Bester Freund!

Vor wenigen Wochen ist unser 17jähriger Kater Max gestorben. Diese Geschichte gehört nur ihm!

Sein Leben begann anstrengend. Geboren wurde er im Tierheim, weil seine hochschwangere Mama dort kurz vor der Geburt abgegeben wurde. Mit 13 Wochen kam er zu einer Frau, die wohl nur etwas Lebendiges um sich herum haben wollte, wenn sie dann mal zuhause war. Die meiste Zeit war Max aber auf sich selbst gestellt. Tagelang war der kleine Kater alleine in der Wohnung. Keiner, der ihn fütterte, streichelte oder ihm die Katzentoilette säuberte. Zum Glück wurden Nachbarn der Frau auf diesen Missstand aufmerksam. Max wurde nach einem halben Jahr der Isolation vom Tierschutz befreit und kam zurück ins Tierheim.

Vom Menschen tief enttäuscht, zog er sich zurück. Nur sein damals vier Monate alter Freund Patrick, der sich mit ihm den Käfig teilte, weckte Leben in ihm. Die beiden waren unzertrennlich. Sobald jedoch einer der Pfleger in den Käfig trat, kroch Max in eine der vorhandenen Höhlen. So ging es ganze fünf Monate lang. Niemand wollte diese beiden Kater haben. Max nicht, weil er menschenscheu war, Patrick nicht, weil er nach einem Autounfall das linke Auge zertrümmert hatte.

Doch dann schickte eine höhere Macht  MICH  ins Tierheim. Meine 15jährige lange Begleiterin Brenda war gestorben, und ich hielt die Leere und Stille in meiner Wohnung nur zwei Wochen lang aus. Meine Schmusekatze hinterließ dort eine große Lücke. Also beschloss ich, einer neuen Freundin , oder einem neuen Freund, ein Leben bei mir zu schenken.

Im Tierheim angekommen kam ich nicht weiter als bis zum ersten Käfig. Dort tobte Patrick herum und machte so auf sich aufmerksam. Sofort entzückt von diesem niedlichen Kerlchen, blieb ich stehen. Sein kaputtes Auge fiel mir gar nicht auf. Max, der natürlich wieder in seine Höhle gekrochen war, fixierte mich mit seinen wahnsinnig schönen türkisfarbenen Augen. Diese beiden Kater zogen mich in ihren Bann. Ich ließ mir den Käfig öffnen, um mit den Tieren in Kontakt zu treten.

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Patrick kam sofort und spielte mit mir. Es war, als ob er und ich uns schon lange kannten. Ganz vertraut schmuste er mit mir. Die ganze Zeit wurde ich von Max beobachtet. Plötzlich kam er aus seiner Höhle auf mich zu. Ich blieb still sitzen, gespannt, was passieren würde.

Der sonst so scheue Kater blieb vor mir stehen. Starrte mich an. Wie ich als erfahrene Katzenmutter wusste, durfte  ich nicht  zurück starren. Also zwinkerte ich ihm kurz zu und drehte meinen Kopf zur Seite, um ihm zu sagen, dass ich eine Freundin bin, die nichts Böses von ihm wollte. Dieses wiederholte ich ein paar Mal.

Mit einem Mal kletterte Max auf meinen Schoß, stellte seine Vorderpfoten auf meine linke Schulter und knabberte mir sanft an meinem Ohrläppchen. Die Pflegerin vor dem Käfig begann zu schluchzten, so sehr war sie von dieser Szene gerührt. Natürlich ich auch! Und schwupp die wupp, zogen Patrick und Max eine Woche später bei mir ein. Hui, da kam Leben in meine „Bude“.

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15 Jahre lang waren Max und Patrick beste Freunde. Sie erkundeten gemeinsam ihre Welt. Nachdem sie zwei Jahre lang bei mir in einer Wohnung lebten, zogen wir um. Ich war mittlerweile mit Philipp  verheiratet und unser erster Sohn seit einem halben Jahr auf der Welt. Philipp und mir stand der Sinn nach einem Haus im Grünen. Somit zogen wir an die Elbe. Wunderschön!

