Es weihnachtet sehr!

Wer von euch schon einmal einen  kritischen Blick in den Kalender geworfen hat  stellt fest, dass sich das Jahr dem Ende zu neigt. In wenigen Wochen ist Weihnachten und in noch weniger Wochen der erste Advent. Nun beginnt für mich Mutter eine  Zeit, in der die Tage am besten 48 Stunden haben.

Das hat damit zu tun, dass einerseits in der Schule viele Veranstaltungen sind. Laterne laufen, Herbstfest, Weihnachtsfeiern und  anderes mehr. Hierfür muss  gebastelt und vor  allem gebacken werden.

Andererseits geht es los, mich um die Beschaffung der  Weihnachtsgeschenke zu kümmern. Meine Kinder glauben beide noch an den Weihnachtsmann, der  an Heiligabend mit seinem Schlitten bei uns auf dem Dach landet, um dann die Geschenke unter den Weihnachtsbaum zu legen, was bedeutet, dass ich alle Besorgungen heimlich erledigen muss. Husbandus verdient wie üblich dafür das nötige Kleingeld, während ich durch die Läden ziehe und die Augen offen halte. Um die richtige  Wahl treffen  zu können, welche Geschenke letztendlich den Jubel der Kinder  auslösen sollen, benötige ich unbedingt die Wunschzettel der Dinos. Dieses Jahr scheint es meinen Kindern jedoch schwer zu fallen, sich auf ein paar Wünsche festzulegen. Ich kann sagen, dass sie seit etwa Mitte Oktober daran schreiben. Ständig  kommt ein neuer Wunsch auf der Liste dazu oder ein anderer  wird gestrichen. Unser Papierkonsum ist  jedenfalls immens gestiegen.

Und last but not least  habe  ich als Bozibumä  auch noch die wundervolle Aufgabe, die  Adventskalender zu bestücken. Alle Jahre wieder hole ich dafür die gleichen aus dem Kellerschrank heraus. Philipp  und  ich haben diese vor Jahren selbst gebastelt. Ich muss gestehen, ich stehe total auf „selbst gemacht“. Meiner Meinung  nach  hat ein Geschenk für den Beschenkten einen ganz anderen Stellenwert, wenn die Person weiß, dass ich dafür Stunden verbracht habe, um das Präsent mit Herzblut und Liebe anzufertigen.

So hat  letztes Jahr meine gesamte Familie wie zum Beispiel die Großeltern, Tanten, Onkel und weiß ich noch wer  von mir Filzpuschen bekommen. Ich habe richtige Akkordarbeit geleistet. Stricken, vernähen, waschen, fertige Filzpuschen trocknen  und mit Latexsohle versehen. Tage, nein  eher Wochen, saß ich jeden Abend nach dem zu Bett bringen der Dinos  auf dem Sofa und strickte. Puschen für Puschen. Berge an Filzwolle habe ich verarbeitet. Als ich dann das letzte Paar in Geschenkpapier verpackt, in ein Weihnachtspaket gesteckt und versandt hatte, ging es mir richtig gut. Ich war sowas  von zufrieden, mein Vorhaben angepackt und erfolgreich zu Ende gebracht zu haben. Natürlich freute ich mich auch an Weihnachten sehr über die lieben Anrufe und lobenden Worte der Verwandten, die ihr Geschenk nun in  den Händen hielten.  

Aber zurück zum Adventskalender. Bei uns ist es Tradition, an den Adventssonntagen im Dezember, dieses Jahr sind es derlei drei, Ausflüge zu machen. Im Adventskalender steckt an den entsprechenden Tagen dann ein eindeutiger Hinweis, wohin es später gehen wird.  Hierfür überlege ich mir mit Philipp zusammen die Ausflugsziele. Wir gehen auf jeden Fall an einem Adventssonntag  ins Kindertheater, weil unsere Kinder diese Art von Unterhaltung lieben (im Übrigen wir Eltern auch). Letztes Jahr gab es bei uns im St. Pauli Theater das Kinderstück „Pinocchio“, das Jahr davor wurde im Tivoli das Stück „7 auf einen Streich“ aufgeführt. Jedes Jahr also die Vorfreude darauf. Ich liebe die Frage meiner Kinder: „ Mama, wohin gehen  wir dieses Jahr ins Theater?“ wohlwissend, dass es  darauf von mir keine andere Antwort gibt, außer: „Lass dich überraschen!“.

