.

  Kliff ging rückwärts auf die alte Lagerhalle zu. Die Füße der jungen Frau schleiften dabei leise raschelnd durch das Laub. Bei jedem Schritt wippte ihr Kopf rhythmisch mit.

  Die Suche nach den passenden Räumlichkeiten für sein Vorhaben hatte lange gedauert. Schließlich half Kliff der Zufall. In einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung schrieb ein Journalist über eine einst angesehene Familie adliger Herkunft. Sie hatte in der nun seit sehr vielen Jahren leerstehenden Kapitänsvilla in Stuttgart Kaltental gewohnt. Anscheinend gab es niemanden, der sich für dieses Anwesen interessierte, denn die Gebäude waren mittlerweile allesamt verfallen, standen aber unter Denkmalschutz. Kliff zögerte nicht lange. Nach einer kurzen Besichtigung stand für ihn fest, das ideale Versteck gefunden zu haben. Da sich in diesen Teil des Waldes offenbar keine Menschenseele verirrte, konnte Kliff sogar tagsüber ungestört hantieren.

  Er wählte für sein Vorhaben das ehemalige Lagerhaus aus. Darin befanden sich mehrere Kammern. Für seine zukünftigen Gäste schleppte er alte Holzliegen in die Räume. Die eisernen Handschellen, die er ebenfalls benötigte, brachte er an verrosteten alten Rohren an, die quer durch die Räume verliefen. Anscheinend musste die alte Lagerhalle damals beheizt werden, wofür auch immer.

  Das Backsteingemäuer war teilweise eingefallen, so dass Kliff zwei der Kammern mit Mörtel ausbesserte. Überall wimmelte es vor kleinen Kriechtieren, Spinnen und Mäusen. In manchen Ecken des Gebäudes stank es widerlich nach Mäusekot.

  Kliff wählte heute den vordersten Raum für seinen ersten Gast. Achtlos ließ er den Oberkörper der Frau auf die Holzliege fallen. Ihre Beine hob er anschließend nach. Geschickt fesselte er die Handgelenke seines Opfers mit den vorbereiteten Handschellen am alten Eisenrohr über ihrem Kopf fest. Er prüfte, ob sie durch die Öffnung der Handfesseln schlüpfen könnte. Alles gut.

  Kliff atmete zufrieden aus. Wieder hatte ihm der Zufall geholfen. Neugierig betrachtete er seinen Fund. Sie war jung. Mitte zwanzig, schätzte der Mann. Ihre Haut war makellos und von einer feinen Blässe. Volle Lippen und schöne, geschwungene Augenbrauen betonten das hübsche Gesicht. Am meisten aber gefielen ihm ihre langen, braunen Haare. Wie ein seidiger, schimmernder Fluss umgaben sie ihren Kopf. Kliff ergriff eine Strähne und roch daran. Ein wundervoller Duft von Sommer, Kokosnuss und blumiger Lieblichkeit stieg in seine Nase. Die Haare waren zudem geschmeidig und weich. Eine alte Erinnerung wallte kurz auf. Kliff hörte ein hämisches Lachen in seinem Kopf widerhallen.

  Ein damit verwobener abgrundtiefer Hass stieg zeitgleich wie eine Luftblase in seinem Brustkorb auf. Mit wutverzerrtem Gesicht  schlug Kliff der jungen Frau mit der flachen Hand ins Gesicht. Sie zuckte zusammen und öffnete mit flatternden Lidern die Augen. Als sie in Kliffs rachelüsternes Gesicht blickte, schrie sie entsetzt auf.

  Ruckartig setzte sie sich hin, um sofort festzustellen, dass ihre Hände über dem Kopf fixiert waren. Erneut stieß sie einen grellen Schrei aus. Panik ergriff sie. Sie keuchte. Dann zog sie ihre Beine an und wich auf der Holzliege so weit wie möglich vor Kliff zurück. Mit nestelnden Fingern versuchte sie, ihr Kleid möglichst schützend über ihre Brust zu ziehen.

  »Guten Tag meine Schöne« , sprach der Mann sie mit seiner tiefen und rauen Stimme an. Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, während seine Augen die Frau reglos anstarrten.

  »Was wollen Sie von mir?«, schrie sie mit schriller, zitternder Stimme zurück.

  »Spielen«, war seine kurze Antwort.

  Seine grünen Augen blitzten eiskalt. Ein Frösteln rieselte durch die Adern der Frau.

Angst breitete sich überall in ihrem Körper aus und überflutete ihre Sinne. Ihr anfänglich leichtes Zittern verstärkte sich.

  Kliff trat nahe neben die Pritsche und packte sie hart an den Haaren. Er riss ihren Kopf nach hinten und küsste sie grob auf den entsetzt aufgerissenen Mund. Sie versuchte ihren Kopf wegzudrehen, doch seine linke Hand hielt diesen wie in einem Schraubstock fixiert fest. Als Kliff von ihr abließ, begann die junge Frau zu schluchzen.

  »Gefällt es dir etwa nicht?«, herrschte er sein Opfer an und packte sie erneut. Dieses Mal schob er unnachgiebig seine forschende Zunge in ihren Mund. Süß schmeckte seine Beute. Gleichzeitig rieb er seine rechte Hand über ihre Brust. Er spürte, wie sich unter der Berührung seiner Finger ihre Brustwarzen aufstellten.

  »Siehst du«, hauchte er ihr ins Ohr, »es gefällt dir doch.«  Die junge Frau wimmerte. Sie begann zu schwitzen.

  »Hör auf zu jaulen!?«, schrie er sie unvermittelt an, »Ich kenne eine Frau, die dieses Spiel liebte. Stundenlang konnte sie sich daran ergötzen. Jetzt darfst du mit mir spielen. Und ich verspreche dir, ich lasse mir ganz viel Zeit.«  

 

8.17 Uhr

  Anne von Hohenstedt kam leicht außer Atem im fünften Stock des großen Polizeikomplexes an. Wie jeden Morgen war sie die 456 Stufen nach oben gelaufen, da Pollux den elektrischen Aufzug hasste. In der Eingangstüre zum Dezernat 11 erwartete sie bereits Dr. Radegund Schwarz, ihr direkter Vorgesetzter.

  Er war sechzig Jahre alt, schlank, knapp 1,90 Meter groß, hatte kurze, bereits ergraute Haare und einen Oberlippenbart. Wie jeden Tag trug er einen makellos sitzenden Designeranzug.    Heute in der Farbe Dunkelblau. Passend dazu eine eisblau schimmernde Seidenkrawatte. Für sein Alter war er durchaus ein attraktiver Mann. 

