Dem Horizont so nah, von Jessica Koch

Fakten:

E-Book
Autorin: Jessica Koch
Verlag: FeuerWerke Verlag
Umschlaggestaltung: Judith Jünemann
Lektorat und Bearbeitung: Sandra Schindler
ISBN: 978-3-945362-18-1

Zur Autorin:

Jessica Koch wurde 1982 in Ludwigsburg geboren. Schon in der Schulzeit begann sie kürzere Manuskripte zu schreiben, reichte diese aber nie bei Verlagen ein.
Zu Beginn ihrer Ausbildung als Bauzeichnerin lernte sie im Herbst 1999 den Deutsch-Amerikaner Danny kennen. Mit ihm erlebte sie die Geschichte „Dem Horizont so nah“. Es hat anschließend fast 13 Jahre gedauert, bis sie sich traute, mit ihrem Manuskript an die Öffentlichkeit zu gehen.
Die Autorin erzählt von einem Leben zwischen Optimismus, Hoffnung und Angst. Offen, ehrlich und mit Weitsicht berichtet sie aus ihrer Vergangenheit und bringt dabei mehr als ein Tabuthema zur Sprache.
Jessica Koch lebt mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihren beiden Hunden in der Nähe von Heilbronn. Momentan arbeitet sie an einem weiteren Manuskript, einem Roman über Dannys Kindheit.

Klappentext:

Jessica ist jung, liebt das unkomplizierte Leben und hat Aussichten auf eine vielversprechende Zukunft. Als sie eines Abends das Haus verlässt, ahnt sie nicht, dass sie ihrer großen Liebe begegnen wird. Sie ahnt nicht, dass diese Begegnung ihr gesamtes Weltbild verändern wird. Und vor allem ahnt sie nicht, dass sie schon bald vor der schwerwiegendsten Entscheidung ihres Lebens stehen wird.

Die Geschichte einer großen Liebe. Eine Geschichte über Vertrauen, Mut, Schmerz, Verzweiflung und die Kraft loszulassen. Eine wahre Geschichte.

 

Cover:

Auf einem Taubengrauen Hintergrund ist ein Scherenschnitt zu sehen. Er zeigt ein Hausdach, auf dem ein Mann und eine Frau, deren langes Haar im Wind weht, sitzen. Beide drehen dem Betrachter den Rücken zu. Es sieht so aus, als ob die beiden den Sonnenuntergang beobachten. Über den Köpfen dieses Paares steht der Buchtitel „Dem Horizont so nah“.
Wer das Buch gelesen hat weiß, dass es sich hierbei um eine Schlüsselstelle des Buches handelt. Beide Protagonisten verbindet das Gedicht „Mondnacht“ von Joseph Freiherr von Eichendorff, in dem es um die Sehnsucht geht und um die mögliche Auferstehung als Erlösung. Aus diesem Grunde finde ich das Cover absolut passend gestaltet.

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Aufbau und Stil:

Das Buch beginnt mit einem Prolog. Die gesamte darauf folgende Geschichte ist in ein anderes Gedicht gebettet. Der erste Satz, des ersten Kapitels, beginnt mit diesem Gedicht („Nordwind“ von Mareis). Er lautet:“ Ich spüre wieder den Nordwind, ein Hauch, wohl die Ruhe vor dem Sturm…“.
Anschließend wird dem Leser in 43 zeitlich aufeinanderfolgenden Kapiteln die Geschichte von Jessica und Danny erzählt. Das abschießende 45. Kapitel endet mit der letzten Strophe des Gedichtes:“ …Ich spüre wieder den Nordwind, die Verheißung des Horizontes…“. Der Epilog beschließt das Buch.

