Autoreninterview mit Frank Goldammer

Am 21.10.2016 traf ich Herrn Goldammer auf der Frankfurter Buchmesse zum Interview. Ich begegnete einem sehr sympathischen und aufgeschlossenen Autor, der mit Freude meine Fragen beantwortete:

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  1. Sie sind hauptberuflich Maler- und Lackierermeister, wie sind Sie auf die Idee gekommen Bücher zu schreiben?

Antwort:

Früher habe ich eigentlich nur Bilder gemalt und gar nicht geschrieben. Mein großes Vorbild war Salvador Dali. Hätte ich mehr Mut gehabt, hätte ich diese Richtung eingeschlagen. Ich habe dann eine Ausbildung zum Maler und Lackierer gemacht und arbeite seitdem in diesem Beruf. Gelesen habe ich allerdings schon immer sehr viel. Mein spezielles Genre ist Mystery. Ich liebe es, mich in diese Welt einzulassen, wobei ich hingegen absoluter Realist bin. Vor sieben oder acht Jahren schrieb ich dann mein erstes Manuskript. Dabei entdeckte ich meine Freude am Schreiben.

  1. Wie lange hat es gedauert, bis von der Idee an, Ihr erstes fertiges Werk zu kaufen war?

Antwort:

Bis ich überhaupt ein Manuskript abgab vergingen bestimmt sechs bis sieben Jahre. In dieser Zeit habe ich einfach nur geschrieben. Ich schrieb Kriminalromane. Drei davon wurden 2012, 2013 und 2015 über den Gmeiner Verlag veröffentlicht. 2014 veröffentlichte der Edita Verlag einen Mysterythriller und über den Dresdner Buchverlag veröffentlichte ich zwei Endzeitthriller. Außerdem schrieb ich Satire, ein Sachbuch und Beiträge in Anthologien. Ich kann von mir behaupten, dass ich so etwas wie eine Art „Schreibmaschine“ in meinem Kopf habe. Dort oben ist alles voller Ideen. Bücher über Bücher produziere ich dort. Und das Tolle ist, ich kann problemlos hin und her springen. Wenn ich mich dann einer Idee widme, tauche ich voll und ganz in das Projekt ab. Dann schreibe ich ca. drei bis vier Monate am Manuskript. Die Bearbeitung durch den Verlag dauert anschließend natürlich länger. Bis zur Veröffentlichung vergingen meistens ca. 9 Monate. 

  1. Sie schrieben Ihre ersten drei Regionalkrimis im Eigenverlag. Warum?

Antwort:

Ich hatte meine Manuskripte Verlagen und auch Literaturagenturen angeboten, aber irgendwie wollte keiner so recht. Da habe ich dann meine eigenen ersten Erfahrungen gesammelt. Fast wäre ich auf einen Druckkostenvorschussverlag reingefallen. Die Veröffentlichung meines Mysteryhrillers kostete mich beispielsweise mehrere tausend Euro.

  1. Gab es in den Entstehungsphasen Ihrer Bücher Blockaden? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Antwort:

Ich bin jemand, der keine Blockaden kennt. Denn meine Meinung ist, wenn man wirklich ein Werk schreiben will, dann kann man es auch. Und sollte mir mal nicht wirklich etwas einfallen wollen, dann schreibe ich einfach weiter. Meistens kommt dabei dann ein gutes Ergebnis dabei heraus.

  1. Warum das Genre „Krimi“

Antwort:

In dieses Genre bin ich irgendwie so rein gerutscht, wenn ich das so sagen kann. Eigentlich schreibe ich alles. Mir fällt zu jedem Genre etwas ein, wenn ich meine Gedanken darauf konzentriere.

  1. Was inspirierte Sie, Ihr Buch „Der Angstmann“ im zweiten Weltkrieg spielen zu lassen?

Antwort:

Ein ganz wesentlicher Faktor war mein Großonkel, der mir seine Kriegsgeschichten erzählte. Als ich mir darüber Gedanken machte und recherchierte fiel mir auf, dass es viele Bücher über die Kriegsjahre und die Nachkriegszeit im Westen gibt, aber nicht über den Osten. Diese besondere Geschichte wollte ich dann in meinem Krimi integrieren. Natürlich ist es mir auch wichtig, dass sich mein Buch von der üblichen Masse aller Krimis abhebt. Denn in jedem Buch gibt es mindestens einen Toten,  und die Polizei sucht nach dem Mörder. 

  1. Sind in Ihrer Geschichte persönliche Erlebnisse integriert?

Antwort:

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass jeder Autor in seinen Werken persönliche Erlebnisse mit einfließen lässt, denn so ist das Leben. Man hört etwas, sieht etwas und das beeinflusst beim Schreiben. So sind mir zum Beispiel die Verhaltensweisen des einen oder anderen Protagonisten im Buch eingefallen. Nur durch meine eigenen Erfahrungen wurden meine Charaktere speziell.