  Dr. Schwarz wippte auf seinen Fußsohlen hin und her, von der Hacke bis zur Spitze und umgekehrt. Als er Anne erblickte, schaute er demonstrativ auf seine teure Breitlinguhr, die er zu Weihnachten von seiner Schwester geschenkt bekommen hatte.

  »Frau von Hochmut«, sprach er barsch, »wie nett! Sie und Schlabberbacke sind also eingetroffen. Alle meine Untergebenen sind pünktlich da, nur Sie und ihr Monster wieder nicht! So geht das nicht weiter!«  

  Dr. Schwarz starrte Anne gereizt an.

  Oh Mann, was für eine Begrüßung, dachte Anne. Vermutlich hatte ihm wieder eines seiner Onlinedates kurzfristig abgesagt, wie es freitags schon öfter der Fall war.

  Seitdem ihn seine Frau vor fünf Monaten wegen eines jüngeren Mannes verlassen hatte, war Herr Dr. Schwarz launisch, unberechenbar und empfindlich. Der Schock saß immer noch tief. Anne kannte seine Frau von diversen öffentlichen Veranstaltungen, die es bei der Polizei gab.

  Heidrun Schwarz war eine zierliche Person, mit langen, roten Haaren, freundlichen, blauen Augen und immer einem Lächeln im Gesicht. Sie wirkte eigentlich stets mit ihrem Mann harmonisch. Es musste etwas Außergewöhnliches passiert sein, dass sie die Trennung herbeigeführt hatte.

  Was, ging Anne nichts an. Sie lebte streng nach dem Glaubenssatz, Beruf und Privatleben, so gut es geht, voneinander zu trennen.

  »Herr Dr. Schwarz, wie schön, dass Sie mich heute so freundlich empfangen«, strahlte Anne ihren Chef gequält an, »auf meiner Uhr ist es Punkt acht, schauen Sie.«  Anne hielt ihm ihre Uhr unter die Nase. Skeptisch blickte Dr. Schwarz auf das Zifferblatt. »Außerdem wurde ich durch einen Unfall aufgehalten. Am Killesberg war ein Lastwagen in eine Schafherde gefahren. Das können Sie gerne nachprüfen.«  

  Anne schenkte ihrem Chef ein versöhnliches Lächeln.

  »Seit wann fahren Sie diesen Umweg?«, wollte Dr. Schwarz wissen.

  »Die gesamte Innenstadt ist dicht, warum auch immer«, erklärte sich Anne.

  »Aha«, antwortete Schwarz knapp. Er kniff seine Augen zusammen und blickte Anne nach wie vor skeptisch an.

  »Und, Dr. Schwarz«, fügte Anne rasch hinzu, »ich möchte Sie hiermit noch einmal an die Geburtstagsfeier am Sonntag bei mir zu Hause erinnern. Sie kommen doch, oder?«    

  Erstaunt sah sie der Erste Polizeihauptkommissar Schwarz an. »Die Party, meine Güte, gut, dass Sie mich noch einmal daran erinnern.«  Ein verstecktes Lächeln huschte über sein Gesicht. Das hatte er tatsächlich bereits wieder vergessen. Er nickte Anne zu, und wie aus Reflex streichelte er Pollux über den breiten Hundekopf.

  »Ich weiß, was Sie vorhaben«, sprach Dr. Schwarz nach einer kurzen Pause, »aber bilden Sie sich ja nicht ein, Sie könnten mich damit um den Finger wickeln.«  Er starrte Anne erneut wütend an.

  »Aber so war das doch gar nicht gemeint«, erwiderte die Kommissarin sofort. Mist, dachte sie, der ist heute anscheinend so richtig sauer.

  Bevor Anne sich eine neue Taktik überlegen konnte, sprach Dr. Schwarz unvermittelt weiter: »Und, bevor ich es nicht ausrichte: Kollegin Steiner ist krank. Sie rief gerade an. Magen-Darm-Virus«. Dann hielt er Anne und ihrem vierbeinigen Begleiter die Eingangstüre zur Abteilung auf und winkte mit der linken Hand energisch Richtung Großraumbüro.

  »Ich danke Ihnen«, antwortete Anne, während sie durch die Türöffnung trat, »hat Carola gesagt, wie lange sie ausfällt?«  Dr. Schwarz schüttelte den Kopf. »Vermutlich wie die anderen vor ihr«, meinte er dann, »so zwei bis drei Tage. Im Ernstfall müssen Sie eben eine andere Fotografin für die Spurensicherung organisieren, oder Sverre Johanson macht das zusätzlich.«  

  Carola Steiner war seit Jahren mit im Team. Ihren scharfen Augen und der Linse ihrer Spiegelreflexkamera entging an den Tatorten nichts. Durch ihre pedantische Art, ihre Umgebung Zentimeter für Zentimeter abzusuchen, fand sie schon so manchen Hinweis, der maßgeblich zur Lösung eines Mordfalles beitrug.

  Knackarsch, dachte sich Radegund Schwarz im Stillen, als er Anne nachblickte und ihre Pobewegungen beobachtete. Als ob Pollux seine Gedanken verstanden hätte, blieb der Hund stehen und durchbohrte Dr. Schwarz mit einem ernsthaften Blick.

  »Ich erwarte Ihren Bericht zum vergangenen Einsatz bis heute Abend auf meinem Schreibtisch«, rief Radegund Anne gereizt hinterher, dann bog er in sein Arbeitszimmer ab und knallte die Türe zu.

9.05 Uhr

  Kliff beherbergte seit gut einer Stunde seinen Gast. Die junge Frau lag mittlerweile völlig erschöpft auf der Holzliege. Der Mann hatte sein Spiel verändert. Wie eine Katze, die ihre Beute genussvoll quält, bevor sie ihr Opfer tötet, stellte er jetzt der jungen Frau Fragen. Für jede falsche Antwort schlug er mit der Faust zu.

  Ihr eben noch hübsches Gesicht war nun angeschwollen. Das linke Auge wies ein ausgeprägtes Hämatom auf und war nur noch einen Spaltbreit offen. Die aufgeplatzten Lippen bluteten.

  »Nenne mir die ersten zwanzig Nachkommastellen der Kreiszahl Pi«, lautete die neue Anweisung. Die junge Frau weinte still und schüttelte ihren Kopf.

  »Ich weiß nicht«, flüsterte sie tonlos.

  »Streng dich doch mal an, du blödes Miststück!«, schrie Kliff sie an. Die junge Frau schloss ihre Augen.