Dort lernten Max und Patrick das aufregende Leben als Draußen-Kater kennen. Zum ersten Mal spürte Max Gras unter seinen Pfoten. Er fühlte den Wind und den Regen. Patrick lehrte ihm, wie man sich als Kater zu verhalten hatte, schließlich ist er als freilebender kleiner Kater mit 4 Monaten auf seiner Wanderschaft vor ein Auto gelaufen. Patrick wusste, worauf es ankam.

Gemeinsam verschafften sich die beiden bei den Nachbarskatzen Respekt. Max war ein mutiger und exzellenter Kämpfer. Da Patrick mit einem Auge  sich nicht so gut  verteidigen konnte, war Max stets in seiner Nähe, um gegebenenfalls zu Hilfe eilen zu können.

Die beiden Kater lebten bei uns wie im Schlaraffenland. Max liebte Sheba über alles. Somit bekam er genau das. Tag für  Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Die Kater wurden älter und älter. Sie  überlebten Wespenstiche, Angriffe von Mardern, Fußtritte böser Menschen und  zu schnell fahrende Autos. Ihre Schutzengel behüteten sie.

Unsere beiden Kinder wuchsen mit zwei wundervollen Wesen auf. Patrick liebte unsere Jungs über alles. Das Katerrudel vergrößerte sich. Als Max 7 Jahre und Patrick 5 ½ Jahre alt war, kam Lionel zu uns.  Viele Jahre später, Patrick war da bereits 14 Jahre alt und Max  15 ½ fand auch Willi seinen Weg zu uns.  Es gab nie ernsthaften Streit unter ihnen. Max war die ganz Zeit der Chef.

Dann, kurz vor Weihnachten 2015 starb Patrick. Er war seit seinem 6. Lebensjahr Diabetiker, und wir mussten uns vom Tierarzt sagen lassen, dass er vermutlich nicht älter als 12 Jahre alt würde Pustekuchen. Patrick liebte das Leben!  Doch dann, an diesem Tag im Dezember, war sein Erdenleben gelebt. Er stieg in den Sternenwagen ein, und der große Engel brachte ihn zurück auf die Himmelswiese.

An diesem Tag starb auch ein Teil von Max. Wochen lang, nein Monate lang, rief er jede Nacht nach seinem Freund Patrick. Wir versuchten alles, um ihm über den Verlust hinweg zu helfen, aber es war nicht möglich. Max zog sich in den Keller zurück. Er wollte alleine sein. Dann wurde er krank. Diagnose: Nierenleiden. Wir stellten sofort seine Ernährung um. Philipp verlegte sein Büro in den Keller, so dass Max nicht den ganzen Tag unten alleine war. Auch die Kinder und ich besuchten unseren alten Kater mehrfach am Tag. Im Sommer 2016 schien Max den Tod von Patrick schließlich akzeptiert zu haben. Er kam aus dem Keller zurück ins Licht. Er genoss die warme Sommersonne, er ging wieder kleine Runden durch den Garten.

Doch dann fiel uns auf, dass er trotz regelmäßigem Futter mehr und mehr abnahm. Der Tierarzt nahm eine Zahn-OP vor, die Max sehr gut überstanden hat. Aber es veränderte sich nichts. Als ob Max wusste, dass seine Zeit der Reise in den Himmel bald käme, suchte er noch einmal intensiv unsere Nähe. Er schlief bei meinem Mann auf dem Schreibtisch, wenn Philipp am Computer saß. Er lag jede Nacht bei mir im Bett auf meinen Beinen. Er schief tagsüber in der Küche, weil dort jeder von uns regelmäßig rein kam, um ihn zu streicheln. Er war wach und um uns herum. Die Zeit, die er noch hatte, wollte er mit uns zusammen sein.

