Autoreninterview mit Paul Grote

Nachdem ich zwei seiner sehr gut geschriebenen Weinkrimis gelesen und rezensiert habe, freue ich mich außerordentlich, mit Herrn Grote dieses Interview führen zu können! Hier sind meine Fragen:

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  1. Sie sind hauptberuflich Journalist gewesen, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Bücher zu schreiben?

Journalistisch arbeite ich seit 15 Jahren nicht mehr, aber in gewisser Weise doch, da die Recherche für meine Romane von entscheidender Bedeutung ist. Bereits 1992 schrieb ich mein erstes Buch über meine Erfahrungen als Journalist in Amazonien. Daher kannte ich die Technik der langen Texte und hatte mit dem Wein ein viele Lebensbereiche umfassendes Thema gefunden.

  1. Wie lange hat es gedauert, bis von der Idee an das erste fertige Werk im Buchhandel zu kaufen war?

Anderthalb Jahre

  1. Sie haben schon eine große Anzahl Weinkrimis geschrieben. Gab es in den Entstehungsphasen Blockaden? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Es sind bislang 13 Wein-Romane. Blockaden gibt es immer, es gibt aber auch Wege, die Blockaden zu umgehen (zu umschreiben) und sich auf mehreren Wegen an das Thema wieder heran zu schreiben. Man kommt mit dem Rad, zu Fuß, mit dem Pferd oder der Bahn oder dem Auto nach München, irgendwie schafft man das immer. Man kann auch seine Freunde fragen, ob sie einem helfen.

  1. Warum das Genre „Krimi“, speziell Weinkrimi?

Der Kriminalroman ist der Gesellschaftsroman der Gegenwart. Die Regierung, Siemens, Fifa, Beckenbauer, Volkswagen, Goldmann Sachs, Profalla, Panama, Airbus, Zuma – das sind Namen der Korruption und des Verbrechens, nicht zuletzt italienische Winzer (die anderen lassen sich nicht so oft erwischen). Ich lebte 15 Jahre als Journalist in der Schule des Verbrechens (Brasilien), kenne die Wirtschaft von innen und den Weinbau und seine Methoden und Tricks. Ich selbst habe es ausprobiert und Leute geschmiert (beim ersten Mal mit Schweiß auf der Stirn) …

  1. Was inspirierte Sie, Henry Meyenbecker ins „Leben“ zu rufen?

Ich brauchte, um Sachverhalte der Spanischen Geschichte (Franquismus) deutlich zu machen, einen neugierigen und erfahrenen Mann mit hispanischem Hintergrund. Journalisten kenne ich viele; u.a. inspirierte mich der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift ALLES ÜBER WEIN.

  1. Sind in Ihren Geschichten persönliche Erlebnisse als Journalist integriert?

Selbstverständlich. Alle Personen eines Romans tragen Züge der Autoren. Man kennt seine sympathischen und die unsympathischen Eigenschaften. Dabei schöpft man aus vergangenem und der Gegenwart und gleichermaßen aus dem, was man recherchiert.. Die Leitlinien sind immer die eigenen Erfahrungen, die Einstellung zum Leben (und zum Tod).

  1. Gibt es einen Lieblingsprotagonisten?

Nein. Ich suche mir immer das Personal, das die Geschichte tragen kann und seine Aufgabe erfüllt oder scheitert.

  1. Bislang blieben Sie mit Ihren Romanen in Europa, werden wir Henry auch noch in anderen Weinanbaugebieten dieser Erde erleben?

Es ist unsinnig, mit dem schlechtesten aller Treibstoffe Schiffe zu befeuern und Dreck zu machen, um Billigweine über die Meere aus den USA, Australien und Südafrika zu importieren. Gleichzeitig ist Europas Weinwelt unschlagbar vielseitig.

  1. Wann finden Sie die Zeit, Ihre Romane zu schreiben?

Das Schreiben von Romanen ist mein Beruf. Ich beginne morgens um sechs Uhr und schreibe fünf Stunden, wenn ich um 14 Uhr beginne, schreibe ich auch fünf Stunden oder Seiten, nachts entsprechend weniger. Das Jahr ist eingeteilt in Vorbereitung, Recherche, in Planung und in die Textphase, dann folgen zwei Monate Korrektur.

  1. Schreiben Sie an einem Lieblingsort, wenn ja, wo?

Mein Lieblingsort ist mein Schreibtisch in meinem Büro zuhause, mit Archiv, Blick über den Balkon auf den Garten, in die Bäume, auf Eichhörnchen und mit dem Hund an meiner Seite. (Mein Gott, wie idyllisch). Der zweitliebste Ort ist die Eisenbahn, allein im 6er Abteil der 1. Klasse …

  1. Gibt es Rituale während des Schreibens (zum Beispiel eine bestimmte Musik hören), damit Sie auf gute Ideen kommen?

Schwarzen Tee, Tee (manchmal Schokolade) und das Kochen. Alles andere wäre illegal …

  1. Arbeiten Sie im Moment an einem neuen Buch? Wenn ja, verraten Sie uns schon ein wenig daraus?

Am falschen Ufer der Rhône“ heißt der neue Roman – aus drei Perspektiven: mit Martin Bongers (Tod in Bordeaux, Wein des KGB), mit seiner inzwischen 13 Jahre älter gewordenen Patentochter Simone und Thomas Achenbach (Der Champagner-Fonds, Ein Riesling zum Abschied.) Alle drei sind Weinexperten. Es geht um krankhaften Ehrgeiz, um Verrat, um (unterschiedliche, nicht feindliche) Brüder und um die wunderbaren Weine der südlichen Rhône.

 

Herzlichen Dank, Herr Grote, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir meine Fragen zu beantworten! Ich wünsche Ihnen weiterhin Ideenreichtum und Erfolg mit Ihren Büchern!

 

 

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