  »Ich muss etwas trinken, bitte«, sprach sie weiter. Anstatt zu antworten, schlug Kliff zu. Unvorbereitet traf sie der harte Faustschlag im Bauch. Ein »Uffff«  drang aus ihrem Mund.   Gleichzeitig zog die junge Frau ihre Knie an. Der Schmerz war riesig. Ihre Atmung ging stoßartig.

  Kliff begann sich zu langweilen.

  »Trinken«, hauchte sie, »ich muss trinken.« Der Mann betrachtete sie stumm.

  »Gütiger Gott, hilf mir«, flüsterte die Frau flehend.

  »Gott?«, fragte Kliff hämisch, »was willst du denn von dem?« Er starrte die Frau durchdringend an.

  »Der Saftsack wird dir nicht helfen«, meinte er anschließend gedankenverloren, »der existiert nämlich gar nicht. Wirst schon sehen.«  

  Sekunden später schlug Kliffs Spannungslosigkeit in blinde Wut um. Wie konnte diese billige Bitch es wagen, seine Autorität in Frage zu stellen. Als ob er ihre Forderung erfüllen würde.

  Sein erster Faustschlag traf sie mitten im Gesicht. Aus ihrer Nase schoss das Blut. Sie schrie schmerzerfüllt auf. Der nächste traf die junge Frau in der linken Niere. Instinktiv versuchte sie sich von Kliff wegzudrehen. Sie hatte keine Chance. Mit jedem Schlag prügelte er sich mehr und mehr in Rage. Ihre Schreie wurden lauter, dann verstummten sie. Kliff hörte erst auf, als er völlig außer Puste war. Schweißgebadet rang der Mann nach Luft.

  Die junge Frau rührte sich nicht mehr. Ihr  noch offenes Auge blickte starr und angstvoll aufgerissen zur Decke. Die zerschundenen, blutigen Lippen waren leicht geöffnet. Ihre fixierten Hände hingen schlaff in den Handschellen. Ihre Brust hob und senkte sich nicht mehr. Er konnte es auf Anhieb sehen, die junge Frau war tot.

  Kliff keuchte. Mit der linken Hand wischte er sich den Schweiß aus den Augen. Still betrachtete er sein Werk. Einerseits empfand er leichte Enttäuschung, er hätte gerne noch länger gespielt, andererseits durchströmte ihn ein Gefühl von Kraft.

  Forschend glitten seine Hände über ihren leblosen Körper. Er war warm und weich. Er beugte sich über sie und roch an ihr. Ein lieblicher Duft, in dem ein Hauch ihres Parfüms lag, mischte sich mit Angstschweiß und dem metallischen Aroma ihres Blutes. Er hatte gesiegt. Zum ersten Mal in seinem Leben war er der Gebieter.

  Das pulsierende Leben draußen im Wald nahm unvermindert seinen Lauf. Vögel zwitscherten, Insekten summten. Irgendwo hämmerte ein Specht gegen einen hohlen Baum.

 

In 14 Tagen überall im öffentlichen  Buchhandel erhältlich, 

 

oder:

Bestell jetzt dein Leseexemplar (als Taschenbuch  oder Kindle Edition): Anne, rette mich!

Am falschen Ufer der Rhône

Fakten:

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Erscheinungsdatum: August 2017

Umschlaggestaltung: Fotos von gettyimages/ Richard Susanto und aus dem Privatbesitz des Autors.

Gesamtherstellung: Druckerei C.H. Beck, Nördlingen

ISBN: 978 – 3 – 423 – 21691 – 3

Gedruckt auf säurefreiem, chlorfrei gebleichtem Papier

Auch als Kindle-Edition erhältlich

 

Über den Autor:

Paul Grote ist Deutschlands bekanntester und meistgelesener Weinkrimi-Autor. Der Berliner, Jahrgang 1964, begann nach dem Studium der Soziologie und Politik seine journalistische Laufbahn in Hamburg. Anschließend berichtete er über fünfzehn Jahre lang als freier Reporter aus Südamerika. Bei Aufenthalten in Argentinien und Chile entdeckte er sein besonderes Interesse für Wein und Weinbau, den er, zurück in Deutschland, zu seinem Thema machte. 2004 erschien mit »Tod in Bordeaux«  sein erster Weinkrimi. Seitdem hat er die wichtigsten europäischen Weinbaugebiete bereist und jedes Jahr einen neuen Krimi veröffentlicht. Seine Bücher sind bei dtv erschienen.

Blick ins Buch:

„Für seine Patentochter Simone, gelernte Weinbautechnikerin, sucht Martin Bongers einen Praktikumsplatz, der mehr zu bieten hat als sein Bordelaiser »Garagenweingut«.

Das weltberühmte Châteauneuf-du-Pape scheint ihm der perfekte Ort dafür. Doch der Spitzenwinzer Didier Lamarc, für Martin die erste Adresse, ist seit zwei Jahren spurlos verschwunden. Und Joseph de Bergerac, der nach ihm den renommierten Concours de la St. Marc gewann, kam bei einem Autounfall mit Fahrerflucht ums Leben. Nur ein seltsamer Zufall?

Simone, am linken Ufer der Rhône angekommen, will sich umhören. Dabei trifft sie den deutschen Jungwinzer Thomas Achenbach, der vor beruflichen und privaten Problemen nach Lirac ans rechte Ufer der Rhône geflüchtet ist. Als das Nachbarweingut von einer Diebesbande überfallen wird, erwacht Thomas aus seiner Lethargie. Und reißt Simone mit  in einen Strudel der Ereignisse….“

Covergestaltung:

Auf dem Cover sind die Brücke von Avignon und ein Weinkeller abgebildet. Wer die Bücher von Paul Grote kennt weiß, dass diese Abbildungen stets eng mit dem Inhalt des Romans verbunden sind. Wie immer stammt das Fotomaterial auch aus dem Privatbesitz  des Autors.

 

Aufbau und Schreibstil:

Der Kriminalroman besteht aus 30 Kapiteln. Insgesamt sind 423 Seiten zu lesen.

 Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Die Dialoge sind logisch und ansprechend. Die Handlung  ist spannungsreich.  Paul Grote baut von Anfang an einen Spannungsbogen auf. Dieser wird bis zur letzten Seite gehalten.

Meine Meinung:

Der Roman erinnert mich an eine „Sternfahrt“. Aus unterschiedlichen Richtungen starten die einzelnen Protagonisten, um  dann im Zentrum der Handlung zu einem einzigen Handlungsstrang zu verschmelzen.

Wie immer lernt der Leser ganz beiläufig wieder sehr viel über den Wein der Region. Ich hätte mich gerne umgehend ins Auto gesetzt, um an der Rhône den beschriebenen Handlungsort aufzusuchen.

