Autoreninterview mit Christa von Bernuth im August 2016

Ich freue mich sehr, eine weitere Autorin von dtv Premium vorstellen zu dürfen.

Dieses Interview fand über E-Mail Korrespondenz statt, da Frau von Bernuth eine sehr engagierte und viel beschäftigte Frau ist.

Wir hätten schwer zueinander gefunden, da die Zeiten, die mir für ein persönliches Interview zur Verfügung standen,  mit ihren“ kollidierten“. Ich schätze die moderne Technik aufs Neue sehr, denn auf dem gewählten Wege war die Umsetzung des Interviews problemlos möglich.

Bevor ich zu meinen Fragen komme,  zuerst ein paar Informationen über die Autorin selbst:

Christa Brenuth 1961 in München geboren, arbeitete nach dem Studium und einem Abschluss an der  Deutschen Journalistenschule in München viele Jahre als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen und Magazine. Ihre Kriminalromane wurden in mehrere Sprachen übersetzt und teilweise verfilmt. 2014 erschien der erfolgreiche erste Band mit dem ungewöhnlichen Protagonisten Lukas Salfeld („Das Falsche in mir“ dtv 24992). Christa Bernuth lebt mit ihrem Mann in München.

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Meine Fragen:

  1. Sind in Ihren Geschichten persönliche Erlebnisse integriert?

Ja, besonders in  ”Die Nacht in dir”, ich bin nämlich selbst in einem Internat zur Schule gegangen. Die Atmosphäre ist einzigartig. Gefährlich und faszinierend. Es gibt keine potenziellen Freunde, außer deinen Mitschülern – Pech, wenn du dich mit ihnen nicht verstehst. Andererseits war ich da sehr glücklich, und ich habe immer noch sehr gute Freunde aus dieser Zeit. Es ist wunderbar, sich immer wieder zu begegnen, Tag für Tag, das vertieft Freundschaften. Und es kann auch zur extremen Belastung werden, einander nicht ausweichen zu können, etwa weil eine Liebe endet – zwischen diesen beiden Polen oszilliert das Leben in so einem abgeschlossenen Kosmos. Es ist komisch, aber irgendwann wird einem die Welt draußen egal. Ich habe nie so wenig ferngesehen oder Zeitung gelesen wie in diesen vier Jahren bis zum Abitur. Es hat mich schlicht nicht mehr interessiert; meine Gedanken und Gefühle waren vollkommen absorbiert von den Ereignissen in meiner ”Filterbubble”.

Das gefährliche an dieser Entwicklung ist, dass so vieles zur Selbstverständlichkeit wird. Man hinterfragt einfach nichts mehr. Wir hatten zum Beispiel einen Lehrer, der sich mit mehreren Schülerinnen eingelassen hat. Die Beziehungen waren monogam, sie dauerten meist bis kurz nach dem Abitur, die Mädchen waren über 16, und verliebt in ihn, es passierte sicher nichts, was sie nicht wollten, aber natürlich war das angesichts seiner Position trotzdem verboten. Alle wussten das, alle tuschelten darüber, aber niemand nahm es so richtig zur Kenntnis: dass derartige Verbindungen angesichts der ungleichen Machtverhältnisse durchaus schädliche Auswirkungen haben können.   

2.Sie waren nach Ihrem Studium Autorin für verschiedene Frauenzeitschriften. Wie kamen Sie auf die Idee, Bücher zu schreiben?

 Ich hatte eine sehr gute Geschichte, die mir eine Kollegin erzählte. Diese wahre Geschichte war die Basis für den ersten Roman   ”Die Frau, die ihr Gewissen verlor”. Danach war der Bann gebrochen. Mir fallen ständig neue Plots ein. Am liebsten hätte ich eine Schreibfabrik – lauter tolle Autoren, die meine Ideen umsetzen.

3. Ihr Debüt war 1999 mit „Die Frau, die ihr Gewissen verlor“. Wie lange dauerte es damals, bis das Buch von Ihrer Idee an letztendlich im Buchhandel zu kaufen war?

Etwa anderthalb Jahre.

4.Wie lange schreiben Sie heute an einem Buch?

Etwa ein Jahr.

5. Zwischen den Veröffentlichungen Ihrer Bücher liegen stets ca. 2 Jahre. Was ist der Grund dafür?

Ich habe einen Vollzeitjob als Textchefin/Ressortleiterin/Autorin bei ELLE. Da geht es einfach nicht schneller ;-).

6. Wie kamen Sie auf das Genre „Krimi“?

Ich mag spannende Lektüre, und ich glaube an die Kraft des Bösen. Mich faszinieren düstere, abgründige Charaktere so wie Lukas Salfeld/Larache in ”Das Falsche in mir” und ”Die Nacht in dir”. An ihm gefällt mir, dass er gut sein will, aber bis zu einem gewissen Grad Opfer seiner Veranlagung ist.  

7. Wurden Sie bei der Verfilmung der Mona-Seiler Bücher (”Die Stimmen”, ”Untreu”, ”Damals warst du still”) mit einbezogen?

Ja, ich bekam die Drehbücher zu lesen und hatte ein sehr gutes Verhältnis zum Sender RTL und zu dem Regisseur Rainer Matsutani. Es ist sowieso ganz toll, wenn Figuren, die man sich ausgedacht hat, im Sinn des Wortes lebendig werden! Übrigens ist jetzt auch  ”Innere Sicherheit” verfilmt worden, diesmal fürs ZDF. Sendetermin ist voraussichtlich im nächsten Jahr. Hannah Herzsprung spielt die Hauptrolle, darauf bin ich natürlich besonders stolz ;-).

8. Wie gehen Sie mit Schreibblockaden um?

 Weiterschreiben. Irgendwann kommt dann schon wieder eine Idee. Ich bin da immer ganz zuversichtlich.

 

Sehr geehrte Frau von Bernuth, ich bedanke mich auf diesem Wege noch einnmal bei Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine Fragen zu beantworten. Es ist mir eine Ehre, Sie auf meinem Blog vorstellen zu dürfen.

Ein weiterer Dank geht an Frau Habersaat von dtv Premium, die mir das Interview ermöglicht hat.

 

 

 

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