Die Autorin erzählt die meiste Zeit aus der Ich-Perspektive, wobei sie sehr geschickt im Verlauf ihrer Erzählung die Perspektiven ab und zu wechselt. Dieses macht das Lesen lebendig und abwechslungsreich.
Der Schreibstil ist so, als ob Jessica und der Leser des Buches gemeinsam auf dem Sofa sitzen, vielleicht bei einer Tasse Tee, und Jessica erzählt, was sie mit Danny erlebt hat. Vom ersten Satz im Prolog, bis zum letzten Satz im Epilog finde ich die Schilderungen klar, verständlich und logisch. Es gibt weder Zeit- noch Inhaltssprünge, die nicht nachvollziehbar wären.
Der Spannungsbogen wird sukzessive aufgebaut und durchgehend gehalten.

Meine Meinung:

Ich empfinde die Geschichte als Welle. Bildlich gesprochen verläuft die Erzählung folgendermaßen: Wind, der auf das Wasser drückt, bringt die kleinen Wasserteilchen in Bewegung. Durch die Bewegung werden die „Nachbarn“ angestoßen, die wiederum die nächsten Nachbarn anstoßen. So drehen sich mit einem Mal sämtliche Wasserteilchen wie kleine Bälle im Kreis.
Auf dem offenen Meer sind es unendlich viele Teile. So kann eine größere Dynamik entstehen. Der Wind treibt die Welle vorwärts, der Wellenkamm entsteht. Durch die Schwerkraft wird dieser letztendlich ins Wellental gezogen, die Welle bricht.

Genau in diesem Ablauf verläuft die Geschichte von Jessica und Danny. Alles beginnt mit dem „Nordwind“. Die „Wasserteilchen“ Jessica, Danny, die Freunde von beiden und all die anderen Personen in der Handlung werden angeschubst. Vom Wind weiter „angepustet“ geschieht eines nach dem anderen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Keiner kann die Welle beeinflussen, keiner die Welle stoppen. Sie wird höher und höher. Längst ist den Protagonisten die Tragweite des Geschehens bekannt. Offenen Auges, ohnmächtig treiben sie immer weiter auf den Scheitelpunkt zu. Wann dieser erreicht ist weiß keiner. Die Hoffnung, die stets mitschwingt, erfasst auch den Leser. Bitte, „Welle“, zögere den Bruchpunkt hinaus. Bitte, schenke Jessica und Danny Zeit. Doch dann zerstört ein Schicksalsschlag jegliche Zuversicht. Die Welle bricht. Kein Ausweg mehr, kein Zukunftsglaube.
Die Geschichte von Jessica und Danny zog mich von Anfang an in ihren Bann. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Binnen 24 Stunden habe ich das gesamte Werk gelesen.

Durch den Schreibstil und die geschilderte Handlung war ich sehr schnell ein stiller Teilhaber des Geschehens. Alle Stimmungen, die massiv zwischen den geschriebenen Zeilen mitschwingen, nahm ich in mich auf.

Trotz der offensichtlichen Lage ist vor allem Jessica fortschrittsgläubig, mutig, trostreich, voller Zuversicht und optimistisch. Danny hingegen erscheint lebensnah, wirklichkeitstreu, teilweise nüchtern. Er blickt den Tatsachen ins Auge. Ich als Leserin war hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl der Ohnmacht, Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und Schutzlosigkeit.

Umso bewundernswerter sind Jessica und Danny, die sich Mühe gaben, das Leben so normal es geht fortzusetzen. Sie versuchten jeden Tag glücklich zu verbringen. Und dann den nächsten, und den übernächsten. Die Liebe, die diese beiden Menschen verbindet, ist allgegenwärtig spürbar. Ja, Jessica würde sich immer wieder für Danny entscheiden, sehenden Auges und mit wissendem Verstand. Daran gibt es keinen Zweifel!

Fazit:

Die wahre Geschichte „Dem Horizont so nah“ ist erschütternd, fesselnd, magnetisch. Danny ist mit seiner Art entwaffnend, charmant und attraktiv. Jessicas Verwandlung vom „kleinen“ Teenagermädchen zur abgeklärten, mündigen, lebenserfahrenen jungen Frau ist beeindruckend. Immer wieder stellte ich mir die Frage:“ Woher nimmt sie nur all ihre Kraft?“. Die Antwort dazu ist ganz einfach: durch die Liebe!
Die Thematik und die Handlung des Buches sind in sich schlüssig. Für mich ist „Dem Horizont so nah“ ein absolutes must-have!