Die Geschichte ist geschickt konstruiert. Im Fokus stehen Simone und Thomas, die mit ihrem Tun, den mir aus den früheren Romanen ans Herz gewachsenen Weinjournalist Henry Meienbecker, ersetzen.  Die beiden sind mir sehr sympathisch, obgleich mir Henry dennoch etwas fehlt.   

Fazit:

Wer die Weinkrimis von Paul Grote liebt, weiß, dass der Autor stets solide Recherchen betreibt, bevor er sich ans Schreiben setzt. So auch in diesem Roman. Die benannten Orte sind real, was die Handlung umso glaubhafter wirken lässt. Ohne großes Blutvergießen erlebt der Leser eine spannende Geschichte, die sich beim Lesen  mit einem guten Glas Rotwein,  zum Beispiel aus dem Weinbaugebiet Crozes-Hermitage, gut kombinieren lässt.

 

Ich danke dem dtv Verlag für die spannende Lektüre 

Oxen

Fakten:

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Erscheinungsdatum: 8. September 2017

Titel der dänischen Originalausgabe: »De haengte hunde« ( JP/Politikens Hus A/S, Kopenhagen 2012)

Umschlaggestaltung: dtv nach einem Entwurf von Stoltzedesign

Satz: Fotosatz Amman, Memmingen

Druck und Bindung: CPI  Ebner & Spiegel, Ulm

ISBN: 978 – 3 – 423 – 26158 – 6

Gedruckt auf säurefreiem, chlorfrei gebleichtem Papier

Das Buch ist auch als Kindle-Edition, Hörbuch-Download und MP3 CD erhältlich.

Über den Autor:

Jens Henrik Jensen wurde 1963 in Søvind, Dänemark, geboren und hat 25 Jahre lang in der Nachrichtenindurstrie gearbeitet. Mit seiner Thriller-Trilogie um den Ex-Elitesoldaten Oxen  – »Das erste Opfer«, »Der dunkle Mann«, »Gefrorene Flammen« – wurde er zum Shootingstar der skandinavischen Krimiszene. Die Rechte an der Trilogie wurden in zehn Länder verkauft, die Filmrechte liegen bei dem schwedischen Filmriesen SF Studios. Mehr zum Autor unter: jenshenrikjensen.de  

Blick ins Buch:

„Niels Oxen, ein hochdekorierter, aber schwer traumatisierter Elitesoldat, zieht sich in einen Wald auf dem dänischen Festland zurück. In der Einsamkeit Jütlands hofft er, seinen inneren Dämonen zu entkommen. Das Gegenteil passiert, als er nach einem nächtlichen Besuch des nahegelegenen Schlosses Nørlund zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall wird: Hans-Otto Corfitzen, Ex-Botschafter und Gründer eines einflussreichen Thinktanks, wurde allem Anschein nach auf dem Schloss zu Tode gefoltert. Oxen beginnt selbst in der Sache zu ermittlen, gemeinsam mit der klugen, unangepassten Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck. Die beiden, die ein ähnliches Schicksal teilen, fassen erst allmählich Vertrauen zueinander… Ein Kampf David gegen Goliath beginnt, denn bei ihren Ermittlungen bekommen es Oxen und Franck mit dem übermächtigen »Danehof« zu tun, einem Geheimbund, zu dem Corfitzen Verbindungen hatte und der sich als Brutstätte dunkler Machenschaften entpuppt…“

Covergestaltung:

In schwarz-weiß sind Bäume abgebildet, über deren Wipfeln ein helles Licht erstrahlt. »Licht in eine Sache bringen« könnte daraus interpretiert werden, was hervorragend zum Inhalt des Thrillers passt. Der Titel strahlt dem Betrachter in kräftigem Orange entgegen – ein richtiger Blickfang. Das Gesamtbild gefällt mir sehr gut.

 

Aufbau und Schreibstil:

Das Buch besteht aus 66 Kapiteln, insgesamt sind 450 Seiten zu lesen.

Die ersten Kapitel sind etwas langatmig, doch dann kommt die Handlung mehr und mehr in Fahrt. Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Die Dialoge sind logisch und ansprechend. Anfänglich sind die vielen Namen der Protagonisten leicht verwirrend, aber das gibt sich mit der fortschreitenden Handlung. Der Spannungsbogen baut sich von Anfang an auf und hält sich bis zum Ende.

Meine Meinung:

Die Redensart  »Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen« trifft bei diesem Buch hervorragend  zu.

Niels Oxen schliddert unverhofft in einen Mordfall hinein.  Als ob sich eine Lawine lostritt, verschleiert die Undurchsichtigkeit der Ereignisse die naheliegende Wahrheit,  so dass die Lösung nicht gefunden werden kann, obwohl sie vermutlich genau vor ihm liegt.

Mir gefällt diese Ungewissheit sehr gut, denn sie ist die Triebfeder durch den Roman hindurch. Immer, wenn ein kleines Detail aufgedeckt wird, treten neue Fragen auf, die wiederum neue Fragen nach sich ziehen. 

Die Hauptfiguren werden glaubwürdig dargestellt, so dass es nicht lange dauerte, bis ich mich( vor allem) Niels Oxen nahe fühlte. Das Schicksal, das ihn mit seinem treuen Kameraden »Mister White« verbindet, ging mir unter die Haut. Ich bin auch Hundeliebhaberin, und das machte mir die Schlüsselfigur Nils Oxen sehr sympathisch.  

Den Anfang des Buches empfand  ich etwas  hektisch und weitschweifend, weil die Szenen hin und her springen und mir als Leserin noch der Überblick über die Handlung fehlte, aber das gibt sich mit der Zeit.  

Fazit:

Als Debüt ein gelungener Einstieg. Die Geschichte endet gewollt  offen und spornt den Leser dazu an, die Fortsetzung in Erfahrung zu bringen. Wer ist Freund, wer Feind? Wem können Oxen und seine Mitstreiterin Margrethe Franck vertrauen? Wohin wird der Weg den ehemaligen Elitesoldaten, den einsamen Wolf,  führen? Ohne allzu rohe Gewalt ist der Thriller spannend und mitreißend. Wer für die nun anbrechende dunkle Jahreszeit gute Unterhaltung sucht, kann mit diesem Buch nichts falsch machen.    

Ich danke dem dtv Verlag vielmals für die spannende Lektüre. 

