Jedes Team funktioniert nur so gut, wie…

Ich habe eine verdammt anstrengende Woche hinter mir. Grund für meinen persönlichen Stress ist eine Entwicklung in der Schule, die ich so, wie sie im Moment verläuft, nicht hinnehmen kann.

Kurzer Lagebericht:

Die Schulklasse meines älteren Sohnes besteht aus 38 Kindern. Alle gemeinsam haben von Montag bis Freitag in einem (für diese Klassenstärke) viel zu kleinen Klassenzimmer Unterricht. Das ist zumindest meine persönliche Meinung.

Dazu kommt, dass auch diese Klasse die spezifischen Schülertypen wie:  Den Streber, den Klassenclown, den Anführer etc. vorweist.

Nun gibt es euch zu erzählen, dass speziell die beiden Lehrerinnen im Fremdsprachenunterricht große Probleme mit dieser Klasse haben. Es mangelt am Respekt der Schüler gegenüber den Lehrerinnen. Den Lehrkräften fehlt, meiner Ansicht  nach, eine natürliche Autorität.

Auch mein Sohn gehörte lange Zeit zu denjenigen, die den Unterricht störten, ja teilweise sogar unmöglich machten. Der Unmut der Eltern, die berechtigter Weise äußerten, dass dieser Zustand nicht länger tragbar sei, wuchs.

Letztendlich kam es zu einem Gefühlsausbruch auf dem vergangenen Elternabend. Mein Mann und nicht nahmen nicht daran teil, weil Philipp das Geld verdienen an erste Stelle setzte, und  ich in gewisser Form auch. So trug es sich zu, dass die aufgebrachte Elternschar sich auf die nicht objektive Suche nach Schuldigen begab. Sehr schnell stand zumindest bei einer sehr kleinen Elterngruppe, die sich bereits vor diesem Elternabend regelmäßig zu treffen schien, fest, dass mein Sohn und sein bester Freund (und damit auch wir Eltern) zur Verantwortung für das Scheitern des Unterrichtes zu ziehen seien. Emotionsgeladen gaben diese Eltern ihren persönlichen Frust an mich und die Eltern des anderen Kindes weiter. Ein sehr unschöner Schlagabtausch war die Folge. Unzählige E-Mails wurden geschrieben. Letztendlich ging das ganze sogar bis zur Schulleitung.

Dann, Ende der Woche, fand ein persönliches Treffen statt. Anwesende waren wir Eltern, deren zwei Kinder als die federführenden Täter klassifiziert wurden, die beiden Fremdsprachen-Lehrerinnen, zwei Personen der oben genannten kleinen Elterngruppe, die sich selbst als die Elternvertreter der gesamten Klasse bezeichneten und der Klassenlehrer. Wobei anzumerken ist, dass der Klassenlehrer gleichzeitig der Pädagogische Leiter der Schule ist. Eine unglückliche Kombination, wenn ihr mich fragt! Bei diesem Gespräch kristallisierte sich allzu schnell heraus, dass es gar nicht darum ging, eine gemeinsame Lösung zu ENTWICKELN, sondern einen bereits durch die anderen Beteiligten gefassten Entschluss durchzusetzen. Besonders die Französischlehrerin und die beiden Elternvertreter waren sich da rasch einer Meinung.

Dagegen habe ich nur zu sagen: NICHT MIT MIR! Ich lasse mich von niemand mundtot quatschen. Keiner drückt mir einfach so seine eigene, persönliche Meinung auf. Ich lasse mich auch nicht von vorab geschlossenen Beschlüssen überrennen. So trug es sich zu, dass es zu einem Machtgerangel kam, anstatt die Gunst der Stunde zu nutzen, eine Annäherung zu versuchen. Viel zu häufig viel das Wort „Kontrolle“!

Kurze Wortdefinition: „Kontrolle ist die Überwachung oder Überprüfung einer Sache, Angelegenheit oder Person und somit ein Mittel zur Herrschaft oder Gewalt über jemanden oder etwas!“

Ganz ehrlich, Leute, so kann die Angelegenheit nur im Voraus zum Scheitern verurteilt sein! So kann niemals ein friedfertiges Miteinander entstehen. So wird der Fremdsprachenunterricht niemals erfolgsgekrönt werden!

Mir ließ das Ende des Gespräches seither keine Ruhe. Im Grunde genommen wollen wir doch alle das gleiche Ergebnis: Die Lehrerinnen sollen einen guten Fremdsprachenunterricht führen können, in dem die Kinder den erforderlichen Lernstoff in ruhiger Atmosphäre gemeinsam erarbeiten.  Aber solange es um die Ausübung von MACHT geht, wird genau dieses nicht gelingen!