Für die anderen Sonntage suchen wir uns  besondere  Ausflugsorte  aus.

Wir fuhren zum Beispiel  ebenfalls letztes Jahr  in das Schokoladenmuseum bei uns. Es war einfach toll für uns alle. Wir bekamen auf eine heitere Art erklärt, wie eine Tafel Schokolade entsteht und  während der gesamten Führung  gab es  etwas davon zum Probieren. Das Highlight war, dass wir unsere eigene Tafel Schokolade fabrizieren durften. Jeder nach seinem Geschmack. Philipp steht auf „scharf“, deshalb Vollmilchschokolade  mit Chili und  Pfefferkörnern verzieren. Dino 2 liebt Gummibärchen, Dino 1 Smarties und Zuckersträusel und ich finde Kokosflocken auf Schokolade total lecker.

Für dieses Jahr bin ich noch auf der Suche. Selbst wenn die Sonntagsausflüge schon feststehen würden, würde ich es jetzt nicht verraten, denn die Dinos können lesen (auch Mamas Kolumnen).

Die anderen Dezembertage des  Kalenders fülle ich zum einen mit süßen Leckereien, aber auch mit Kleinigkeiten wie zum Beispiel Badekugeln. Es gibt doch nichts schöneres, als sich wohlig in einer  mit warmem Wasser gefüllten  Badewanne zu tummeln und den Duft von Rosen, Kirsche, Erdbeere, Melone etc. zu genießen, oder? Haar Gel, Seifenblasen, Luftballons oder andere „wichtige“ Dinge  dürfen natürlich nicht fehlen. Es macht mir auf jeden Fall jedes Jahr riesigen Spaß, die Befüllung der Kalender zu besorgen.

Schaut her, das ist unser Adventskalender. Erkennt ihr es?

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Ihr könnt euch denken, dass ICH den Bauplan für den Adventskalender selber entworfen habe. Im Internet gibt es unzählige Bauanleitungen, aber ich wollte natürlich wieder etwas Spezielles, Besonderes, Einzigartiges!

Also saß ich stundenlang vor meinem PC. Suchte und suchte. Mit unzählig vielen Stichworten fütterte ich Google, bis  ich endlich fündig wurde. Eigentlich war es nur ein Foto das mich inspirierte. Das Gesicht eines Weihnachtsmannes lächelte mich plötzlich an und mir war klar: DAS IST ES! Dieser Weihnachtsmann wird der neue Adventskalender.

Ich konnte es  kaum abwarten, dass mein lieber Göttergatte endlich von der Arbeit nach Hause kommt und ein paar Tage frei hat. Von meiner Idee habe ich ihm natürlich bereits am Telefon erzählt. Bei uns  ist es oft so, dass ich eine Idee habe und Philipp dazu das Material findet. So auch dieses Mal. Ich erzählte aufgeregt und Husbandus sagte:        

“ Machen wir! Am besten wäre dafür Sperrholz geeignet, das sich mit einer Laubsäge bearbeiten lässt“.  Das weitere Zubehör ergab sich dann aus unserem Gespräch. Styroporkugeln für die Augen und Nase, Watte für Augenbrauen und Bart, Filz für die  Kappe, Farbe für den Körper, Klopapierrollen zum Befüllen, Goldspray (Lackfarbe) zum Besprühen  der Rollen, Heißklebepistole und Ersatzklebepatronen zum Befestigen der Rollen und natürlich Glitzerspray damit alles schön funkelt. Zum Verschließen der Rollen wieder Filz und einen Filzstift, damit die Kalenderzahlen darauf geschrieben werden können.  Oh ich war schon so aufgeregt!