 

 

Die Wölfe kommen

Fakten:

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Erscheinungsdatum: August 2017

Titel der französischen Originalausgabe: »Les loups à leur porte«, erschienen 2015 bei Editions Payot & Rivages, Paris

Umschlaggestaltung: Isabella Grill, dtv

Satz: Bernd Schumacher, Friedberg

Druck und Bindung: CPI – Ebner &Spiegel, Ulm

ISBN: 978 – 3 – 423 – 26143 – 2

 

Gedruckt auf säurefreiem, chlorfrei gebleichtem Papier

Auch als Kindle-Edition erhältlich

 

Über den Autor:

Jérémy Fel, geboren 1979 in Le Havre, arbeitete nach dem Studium der Literatur und Philosophie zunächst als Buchhändler und nebenher als Drehbuchautor. Für Kritik und Leser war sein grandioses Romandebüt »Die Wölfe kommen« die Entdeckung im Herbst 2015. Beim Quai de Polar Lyon 2016, Europas größtem Krimifestival, wurde es ausgezeichnet mit dem »Prix Polar en séries«. Fel, ein großer Fan amerikanischer Literatur und der Erzählkunst der US-amerikanischen TV-Serien, schreibt gerade an seinem zweiten Roman und entwickelt eine Serie für einen französischen Fernsehsender. Er lebt heute in Rouen.

Blick ins Buch:

»Was verbindet einen Jugendlichen, der in den 1970er Jahren in Kansas sein Elternhaus anzündet, mit einem New Yorker Stricher, der gut zwei Jahrzehnte später einen  Dreijährigen entführt? Was mit einer netten Kellnerin in einem Diner in Indiana? Oder mit dem unbescholtenen Ehepaar in Idaho, das eines Abends unerwartet Besuch bekommt, der weitaus beängstigender ist, als der sich ankündigende Hurrikan?

Auf einer Farm in Mitten der wogenden Weizenfeldern von Kansas nimmt alles seinen Anfang: Sie hatte nicht viel Zeit. Loretta rannte zum Fenster, um es aufzureißen – und erstarrte. In diesem Moment zerbrach alles in ihr, jeglicher Funke Überlebenswille, Hoffnung, Kampfgeist. Unten, an seinem Wagen, lehnte Daryl, einen Benzinkanister in der Hand, und blickte zu ihr hoch, während sich in seiner Brille die Flammen spiegelten, die sein Elternhaus in ein Häufchen Asche verwandelten.«  

Covergestaltung:

Auf einem schwarzen Hintergrund sind (für mich) einzelne Wurzelstränge zu sehen. Die Hauptwurzel ist dicker und heller. Alle Wurzeln sind erhaben auf dem Cover zu fühlen. Für mich macht diese Gestaltung Sinn, denn die Handlung hat einen einzigen Ursprung, von wo aus sich die Geschichte entwickelt. Je weiter sich die Story ausbildet, desto mehr verweben sich die einzelnen Wurzelstränge.

 

Aufbau und Schreibstil:

„Die Wölfe kommen “ besteht aus 13 Kapiteln. Insgesamt sind 391 Seiten zu lesen.

Die Handlung ist packend, dramatisch, mitreißend und spannungsreich. Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Die Dialoge sind logisch und ansprechend. Die Kapitel sind einzelne, in sich abgeschlossene Geschichten, die sich im Verlauf mehr und mehr zusammenfügen. Der Spannungsbogen wird von Anfang an aufgebaut und hält sich bis zum Schluss. 

Meine Meinung:

Wer zu diesem Buch greift, muss hart im Nehmen sein. Der Fachbegriff lautet »Splatterroman«, denn die Darstellung der einzelnen Handlungsszenen ist von extremer Gewalt und Blut gekennzeichnet. Das ist ganz gewiss nicht für jedermanns Geschmack geeignet. Auch ich war von der einen oder anderen Szene schockiert.

Mir persönlich hat der Thriller ansonsten gut gefallen. Die Handlung beginnt mit einzelnen »Spritzern«, um im Wortlaut zu bleiben, und fügt sich anschließend immer mehr zu einer großen »Blutlache« zusammen.

Konkret bedeutet das, dass anfangs die Lebensschicksale der einzelnen Protagonisten erzählt werden. Das ist gewiss leicht verwirrend, denn auch ich dachte, der Roman bestünde aus mehreren aneinandergereihten Kurzgeschichten. Erst im letzten Drittel des Buches verstand ich, dass jedes zuvor geschilderte Ereignis, das nachfolgende mitbestimmte. Sprich, wäre das eine nicht passiert, hätte das andere nicht stattgefunden. Eine ungewöhnliche, aber geniale Art der Schreibweise, die jedoch gewiss nicht allen Lesern gefällt. Denn um die Handlung insgesamt erfassen zu können, muss man die vorangegangenen Schilderungen im Kopf behalten. Dieses wiederum erfordert eine hohe Konzentration. Wer daran Spaß hat, kann den Roman genießen.

Fazit:

Dass im Menschen ein blutrünstiges Tier wohnt, ist in der Menschheitsgeschichte unzählige Male bereits zu Tage getreten. Sei es im Dritten Reich in den KZ`s oder im berüchtigten Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba während der Invasion der Amerikaner in Afghanistan, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Jérémy Fel schildert in seinem Roman genau diese inneren menschlichen Abgründe, die bei jedem zum Vorschein kommen können, wenn äußere Umstände den Menschen dazu bringen, extrem zu handeln. Die größten Triebfedern dafür sind wohl Hass und Begierde. Manche Schilderungen im Roman haben mich regelrecht entsetzt, andere konnte ich sogar in gewisser Form nachempfinden. »Die Wölfe kommen« ist ein gruselig-spannender Horrorthriller, der den Leser fesselt, sobald man den Aufbau des Romans verstanden hat.

Wer sich allerdings vom Inhalt eines Romans gerne »berieseln« lässt, sollte von diesem Buch die Finger lassen.

 

Herzlichen Dank an den dtv Verlag für dieses künstlerisch hochwertige Lesewerk!    

Gezeitenspiel

Fakten:

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Erscheinungsdatum: August 2017

Umschlaggestaltung: Isabella Grill / dtv

Satz: pagina GmbH, Tübingen

Druck und Bindung: CPI –Ebner &Spiegel, Ulm

ISBN: 978 – 3 – 423 – 26141 – 8

 

Gedruckt auf säurefreiem, chlorfrei gebleichtem Papier

Das Buch ist auch als Kindle-Edition erhältlich

 

Über den Autor:

Benjamin Cors ist politischer Fernsehjournalist und hat viele Jahre für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtet. Heute arbeitet er für den SWR. Er ist Deusch-Franzose und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht.

