Einen Schritt weiter!

In meiner letzten Kolumne habe ich euch davon berichtet, dass bei meinem Philipp und mir die Diskussion entflammt ist, ob ich Bozibumä  wieder  einer geregelten Arbeit nach gehen soll – kann – darf, oder nicht? Seitdem habe ich mir ganz viele Für-  und Wider-Argumente durch den Kopf gehen lassen. Die Liste war lang, aber am Ende war deutlich zu erkennen, dass es mehr Pro als Contra gibt. Anders gesagt: es spricht im Grunde nichts dagegen, wieder selber Geld zu verdienen.

Die Kinder sind alt genug. In der Schule gibt es einen Hort, so dass meine Dinos nach dem Regelunterricht am Vormittag auch nachmittags bestens betreut wären. Wenn ich wieder arbeiten ginge, könnte Husbandus sein Arbeitspensum drosseln – sprich, er wäre somit deutlich öfter zuhause. Das wäre für uns als  Familie mehr als wunderbar!

Kennt ihr das Gefühl, mit etwas „schwanger“ zu gehen? Ich meine damit, das Gefühl im Bauch zu haben, wie damals meine beiden Kinder. Zuerst ist es ja so eine Art „Vermutung“. Bei mir bedeutet das aktuell, der Wunsch, eine Tätigkeit auszuüben, die nichts mit meinen derzeit alltäglichen Pflichten zu tun hat, wird permanent präsenter und größer. Dann folgt der „Test“. Ich habe zwar jetzt keine Stäbchen in der Apotheke  gekauft, diese morgens in mein Pipi gehalten und dann war klar: ich gehe wieder arbeiten, sondern  ich gelangte zu dieser Gewissheit durch Gespräche mit meinem Ehemann bzw. mit meinen Freundinnen, und ich erstellte die anfangs bereits erwähnte Pro und Contra Liste.

Als klar war, dass überhaupt nichts gegen den Wiedereinstieg in den Beruf spricht und  ich eigentlich zufrieden und fröhlich sein sollte,  folgte bei mir das große Zweifeln. Genau wie damals, als sicher war, dass Dino 1 es sich in meinem Bauch „gemütlich macht“. Schaffe ich das überhaupt? Können wir uns das  leisten? Wer bleibt mit Baby zuhause? Bin ich bereit, meinen Beruf gegebenenfalls auf Eis zu legen? Und viele Gedanken mehr. Ich war hin und her gerissen zwischen dem „Jubeln“ und der  „Ablehnung“.  Das wohlige Gefühl „ es wächst ein kleines Menschlein in mir heran“ wechselte sich mit dem Empfinden „das kleine Etwas in mir – der Fremdkörper –  muss ganz schnell wieder raus“  ab.

Ebenso ging es mir jetzt mit dem „wieder arbeiten gehen“. Habe ich genug Kraft Beruf, Kinder und Haushalt zu packen? Kommen die Kinder zu kurz? Wer von uns Eltern arbeitet wieviel? Immer wieder drängte sich der Gedanke: „Lass es einfach“ in den Vordergrund. Ich fühlte mich dann so, als ob ich ein Engelchen und ein Teufelchen links und rechts auf meinen Schultern sitzen hätte. Die beiden haben sich permanent gestritten.

Um diesem „Unwohlsein“ ein Ende zu bereiten setzte ich mich an den Computer und begann einfach nach offenen Stellenangeboten zu schauen. Genauso handhabte ich es damals in den Schwangerschaften. Jeden Morgen war mir ganz grausam unwohl. Nach dem Aufstehen verspürte ich eine immer stärker werdende Übelkeit. Zuerst versuchte ich diese Übelkeit zu unterdrücken, mit Kekse essen zu überlisten, mit Aktivität zu verdrängen, aber es nützte alles nichts. Früher oder später hing ich spuckend über der Toilettenschüssel. Nachdem ich mehrere Wochen in der frühen Schwangerschaft so gelitten hatte war mir klar, dass nur eines hilft: aufstehen, spucken und mich dann wohl fühlen. Das Stöbern nach den Stellenangeboten nahm mir rasch die Ungewissheit und somit das Unwohlsein.

Ich habe schnell festgestellt, dass es derzeit in meinem Beruf eine hohe Nachfrage gibt. Im Leben vor den Kindern habe ich studiert und anschließend als Diplom Sozialpädagogin gearbeitet. Aufgrund der aktuellen politischen Lage werden Sozialpädagogen händeringend gesucht. Die Auswahl an Stellen, die mir persönlich gefallen könnten, ist groß. Meine Bewerbungsunterlagen auf den heutigen Stand zu bringen war keine Schwierigkeit.

Allerdings fiel mir auf, dass sich die Bewerbungsprozedere verändert haben. Heutzutage werden die Bewerbungsunterlagen anscheinend überwiegend per Mail an die entsprechenden potentiellen Arbeitgeber versandt. Ich finde das auf der einen Seite praktisch. Alles kompakt ohne zusätzliche Kosten oder Zeitaufwand binnen Sekunden an die entsprechende Stelle zu leiten ist angenehm.