Um die Idee in die Tat umsetzten zu können benötigten wir  „freie Bahn“. Somit brachte  ich die Dinos für ein Novemberwochenende, an dem Philipp frei hatte, zu Oma und Opa. Nun hatten wir alle unseren Spaß! 

Philipp und ich fuhren zum Besorgen der Bastelutensilien bei uns zuerst in  den Baumarkt und anschließend in den Bastelladen um die Ecke. Wieder zuhause machten wir uns  ans Werk. Die heiße Tasse Kaffee neben uns stehend,  entwarf  ich aus Pappe Schablonen. Irgendwie benötigten wir  ja etwas zum Vorzeichnen des Körpers und des Kopfes mit Kappe. Ich zog für den Körper zuerst mit Bleistift und Schnur einen Kreis mit 30cm Durchmesser und dann zeichnete ich „Pi mal Schnauze“ den Kopf mit der Weihnachtsmann-Kappe. Beide Pappe Schablonen schnitt ich aus und legte sie auf die erste Sperrholzplatte. Wir  zeichneten die Umrisse nach und dann ging es ans Aussägen. Ich sage euch Leute, wer noch nie  mit einer Laubsäge  gearbeitet hat,  kann bei dieser Arbeit verzweifeln. Meinem Philipp ist anfänglich ständig das hauchdünne Sägeblatt der Laubsäge gerissen, weil er  mit zu viel Kraft gearbeitet hat.

Es gab natürlich Streit deshalb, was sonst! I Weil ich der Meinung war, dass Tomatenbauch dafür zu doof ist, habe ich es auch versucht mit dem Ergebnis, dass bei mir zwar kein Sägeblatt  gerissen ist, weil  FRAU mit Gefühl gesägt  hat, dafür hatte ich Holzsplitter in den Fingern vom Festhalten der Sperrholzplatte. Nachdem Philipp mir mit einer Pinzette und einer  Nadel die Splitter aus  dem Fleisch operiert hatte einigten wir uns darauf, dass sägen eindeutig Männerarbeit ist. Um vorwärts zu kommen ist  das Geheimnis für die weitere Laubsägearbeit, das Sägeblatt gleichmäßig durch das Holz zu ziehen. Nach  geraumer Zeit waren schließlich  die Körper und  Köpfe mit Kappe ausgesägt. Wir benötigten ja alles zweifach.

Durch das nicht professionelle Sägen waren die Holzränder jedoch leider splitterig und rau geworden. Glatt feilen war nötig, aber wie? Schleifpapier wäre ideal gewesen, aber das hatten  wir natürlich nicht  im Haus vorrätig. Nochmal zum Baumarkt  fahren ging nicht, da dieser samstags nur bis 14 Uhr auf hat. Also kam ich auf die geniale Idee, mein Nagelfeilenset zu holen. Philipp zeigte mir den „Vogel“, aber ob ihr es glauben wollt oder nicht, es  hat funktioniert. Ich zog mir Handschuhe an, denn noch einmal mir Splitter aus den Fingern holen lassen wollte ich nicht (es war vorhin doch relativ schmerzhaft gewesen), und feilte wie die Damen im Nagelstudio die Holzränder glatt. Wie ein Baby Popo fühlten sich die Ränder anschließend an, ganz weich und schön. Einen triumphierenden Blick konnte ich mir  nicht verkneifen. Liebe Männer, an dieser Stelle möchte ich euch sagen:“ Zweifelt nie an den  Ideen eurer Frauen, egal wie absurd sie klingen mögen!“.