Blick ins Buch:

»BODYGUARD. Dieses Wort versucht ein sterbender Mann an der Küste der Normandie mit letzter Kraft in den Boden zu ritzen. Die Buchstaben sind eine Botschaft und führen zu Nicolas Guerlain, Personenschützer der französischen Regierung. Zur gleichen Zeit erfährt Nicolas, dass ein Anschlag auf die Feierlichkeiten in der Normandie am 6. Juni droht, dem Jahrestag der Alliierten-Landung. Ein mörderisches Spiel beginnt, das Nicolas um jeden Preis gewinnen muss, denn der Einsatz ist so hoch wie nie«

Covergestaltung:

Abgebildet ist der so genannte »Omaha Beach«, jener Küstenabschnitt in der Normandie, an dem die Amerikaner damals im Juni 1944 ihre Großoffensive gegen Hitler-Deutschland starteten. Dieses passt sehr gut zum Inhalt des Kriminalromans.

 

Aufbau und Schreibstil:

Der Krimi besteht aus  einem Vorspann und 43 Kapiteln. Insgesamt sind  434 Seiten zu lesen.

Die Handlung ist chronologisch (mit gelegentlichen Rückblicken in die Vergangenheit) geschrieben. Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Die Dialoge sind logisch und ansprechend. Die Handlung  ist fesselnd und spannungsreich.  Der Autor baut von Anfang an einen Spannungsbogen auf. Dieser wird bis zur letzten Seite gehalten.

Meine Meinung:

Dieser Band hat mir bislang am besten gefallen. Neben Nicolas Guerlain, der nun endlich seine Julie wiederfindet, bevor sie wie eine Fata Morgana erneut verschwindet, treten andere Charaktere aus den vorangegangenen Büchern in den Vordergrund.  Claire, die ehemalige Praktikantin, ist nun Polizeischülerin und gestaltet den aktuellen Roman maßgeblich mit.

Sehr schön wird auch die geschichtliche Vergangenheit des so genannten D-Days in die Story eingeflochten.

Die Handlung ist sehr temporeich gestaltet, so dass ich es nicht geschafft habe, das Buch aus der Hand zu legen, bevor ich nicht auf der letzten Seite angelangt war.

Erneut taucht in der Geschichte die aktuelle politische Lage (insbesondere Frankreichs) in Form von Vandalismus und terroristischen Anschlägen auf. Somit macht die Handlung es möglich, die fiktiven Ereignisse als denkbare Realität zu betrachten.

Fazit:

Auch im dritten Teil der Normandie-Krimiserie ist die Handlung spannend aufgebaut. Zudem kommt, dass die Arbeit des Personenschützers  Nicolas Guerlain einfach »mal etwas anderes« ist, als ein herkömmlicher Krimi bietet.

Das Buch liest sich flüssig, die Handlung ist höchst aktuell, die Protagonisten werden hervorragend in Szene gesetzt.

Gut gefällt mir ebenfalls, dass der dritte Kriminalroman erneut ohne die Kenntnis der Vorgängerromane gut verständlich ist.

Natürlich freue ich mich heute bereits auf die Fortsetzung, denn die brennende Frage, welches Geheimnis Julie hütet, hoffe ich darin beantwortet zu bekommen.  

 

Meinen herzlichen Dank an den dtv Verlag!

 

Der Präsident

Fakten:

Verlag: Bastei Lübbe AG, Köln (für die deutschsprachige Ausgabe)

               Originalverlag: HarperCollinsPublishers

               Titel der englischen Originalausgabe: »To kill the President«

               Das eBook erscheint bei Bastei Entertainment in der Bastei     Lübbe AG

Erscheinungsdatum:  Juli  2017

Textredaktion: Dr. Frank Weinreich, Bochum

Titelillustration: © FinePic / shutterstock; © getty-images / Bloomberg

Umschlaggestaltung: Zero Werbeagentur, München

eBook-Erstellung: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN: 978 – 3 – 7325 – 5099 – 9

Das Buch ist als Taschenbuch, Kindle Edition, Hörbuch-Download und Audio erhältlich

 

Über den Autor:

Sam Bourne ist das Pseudonym des preisgekrönten britischen Journalisten Jonathan Freedland. Er war lange Zeit Berichterstatter aus Washington für THE GUARDIAN. Nach seiner Rückkehr nach London schrieb er für verschiedene Zeitschriften und veröffentlichte mehrere Bücher. Sein Thriller Debüt DIE GERECHTEN stand in Großbritannien monatelang auf der Bestsellerliste und verkaufte sich über eine halbe Million Mal. Seit 2014 verfasst der Nahostexperte eine wöchentliche Kolumne für THE GUARDIAN sowie einen monatlichen Beitrag für THE JEWISH CHRONICLE. Zudem präsentiert er die wöchentliche Radiosendung THE LONG VIEW bei BBC RADIO 4.

Blick ins Buch:

»Stell dir vor, der mächtigste Mann der Welt wäre ein gefährlicher Egomane… Als die Bürger der USA einen unberechenbaren Demagogen zum Präsidenten wählen, hält die Welt den Atem an. Kaum jemand weiß: Bereits kurz nach dem Amtsantritt ordnet der Präsident fast einen Atomschlag an, nachdem ein Wortgefecht mit dem Machthaber von Nordkorea aus dem Ruder läuft. Eins ist den Mitwissern klar: Jemand muss etwas unternehmen, oder die Welt steht kurz vor einem dritten Weltkrieg. Ein Attentat scheint der einzige Ausweg…«

Covergestaltung:

Den Bucheinband ziert die amerikanische Flagge. In großen weißen Lettern strahlt dem Leser der Buchtitel entgegen. Und erst bei näherer Betrachtung ist die mögliche Silhouette des amtierenden Präsidenten der USA erkennbar.  Mir gefällt die Covergestaltung sehr gut.

Aufbau und Schreibstil:

Das eBook besteht aus 52 Kapiteln.

Die Story ist in chronologischer Reihenfolge geschrieben, in die immer wieder Rückblicke von  bereits geschehenen Ereignissen eingeflochten wird.

Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Die Dialoge sind logisch und ansprechend. Die Handlung  ist komplex und spannungsreich. Ein Spannungsbogen baut sich von Anfang an auf und hält sich bis zum Ende.

Meine Meinung:

Ist es nun Zufall oder ganz bewusst gewählt, dass der fiktive Präsident  des Thrillers nahezu erschreckend ähnliche Charakterzüge besitzt, wie der amtierende Präsident  der Vereinigten Staaten?

Auch wenn kein  spezieller Name genannt wird, ist deutlich im Buch erkennbar, wer damit gemeint sein soll. Neben der Erfolgssucht des nicht benannten Präsidenten im Thriller und seinen narzisstischen Neigungen,  werden die Ruhelosigkeit, seine Frauenfeindlichkeit und unruhestiftende Art benannt.