Ich möchte euch anhand eines einfachen Beispiels aufzeigen, was meiner Meinung nach die Lösung ist. Ich habe dafür „Hundeschlitten fahren“ gewählt:

Das Wichtigste an einem Hundeschlitten ist ein gut trainiertes Gespann,  das mit  dem Musher (Lenker) zusammenabreitet. Dabei lenkt der Musher den Schlitten mittels speziell gerufener Kommandos. Diese setzen die Hunde, insbesondere der Leithund, um. Die Kommandos dienen vorwiegend dem Richtungswechsel. Die Geschwindigkeit des Schlittens regelt der Schlittenführer über die Bremse. Dabei ist eine der wichtigsten Aufgaben, permanent genügend Druck auf die Bremse zu geben, damit die Zugleine gleichmäßig gespannt bleibt. Das angestrebte Ziel des Hunderennens wird aber nur erreicht, wenn das  GEGENSEITIGE  VERTRAUEN zwischen Mensch und Tier stimmt.

Was will ich euch damit sagen? Ich verrate es euch!

In anderen Worten gesprochen ist es meiner Meinung nach wichtig, dass ein Lehrer sich nicht nur selbst als Lernbegleiter sehen darf. Nur der Architekt für Lernumgebungen zu sein, ist eindeutig zu wenig. Will ein Lehrer etwas erreichen, muss er sich vielmehr als Regisseur verstehen, als Aktivator, der seine Klasse im Griff und jeden Einzelnen im Blick hat. Das heißt, jedem Schüler muss ganz klar sein, was der Lehrer von ihm will. Ganze Stunden erweisen sich als wirkungslos, weil der Lehrer zu Beginn nicht klarmacht, worauf es ihm/ihr in den folgenden  45 Minuten ankommt.  Zwar steuert ein guter Lehrer den Unterricht von der ersten bis zur letzten Minute, er nimmt hierbei jedoch  – und das ist das Besondere – immer die Perspektive seiner Schüler ein.

Der neuseeländische Bildungsforscher Hattie sagt folgendes: „Viel zu viele Lehrer erklären die fehlenden Lernfortschritte mit den Schwächen ihrer Schüler. Dabei benennen die Lehrer den mangelnden Fleiß der Schüler oder die fehlende Unterstützung des Elternhauses. Stattdessen müsste der Lehrer sich fragen, was ER/SIE falsch macht, wenn seine/ihre Klasse beim Lernen nicht vorankommt.“ Die Empirie gibt Hattie anscheinend recht!

Und auch hier gilt wieder zu betonen: eine Klassengemeinschaft funktioniert nur so gut, wie sie vom Lehrer geleitet wird!

EINE pädagogische Methode für ein besser funktionierendes Lernklima könnte folgende sein. DER SCHMILEYPLAN.

Schüler/Schülerinnen, die durch häufiges Stören den Unterricht blockieren, bekommen einen Wochenübersichtsplan, auf der ihr Stundenplan abgebildet ist. In den Kästchen für jedes Fach befinden sich jeweils drei Smileys: ein lachender, ein weinender und einer, der neutral schaut. Die Schüler müssen sich nach jeder Schulstunde ein Feedback des Fachlehrers abholen. Wenn sie eine Woche lang nur lachende Gesichter von allen Lehrern erhalten haben, bekommen sie eine selbstgewählte Belohnung, die natürlich im Vorwege abgesprochen und protokolliert wurde. Zum Beispiel eine Wunschstunde im Fach Sport. Anders herum müssen sie mit einer ebenfalls im Voraus abgesprochenen Konsequenz rechnen, die auf dem Wochenplan angekündigt wird.

Ziel sollte sein, den Schwerpunkt dabei auf die BELOHNUNG, als auf die STRAFE zu legen. Wer immer nur gestraft wird, legt sich eine Art „Schutzpanzer“ zu. Der Vorteil des Smileyplans ist, neben der Motivation, dass jeder Schüler ein direktes Feedback nach jeder Schulstunde bekommt, im Idealfall natürlich Lob, das den Schüler zu weiterem positiven Verhalten anspornt.

Diesen Smileyplan habe ich mir natürlich nicht eben mal ausgedacht. Nein, dieser existiert bereits. Petra Autering unterrichtet Deutsch und Englisch am Freiherr-von-Stein Gymnasium in Münster. Sie arbeitet mit diesem Plan und äußerte in einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „ … Es ist schön zu erleben, wie so aus einigen schlimmen Störern motivierte Kinder werden können, die auch von ihren Mitschülern die Rückmeldung bekommen, „dass sie ja richtig nett sein können“!

Zuvor ist es jedoch wichtig, dass  der Lehrer, bei dem es im Unterricht grandios vieles schief läuft, das Vertrauen aller Schüler und Schülerinnen gewinnt. Auch hierfür gibt es genügend pädagogisch bewährte Methoden, die zum Einsatz kommen könnten.

Und das Leute, das ist der richtige Weg. Diesen werde auch ich bei uns an der Schule einführen. Es liegt noch sehr viel Arbeit vor mir,bzw. vor uns (an der Schule).

PACKEN WIR ES AN!

 

 

 

 

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