Daraufhin teilten wir vorerst die Aufgaben auf. Philipp übernahm das Besprühen der Toilettenpapierrollen. Die  habe ich natürlich nicht alle alleine zusammen gesammelt.  24 Stück pro Adventskalender  produziert keine vier köpfige Familie mal eben so. Deshalb fuhr ich in die Schule und sprach die Putzfrauen an, ob sie für mich sammeln. Klar, keine Frage! Binnen zwei Wochen hatte ich  meine achtundvierzig Röllchen zuhause. Für das Besprühen musste Philipp das Haus verlassen. Mein Ehemann hat nämlich die Angewohnheit sich selber zu bemalen oder im jetzigen Fall  zu besprühen, so dass er manchmal bunter aussieht als das zu  verzierende Stück. Damit er nicht tagelang als“ Goldmarie“ herum läuft durfte er vor dem Sprühen einen Maleranzug, eine Kappe und Handschuhe anziehen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Die Toilettenrollen erstrahlten in Gold und Philipp hätte im James Bond Film „Goldfinger“ mitspielen können!

Während sich mein Mann im Garten bei Minusgraden mit Sprühen vergnügte bemalte ich die Körper der Weihnachtsmänner mit schöner hellroter Farbe. Anschließend musste alles trocknen. Das gab uns Eltern die Gelegenheit etwas zu essen und zu trinken.

Frisch gestärkt machten wir uns  anschließend an die Köpfe mit Kappe. Hierfür benötigten wir die Heißklebepistole, die Watte, den Filz, Styroporkugeln in verschiedenen Größen und weiße Holzfarbe.

 Ich gestaltete den einen Kopf, Philipp den anderen:

  • Gesicht des Weihnachtsmannes holzfarben lassen
  • Auf das Gesicht den Hintergrund für die Augen mit weißer Farbe aufmalen
  • Kleine Styroporkugeln schwarz anmalen (2 Augen), die größere rot (das wird die Nase)
  • Die Watte mit Haarspray besprühen (dadurch lässt sie sich leichter formen)
  • Augen, Nase und Watte (Augenbrauen und Bart) mit Heißklebepistole ankleben
  • VORSICHT!!! Ihr könnt euch am heißen Kleber böse verbrennen!! Philipp kann ein „Lied davon singen“
  • Aus Filz die Weihnachtsmannkappe ausschneiden (hierfür die Schablone aus Pappe nehmen) und aufkleben – Achtung, ebenfalls Verbrennungsgefahr!
  • Den Bommel aus Wolle nach „You Tube Anleitung“ anfertigen und aufkleben.

Fertig, der Weihnachtsmann hat einen Kopf und einen Körper. Mit Heißkleber den Kopf auf den Körper kleben. Aber unbedingt darauf achten, dass die rote Farbe trocken ist. Anderenfalls fällt der Kopf wieder ab. Was für ein Schreck für eure Kinder!

Nun galt es abschließend noch folgende Arbeitsschritte durchzuführen: 

  • Die trockenen mit Gold lackierten Rollen festkleben, aber auf die Finger achten!
  • Tipp: zuerst die Rollen lose auf dem Körper verteilen und dann erst ankleben
  • Aus dem restlichen Filz die Deckel für die Rollen ausschneiden (Toilettenrolle umranden damit es passt), Deckel mit Zahlen von 1 – 24 beschriften.
  • Tipp: hierfür mehrere verschiedene Farben nehmen damit der Weihnachtsmann schön bunt wird (Filzplatten gibt es im Bastelladen).
  • Adventskalender befüllen und die Rollen mit Filzdeckeln verschließen (Filz mit Heißkleber ankleben)
  • Damit der Adventskalender funkelt, den Rand der Filzdeckel mit Glitzerkleber verzieren

Wow, der Adventskalender war fertig. Wie toll er aussah!

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Den freien Abend verbrachten wir Eltern dann damals damit unsere verletzten Finger zu pflegen. Die Freude der Dinos machte jedoch all die Schmerzen wieder wett, denn nichts erfreut mehr, als strahlende Kinderaugen und eine feste Umarmung!

Bald werde ich auch dieses Jahr die Weihnachtsmann-Adventskalender aus dem Schrank im Keller holen und die Rollen füllen. Ich freue mich schon darauf! Ja ja hört her, es weihnachtet sehr!

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