Andererseits bin ich skeptisch was mit meinen Unterlagen, die zwar als PDF-Datei gesichert sind, passiert. Echt Leute, ich fühle mich manchmal wie eine „Oma“, an der die Zeit vorbei gelaufen ist. Zum Glück fällt mir der Umgang mit dem PC nicht schwer. Trotz der Kinder habe ich mit diesem Fortschritt Schritt gehalten.

Bewerbungsgesprächstermine vereinbare ich seitdem viele. Allerdings kläre ich mittlerweile bereits am Telefon ab, wie es mit der so genannten „Flexibilität“ bei Arbeitgeber X oder Y oder Z aussieht. Warum? Ganz einfach! Die Kinder sind das „Problem“. In meinem Beruf ist die flexible Einsatzbereitschaft gefragt. Aber leider genau das kann ich nicht „bieten“. Mir ist es unmöglich spontan los zu fahren, wenn mein zu betreuender Klient anruft und um meine Hilfe bittet. Wohin mit meinen Kindern, wenn dieser Anruf am Nachmittag oder Abend komm? Meine Dinos sind noch zu jung, um sie für die Zeit meiner Abwesenheit alleine zu lassen. Eine Großmutter, die praktischer Weise neben an wohnt, haben wir leider auch nicht.

Das nächste Problem, das sich bei einer Festanstellung ergibt ist die Regelung der Ferienzeiten. Normalerweise hat man als Angestellter ca. 6 Wochen Jahresurlaub zur Verfügung. Das bedeutet, ich könnte in den Sommerferien der Kinder zuhause sein, aber was ist mit Ostern- oder den Herbst- bzw. den Weihnachtsferien?  In der Schule meiner Kinder ist in diesen Zeiten auch kein Schulhort offen. Wohin mit den Kindern in den Ferien?

Selbst wenn sich das Betreuen in den Ferienzeiten mit der Anwesenheit von meinem Tomatenpflänzlein, der Oma, den Tanten und der Babysitterin regeln ließe ist ein weiteres Negativargument die Bezahlung. Bei einem Gespräch blieb mir der Mund vor Staunen offen stehen, denn ich sollte für eine Teilzeittätigkeit mit ca. 25 Wochenstunden nur 800.- Euro überwiesen bekommen. Ganz ehrlich Leute, das empfinde ich persönlich als „Frechheit“. Für mich Frau, die ein abgeschlossenes Studium besitzt, ist diese Gehaltsvorstellung des Arbeitgebers ein „Schlag ins Gesicht“.

Ich muss gestehen, diese Erkenntnisse haben mir zugesetzt. Nachdem ich einige Abende frustriert in meine Kissen geweint habe, ich bin vom Sternzeichen her ein sehr sensibler Krebs, gewann zum Glück die kleine „Kämpferin“ in mir wieder die Oberhand!

Sagt mir, WO steht geschrieben, dass ich nur als angestellte Diplom Sozialpädagogin arbeiten kann? WAS spricht dagegen, selbständig tätig zu werden? Natürlich gibt es die Gründe „zu riskant“, „zu unsicher“, „zu anstrengend“  und viele mehr, aber WARUM sollte ich mich davon abschrecken lassen?

Die folgenden Punkte, die FÜR die Selbständigkeit sprechen, überwiegen:

  • Die freie Zeiteinteilung
  • Ich bestimme selbst, an welchen Tagen ich wo und wie lange arbeite.
  • Das größere Einkommen 
  • In der Selbständigkeit bestimme ich mein Einkommen selbst. Natürlich trage ich auch mehr Kosten alleine, aber unter dem Strich kommt mehr Einkommen heraus. Niemand reguliert mein Honorar. Ich bestimme, womit ich mein Geld verdienen möchte. Ich schreibe meine eigenen Rechnungen.
  • Ich bin nicht Arbeiter-Ameise, sondern Ameisenkönigin
  • Das soll so viel heißen, dass ich in der Selbständigkeit meine eigene Chefin bin. Das ist zwar auf der einen Seite mit vielen Pflichten verbunden, aber auf der anderen Seite habe ich genauso viele Freiheiten.
  • Meine eigene Idee in die Tat umsetzen
  • Ganz egal was es sein wird, ich habe es alleine erschaffen. Ich werde an den Herausforderungen, den Schwierigkeiten und zu meisternden Aufgaben wachsen. Wisst ihr was das aus mir Frau, die jahrelang die Familie umsorgt hat, macht? Eine starke, unabhängige und hoffentlich auch erfolgreiche Frau!
  • Mich testen können
  • Da ich noch kein klares Bild habe, was genau meine Selbständigkeit sein soll, werde ich experimentieren. Ich führe mit großer Freude diesen Blog, vielleicht schreibe ich ein Buch, halte Seminare deren Inhalt ich selbst verfasst habe. Ich bin mir ganz sicher, dass sich draus Gelegenheiten ergeben werden, die ich mir bislang noch nicht vorstellen kann.
  • Zukunftsvisionen träumen 
  • Vielleicht wird mein Name einmal eine Marke sein. Dann steht „Mia Bruckmann“ für etwas, dann hat mein Name eine Bedeutung.

In diesem Sinne:  „Ran an den Speck“!  Es bleibt spannend. Ich bin gespannt, was ich euch das nächste Mal berichten kann!

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