Vor wenigen Wochen war es dann soweit. Der Tag des Abschiedes war gekommen. Er rief nachts wieder Patrick. Ich wurde davon wach und wunderte mich. Vielleicht gab er seinem besten Freund Bescheid, dass er bald da sein würde. Max fraß am andern Morgen mit Hunger sein Frühstück.  Nichts deutete darauf hin, auf das was folgte. Max legte sich wie üblich zum Schlafen hin, wie immer nach dem Fressen. Und dann…. Ja dann schlief er ein. Für immer!

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Lebe wohl, mein bester Freund! Lebe wohl, unser bester Freund! Wir danken dir für all die schönen Momente mit dir! Wir werden dich niemals vergessen!

Nun bist du oben, bei Patrick, deinem besten Freund! Habt eine tolle Zeit ihr zwei. Wir werden uns wiedersehen! Irgendwann – versprochen!

 

 

 

10 comments on “Bester Freund!

  1. Oh, wie lieb, dicht, zärtlich, warm, tierisch und so wundervoll. Und traurig aber voller Dankbarkeit … meiner ist auch 17. Und ich weiß, dass mir das irgendwann auch bevor steht. Danke für diesen Post, vielen vielen Dank!

    LG
    Petra

    1. Ich habe dir zu danken für deine schönen Worte! Über Max zu schreiben tut einerseits sehr weh, weil er uns unendlich fehlt. Andererseits ist es eine Liebeserklärung an ihn, den wundervollen Freund! Abschied nehmen ist nie leicht.

  2. Liebe Mia,

    ich kann sehr gut nachempfinden wie du dich fühlst. Tut mir auch total leid das Euer Kater gestorben ist.

    Unser „Carter“ ist ja auch Anfang November gestorben, er war 19 Jahre alt, was für ein Kater schon sehr alt ist, aber ich vermisse ihn jeden Tag.

    Ich wünsche dir alles Gute.

    Liebe Grüße
    Martina

    1. Liebe Martina, vielen Dank! Ich kann mich an deinen schmerzerfüllten Post bei Facebook erinnern. Wir wissen ja, dass der Tag X einmal kommen wird, aber wenn es dann soweit ist, ist man untröstlich. Zum Glück ist Max ganz sanft eingeschlafen. LG, Mia

  3. Liebe Mia,

    schöne Hommage an Maxim…war ein süßer Kater….momentan freut sich wahrscheinlich nur Paddy über ein Wiedersehen auf der Himmelswiese…..wir mussten auch schon so viele über die Regenbogenbrücke ziehen lassen….so ist leider der Weg allen Lebens…
    LG
    Vera

    1. Danke, liebe Vera! Ja, er war ein wundervolles Geschenk! Durch ihn wurde mir auch wieder bewusst, wie kostbar das Leben ist, denn man weiß nie, wann die Kutsche für einen selbst bereit steht. Hab eine schöne Weihnachtszeit. LG

    1. Oh ja, liebe Marie, es schmerzt heute noch. Ich habe ein Foto von ihm auf meinem Schreibtisch stehen. So sehe ich ihn jeden Tag wieder. Er fehlt mir sehr.

  4. Eine wunderbare Liebeserklärung, an zwei großartige Wesen! Wenn man sich für ein Tier entscheidet, dann mit Leib und Seele. ..von ganzem Herzen. Deine Geschichte ist so wunderbar und auch so traurig zugleich. Habe mich beim lesen, so hinein versetzen können, als ob ich die beiden so nah kannte. Ich liebe Tiere und es ging mir so nah, dass ich selber weinen musste Etwas fürs Herz eben ❤❤❤

    1. Ganz herzlichen Dank, meine Gisela! Ja, deine Worte treffen absolut zu. Entweder ganz oder gar nicht. Schade, dass Tiere bei uns in Deutschland immer noch als Sache betrachtet werden. Schön, dass dir meine Kolumne gefällt.

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