Es kam mir fast so vor, als ob Sam Bourne »Mäuschen gespielt hätte«, um seine erfundene Story zu schreiben.  Ich könnte mir vorstellen, dass er sich damit in den USA bei bestimmten Leuten keine Freunde gemacht hat.

Mir gefiel das Buch sehr gut. Besonders die Heldin Maggie Castello, die starke Frau, die alles zum Wanken bringt.

Was anfänglich verwirrend wirkt, fügt sich im Laufe der Geschichte zu einer gut konstruierten Handlung zusammen.

Ja, so wie beschrieben, könnte es in Wahrheit tatsächlich auch ablaufen.  Ein erschreckendes Szenario, das bei mir »die Haare zu Berge stehen ließ«!

Fazit:

Dieses Buch hat meiner Meinung nach sehr gute Chancen auch als Film ein Erfolgshit zu werden. Actionreich, spannend, eine plausible Story und nicht zu vergessen, wohldurchdachte und stimmige Charaktere machen den Thriller zum Lesevergnügen.

Wer auf Politthriller steht, kommt mit diesem Buch absolut auf seine Kosten.  

Herzlichen Dank an den Bastei Lübbe Verlag, dass ich „Der Präsident“ lesen und rezensieren durfte. 

The Girl Before – Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.

Fakten:

Verlag: Penguin Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel »The Girl Before«  bei Ballantine Books, New York

Erscheinungsdatum: April 2017

Umschlag: Hafen Werbeagentur

Satz: Greiner & Reichel, Köln

Druck und Einband: CPI books GmbH, Leck

ISBN: 978 – 3 – 328 – 10099 – 7

 

Dieses Buch ist auch als E-Book erhältlich

Über die Autorin:

The Girl Before ist der erste Psychothriller JP Delaneys. Zuvor veröffentlichte Delaney unter anderen Namen bereits einige Romane, die die Bestsellerlisten eroberten. The Girl Before erscheint in 39 Ländern. Die Verfilmung durch den bekannten Hollywood-Regisseur Ron Howard ist bereits in Planung.

Blick ins Buch:

»Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane unbedingt einen Neuanfang. Daher  überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt.  Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut dem gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr.«

Covergestaltung:

Schemenhaft ist ein weißes Gebäude mit großen Fenstern zu erkennen. Eine Frau betritt das Haus. Die Darstellung ist in Schwarz und Weiß gehalten. Der Buchtitel leuchtet dem Leser in Rot entgegen. Da sich die Geschichte maßgeblich  um dieses besondere Haus dreht, finde ich die schlichte Gestaltung sehr zutreffend.

Aufbau und Schreibstil:

Die Handlung ist in »Damals« und »Heute« gegliedert. Obwohl die Ereignisse in der Vergangenheit und Gegenwart spielen, ergibt sich daraus eine Geschichte, die in chronologischer Reihenfolge erzählt wird. Insgesamt sind 390 Seiten zu lesen.

Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Die Dialoge sind logisch und ansprechend. Die Handlung  ist fesselnd, prickelnd und spannungsreich.  Die Autorin baut von Anfang an einen Spannungsbogen auf. Dieser wird bis zur letzten Seite gehalten.

Meine Meinung:

Stellen Sie sich eine Kreuzung  vor. An den vier Enden stehen Emma, Simon, Edward und Jane.  Sobald Sie die ersten Zeilen dieses Thrillers lesen, beginnen die Protagonisten ihren Weg.  Seite für Seite nähern sie sich dem gemeinsamen Schnittpunkt  im Kreuzungsmittelpunkt. Je näher die Handlungsträger diesem sind, desto mehr steigt die Spannung an, bis sich die Geschichte  letztendlich zum Höhepunkt zusammenfügt.

Mir gefiel das Buch sehr gut. Es bedarf nicht unbedingt eines »Blutbades«, damit mich eine Geschichte fesselt. Äußerst geschickt verbindet JP Delaney die Ereignisse aus der Vergangenheit mit der Gegenwart, so dass der Leser lückenlos der Handlung folgen kann.

Fazit:

Der Thriller besteht aus einzelnen »Mosaiksteinchen«. Aus einem anfangs unüberschaubaren Handlungskonstrukt formt sich mehr und mehr ein klares Bild. Ich fühlte mich nach kurzer Zeit mit Emma und Jane  sehr »verbunden«  und fieberte dem anscheinend Unvermeidbaren entgegen. Dabei liebte ich es, wie Jane, zu zweifeln, zu hinterfragen und zu rätseln. Das Ende der Story fand ich äußerst befriedigend. Vielleicht fühlen sich Frauen aufgrund des Buchinhaltes mehr angesprochen als Männer. Dennoch spreche ich eine generelle Leseempfehlung aus, sofern der Rezipient nachgrübeln, tüfteln und eigene Überlegungen anstellen als äußerst spannend empfinden kann.

Von mir erhält der Thriller fünf von fünf möglichen Sternen.

 

Mein herzlicher Dank geht an die Random House Verlagsgruppe!

Die sieben Farben des Blutes

Fakten:

Verlag: Blanvalet, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Erscheinungsdatum: 17. Juli 2017

Umschlaggestaltung: Johannes Wiebel/ punchdesign

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN: 978 – 3 – 7341 – 0344 – 5

Das Buch ist auch im Kindle-Format erhältlich

 

Über den Autor:

Uwe Wilhelm, geboren 1957 in Hanau, hat Germanistik und Schauspiel studiert. Seit 1987 arbeitet er  als Autor für Drehbücher, Theaterstücke und Sachbücher. Er hat mehr als 120 Drehbücher u.a. für Bernd Eichinger, Katja von Garnier und Til Schweiger verfasst. Uwe Wilhelm ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Blick ins Buch:

„Drei Morde in drei Monaten. Drei Frauen. Drei Verkündungen, in denen der Mörder von sieben „Heilungen“ erzählt. Die Berliner Polizei steht unter Druck. Doch dann ist die Serie mit einem Mal beendet und gerät in Vergessenheit.  Nur Staatsanwältin Helena Faber ist davon überzeugt, dass dies erst der Anfang war. Als ein Jahr später eine vierte Frau brutal ermordet wird, macht Helena Jagd auf den, der sich selbst  „Dionysos“ nennt. Es ist der Beginn eines Rennens gegen die Zeit, aber auch eines Kampfes ums Überleben, denn Helena ist ins Visier des Täters geraten. Und Dionysos wird nicht aufgeben, solange sie nicht „geheilt“ wurde…“.

Covergestaltung:

Auf einem mattiert schwarzen Hintergrund steht im Vordergrund in marmoriertem Weiß der Buchtitel. Die Ziffer Sieben fügt sich wie ein Hologramm in den Titel ein. Darin sichtbar ist in Rot „fließendes Blut“.  Mir gefällt die Gestaltung sehr gut. Sie macht neugierig und passt zudem hervorragend zum Inhalt des Buches.