  1. Wer ist Ihr Lieblingsprotagonist?

Antwort:

Ich gebe zu, der russische Kommandant liegt mir persönlich sehr am Herzen. Deshalb bekommt er im Folgeroman auch wieder eine besondere Rolle. Ja, und Karin, die Ehefrau von Max Heller.

  1. Leben Sie vom Bücher schreiben?

Antwort:

Nein, noch nicht. Ich arbeite nach wie vor als Maler und Lackierer. Aber natürlich ginge ein großer Traum in Erfüllung, wenn ich eines Tages vom Schreiben leben könnte.

  1. Wann finden Sie Zeit, Ihre Romane zu schreiben?

Antwort:

Ich schreibe immer abends. Ganz konsequent. Ab ca. halb neun Uhr bis in die Nacht hinein. Kommt darauf an, wie gut es läuft. Meine selbst auferlegte Pflicht ist aber, mindestens zwei DINA 4 Seiten zu schreiben.

  1. Gibt es einen Lieblingsort, am dem Sie schreiben?

Antwort:

Ja, das ist mein Kämmerchen. Ein 3,50 m x 1,40 m großer Raum bei mir zuhause. Dort steht mein Schreibtisch, da fühle ich mich wohl. 

  1. Gibt es bestimmte Rituale, zum Beispiel Räucherstäbchen anzünden, damit Sie auf gute Ideen kommen?

Antwort:

Bevor ich schreibe spiele ich für ca. dreißig Minuten „Minesweeper“. Das ist ein Computerspiel bei dem der Spieler herausfinden muss, hinter welchen Feldern Minen versteckt sind. Als zusätzliche Herausforderung läuft eine Stoppuhr. Das Ziel ist, möglichst schnell alle Felder aufzudecken, hinter welchen keine Minen verborgen sind. Damit stimme ich mich nach meinen Arbeitstagen aufs Schreiben ein. Dann, nach maximal einer halben Stunde, geht es los.

  1. Wie geht eigentlich Ihre Familie mit Ihrem wachsenden Bekanntheitsgrad als Autor um?

Antwort:

Mein großer Sohn äußert sich nicht viel dazu. Außer einem anerkennenden „Cool“ kam noch nicht viel zurück. Meine Zwillinge sind mit 8 Jahren noch zu klein dafür. Als ihre Lehrerin in der Schule allerdings von einem Zeitungsartikel berichtete, in dem es um mich ging,  waren sie stolz. Meine Eltern hingegen verstehen gar nicht so recht, was es zu bedeuten hat, nach so kurzer Zeit bereits auf Rang 16 der Bestsellerliste zu stehen.  Als ich davon begeistert zuhause berichtete, war die Antwort meiner Mutter: “Aha“, mehr nicht.  

  1. Abschlussfrage: Sie arbeiten an Ihrem neuen Max Heller Fall, der im Herbst 2017 erscheinen wird. Verraten Sie schon ein wenig daraus?

Antwort:

Sehr gerne. Es geschieht ein Mord unter den russischen Besatzern. Der Kommandant hat eine spezielle Rolle. Max Heller natürlich auch. Zeitgeschichtlich habe ich die direkte Nachkriegszeit im Osten, speziell in Dresden,  berücksichtigt. Und halten Sie die Taschentücher bereit.  Am Ende wird  es rührselig.  

 

Vielen Dank, Herr Goldammer, für dieses Interview! Weiterhin viel Erfolg!  Ich hoffe, wir sehen uns in Leipzig zur Buchmesse 2017 wieder!

Die Rezension zum Buch „Der Angstmann“ ist ebenfalls bei mir hier auf dem Blog unter dem Reiter „Rezensionen“ vorhanden. Ich freue mich auf Ihren/euren Besuch.  

 

 

 

 

 

 

 

2 comments on “Autoreninterview mit Frank Goldammer

  1. Hallo Mia,

    ein wenig traurig bin ich schon, dass ich nur Zeit hatte an Frankfurt vorbei zu fahren und nicht anhalten konnte. Es ist unheimlich spannend die Geschichten der Autoren zu hören. Und wer haette es gedacht, dass ein Maler Bücher schreibt?!
    Ich bin begeistert vom Interview!

    Liebe Grüße,
    Alex.

    1. Liebe Alex, vielleicht klappt es ja 2017 bei dir mit der Messe. Und ja, Herr Goldammer ist super! Ich bin froh, ihn kennengelernt zu haben. Danke für deinen Kommentar!

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