Bitte haltet Taschentücher bereit!

Das Buch erhält von mir 5 von 5 möglichen Sternen!

 

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Jessica Koch, der Autorin des Buches, dass sie mir ihr Werk  zur Verfügung gestellt hat. Ich habe ihr Buch „verschlungen“ und mit viel Herzblut rezensiert!

10 comments on “Dem Horizont so nah, von Jessica Koch

  1. Ohaaaa Mia, du verrätst aber auch nichts!!! Was ist da passiert???? Du hast es so super umschrieben, das man dieses Buch unbedingt lesen will!!! Genau so muss eine Rezension sein!!! Dankeschön, auch wenn ich unbedingt wissen will was du passiert ist. Es grüßt und drückt dich deine Sandra

    1. Liebe Sandra, ich grinse! Da musst du dir schon das Buch kaufen, um es zu erfahren. Aber eines sei angemerkt: der Verkaufserlös dient dazu, eine Stiftung zu gründen!

    1. Liebe Nadine, ich kann das Buch mehr als empfehlen! So nah, wie diese wahre Geschichte, ging mir schon lange kein Buch mehr!

      1. Mir auch nicht!!!
        Ich bin jetzt noch total neben der Spur. Wie gerne hätte ich diese außergewöhnlichen Menschen kennengelernt. Wie kann man so positiv, liebevoll und aufmerksam sein, wenn man doch so unendliches Leid erfahren muß? Auf das zweite Buch warte ich mit Herzklopfen.

        1. Mia ich gebe dir so recht, ich bin gerade fertig mit dem Buch und völlig durch den Wind, ich bin in meinen Gedanken immer bei den beiden (drei’n). Diese Kraft, diesen Willen und die starke Liebe, zeigen erst wie wertvoll das Leben ist. Ich ziehe den Hut vor Ihnen.

          Dieses Buch zeigt wie wichtig es ist, sein Leben in vollen Zügen zu genießen und zu leben!

  2. Ich ziehe den Hut vor Danny, der so viel erleiden musste in seinem Leben und wünsche ihm, dass er seinen Frieden gefunden hat und … sollte es so etwas geben … noch einmal die Chance auf ein Leben bekommt, mit Eltern, die ihn lieben und ihm nicht diese unendlichen Qualen erleiden lassen. Unvorstellbar was dieser Junge durchgemacht haben muss und wie er sein Leben in den Griff bekommen hat und so ein guter Mensch geworden war. Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass 2. Buch werde ich nicht lesen. Seine Kindheit war so schlimm, nicht im geringsten kann das überhaupt in einem Buch wieder gegeben werden. Und ich glaube nicht, dass er das wollte. Er wollte doch, dass Jessica mit allem abschließt.

    1. Liebe Jeannette, ich danke dir für deinen Kommentar. Ja, was du sagst ist wohl wahr. Ich war auch erschüttert. Gestern schrieb ich die Rezension zu „Dem Abgrund so nah“, Jessicas 2. Buch. Es liest sich wie eine “ Fallakte „. Was Danny erfahren und erleiden musste kann keiner je wieder gut machen. Aber, die Bücher können dazu beitragen, dass wir alle unsere Augen und Ohren wach halten, um ggf. mutig Hilfe anzubieten.

  3. Das Buch muss man lesen!
    Selten hat mich ein Buch so sehr beschäftigt….schade finde ich,dass es kein Bild zu Danny gibt-ich finde dann hätte man sich noch besser in diese wahre Geschichte eingefunden-man möchte sich einfach ein Bild machen über diesen ungewöhnlichen Menschen!

    1. Liebe Sandra, ich war nach dem Lesen auch völlig geschafft. Was für ein Schicksal. Ich könnte heute noch in Tränen ausbrechen, wenn ich an diese Geschichte denke.

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