Aufbau und Schreibstil:

Das Buch besteht aus einem Prolog, viel Kapiteln und einem Epilog. Insgesamt sind 474 Seiten zu lesen.

Die Handlung ist packend, dramatisch, mitreißend und spannungsreich. Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Die Dialoge sind logisch und ansprechend. Die Handlung besteht  anfangs aus unterschiedlichen Handlungssträngen, die sich später zu einem  (in chronologischer Reihenfolge geschrieben) Strang verbinden.  Darin sind  punktuell Rückblicke in die Vergangenheit  eingeflochten. Der Spannungsbogen wird von Anfang an aufgebaut und hält sich bis zum Schluss. 

Meine Meinung:

Ich fühlte mich als Leserin zu Beginn des Buches wie eine „Turmspringerin“.  Nach dem Sprung tauchte ich erst einmal ab. Während des Aufstieges an die Oberfläche umgaben mich viele Luftblasen, die sich schließlich wieder zu einer geschlossenen Wasserfläche vereinten.

Das soll heißen, als Leserin war ich von der ersten Seite an mitten im Geschehen. Noch nicht wissend, wohin die Geschichte führt, ließ ich mich durch die darauf folgenden Seiten treiben. Unterschiedliche Handlungsstränge umgaben mich dabei. Das mag anfangs leicht verwirrend sein, doch ab einem gewissen Punkt, fügt sich die Handlung  zusammen. Dann ereignen sich die Geschehnisse in chronologischer Reihenfolge.  Es entsteht mehr und mehr Klarheit, die mich bis hin zum Ende begleitete. 

Ein temporeicher Thriller, in dessen Verlauf sich die Ereignisse regelrecht jagen. Das Einzige, das meinen Lesegenuss störte, war das Ende des Buches. Auf den letzten Seiten kommt es zu einer (meiner Meinung nach) überflüssigen Kehrtwende. Ich verstehe zwar gut, dass der Autor der Handlung noch einmal einen gewaltigen Spannungsschub „verpassen“ möchte, aber mir hat dieses leider nicht so gut gefallen.

Fazit:

Der Thriller ist ganz gewiss nichts für schwache Nerven!  Uwe Wilhelm  produziert durch die Kaltblütigkeit des Mörders ab der ersten Seite einen Spannungsbogen, der bis zum Zerreißen gespannt ist. Gänsehaut und Angstschauer durchrieselten meinen Körper. Ich wurde zwischen Ekel und Faszination hin und her gerissen. Sehr gut gefielen mir die Dialoge, die das Geschriebene sehr lebendig wirken ließen.

Ein gelungenes Werk, dem noch zwei weitere Bände folgen werden!

Ich vergebe 4 von 5 möglichen Sternen.

The Final Seven: Das Spiel beginnt

Fakten:

Verlag: „beTHRILLED“ – Das eBook-Imprint von Bastei Entertainment / für die deutschsprachige Ausgabe: Copyright, 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Erscheinungsdatum:  Juni 2017

Originalverlag: Erica Spindler; erstmals veröffentlicht  bei Double Shot Press

Originalausgabe: „The Final Seven“

Textredaktion: Sandra Lode

Covergestaltung: Christin Wilhelm

Das Buch ist auch als Taschenbuch erhältlich

 

Über die Autorin:

Erica Spindler wuchs in Rockford, Illinois, au und studierte an der Delta State Universitiy und Universitiy of New Orleans. Sie war als Malerin tätig, ehe sie sich der Schriftstellerei zuwandte. Zuvor erschienen die Thriller der New-York-Times-Bestsellerautorin im Knaur Verlag und bei Mira. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von New Orleans.

Blick ins Buch:

„New Orleans Detective Michaela Dare ist diszipliniert und zielstrebig. Sie braucht keinen neuen Partner – schon gar nicht Zach „Hollywood“ Harris, den respektlosen Charmeur und Draufgänger, der ihr vom FBI vorgesetzt wird. Obendrein soll ihre Aufgabe darin bestehen, Zachs Bodyguard zu spielen, während er die Bösen jagt. Doch Micki stellt bald fest, dass ihr Parner mehr drauf hat als ein verschmitztes Lächeln – und dass es Kräfte zwischen Himmel und Erde gibt, die nur Zachs spezielle Fähigkeiten aufhalten können…“

Covergesteltung:

Schemenhaft ist das Gesicht einer Frau zu erkennen. Erst bei genauer Betrachtung fällt auf, dass darin eine dunkle Gestalt „versteckt“ ist. Wer den Inhalt des Buches kennt weiß, dass die Gestaltung sehr gut zum Inhalt passt.

Aufbau und Schreibstil:

Das eBook umfasst insgesamt 60 Kapitel. Ich benötigte knappe 6 Stunden, um das gesamte Buch zu lesen.

Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Die Dialoge sind logisch und ansprechend. Die Handlung  ist komplex und spannungsreich.  Der Spannungsbogen, der von Anfang an besteht,  steigert sich bis zum Ende hin permanent.

Meine Meinung:

Mir hat das E-Book sehr gut gefallen. Der Leser erlebt neben einer spannenden Story eine Art  „andere Welt“. So genannte Psi-Phänomene wie beispielsweise außersinnliche Wahrnehmung, Präkognition (also die Fähigkeit in die Zukunft sehen zu können) oder Telepathie werden so geschickt in die Handlung eingebunden, dass es mir durchaus möglich erschien, das Beschriebene zu erleben. Der Autorin gelingt es dadurch vortrefflich, eine andere Qualität von Spannung zu erzeugen. Das Geschilderte ist nicht wirklich greifbar, es ist unheimlich und zeitgleich ungemein verlockend. Ich ließ mich sehr gerne auf das „Was wäre wenn“-Gedankenspiel ein und wurde nicht enttäuscht. Das „Andere“ ist erfrischend neu und  hat mich regelrecht begeistert.  Ich habe „The Final Seven“ an einem einzigen Nachmittag gelesen.

Fazit:

Der Anfang der Lightkeeper-Serie ist als „gelungen“ zu bezeichnen. Erica Spindler hat es geschafft, mich mit ihrer Geschichte zu packen und  neugierig zu machen, wie es mit Zach und Micki weitergeht. Die Fortsetzungsgeschichte „Triple Six“ erscheint im Herbst als eBook. Ich freue mich schon darauf!

Ich vergebe sehr gerne 5 von 5 möglichen Sternen.

 

Herzlichen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für das spannende Buch.