Autoreninterview mit Benjamin Cors am 31.05.2016

Seit Ende April bin ich bei dtv Premium in der Kundenkartei.  Das bedeutet, dass ich vom Verlag zum einen Bücher lese und  rezensiere, zum anderen darf ich Autoreninterviews führen. Mein Debüt hatte ich vergangenen Dienstag mit Herrn Cors.

Damit ich nicht in Stocken oder gar Stottern gerate, habe ich mir meine Fragen notiert. Pünktlich um 20.15 Uhr „trafen“ wir uns via FaceTime (der modernen Technik sei Dank) zu unserem Gespräch. Jeder bei sich im Wohnzimmer sitzend, führten wir eine sehr nette, entspannte, fröhliche und angeregte Unterhaltung.

Kurze Information zum Autor:

Benjamin Cors ist politischer Fernsehjournalist und hat viele Jahre für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtet. Heute arbeitet er als landespolitischer Korrespondent für den SWR. Er ist Deutsch-Franzose und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht.

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Und nun meine Fragen:

Sie sind hauptberuflich Journalist bzw. Korrespondent, wie sind Sie auf die Idee gekommen, nun Bücher zu schreiben?

Antwort:

Ich hatte schon immer Spaß am Schreiben. Auch mein Beruf bringt es mit sich, Texte zusammenzufassen. Eines Tages, vor etwas mehr als 3 Jahren, hatte ich dann die Idee, es einfach einmal mit einem Buch zu versuchen. Gesagt, getan. Ich besorgte mir einschlägige Literatur, wie eine Leseprobe und ein Exposé zu schreiben sind, und legte los.

Wie lange hat es gedauert, bis von der Idee an das fertige Werk im Buchhandel zu kaufen war?

Antwort:

Vor über drei Jahren schrieb ich meine Leseprobe, die 54 Seiten umfasste. Dann lag erst einmal alles fast 1 Jahr in der Schublade. Letztendlich raffte ich mich doch auf. Schrieb ein Exposé und schickte alles ab.  Dann hörte ich 3 oder fast 4 Monate lang gar nichts. Mir kam schon der Gedanke, dass das Buchschreiben wohl doch nicht so eine gute Idee war. Es sollte ein Krimi werden. Aber der Markt ist mit Frankreich-Krimis relativ gesättigt. Ich hatte beim Abschicken keine große Erwartung, aber wenigstens eine Absage hätte ich schon gerne gehabt. Aber dann kam alles anders. Eine sehr nette Lektorin vom dtv Verlag meldete sich. Es bestünde Interesse. Ich solle mein Buch „Strandgut“ fertig schreiben, dann würde man weiter sehen. Wow, ein Erfolg! Kurz darauf bekundete auch der Verlag Bastei Lübbe, dass mein Buch deren Aufmerksamkeit geweckt habe. Plötzlich hatte ich nach monatelangem Warten zwei Verlage zur Auswahl.  Ich entschied mich für den dtv Verlag. „Strandgut“ habe ich in ca. 9 Monaten fertig geschrieben, danach folgte das Lektorat, die Änderungen etc. Summa Summarum könnte man sagen, die Fertigstellung hat etwas über ein  Jahr gedauert. Ebenso war es bei meinem 2 Buch „Küstenstrich“.

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Gab es in den Entstehungsphasen Blockaden? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Antwort:

Natürlich gibt es Phasen, in denen es stockt und schwer wird. Da mangelt es mir kurzfristig an einer bestimmten Idee, oder ich weiß nicht, wie ich etwas schildern oder ausdrücken soll, obwohl ich ganz genau weiß, was ich schreiben möchte. Dann gehe ich viel spazieren und höre dabei Musik. Schreiben ist ein einsamer Job. Ich spreche mit niemandem darüber. Entwickle und schreibe alles selbst. Das Spazieren durch die Natur und dazu die Musik helfen mir,  stets weiter schreiben zu können. Auf all meinen Touren habe ich Notizblock und Stift dabei. Jeder Gedankenblitz wird festgehalten.

Warum das Genre „Krimi“

Antwort:

Geplant war es nicht. Dieses Genre hat sich einfach so bei meinen anfänglichen Gedanken ergeben.  Aber damit ich in diesem Genre schreiben kann, habe ich viel gelesen: über den Beruf eines Personenschützers und wie in Frankreich die Polizei arbeitet etc.  

Was inspirierte Sie, einen Personenschützer als Hauptfigur Ihrer Bücher zu wählen?

Antwort:

Auch das hat sich während den Überlegungen bezüglich der Handlung so ergeben. Ich wollte aus der Masse der Frankreich-Krimis heraus stechen. Recherchen ergaben, dass ein Personenschützer eine besondere Hauptfigur wäre. Mein Beruf als Journalist und Korrespondent  ließ mich auch Personenschützer bei der Arbeit erleben. Dieses viele Warten, sich im Hintergrund halten, aber dennoch bereit sein, jederzeit sekundenschnell handeln zu können. Das fand ich reizvoll. Darüber wollte ich schreiben.

Sind in Ihren Geschichten persönliche Erlebnisse als Journalist integriert?

 Antwort:

Nein. In meinen Büchern sind weder Familienereignisse oder andere persönlichen Erlebnisse „verpackt“. Aber, Sie haben ein gutes Gespür. Die Entstehung von „Strandgut“ hatte indirekt einen persönlichen Bezug zu mir. Entstanden ist die Geschichte aufgrund eines Chansons, den ich sehr gerne höre.  Vincent Delernt singt über den Ort Deauville. Es geht darin um ein altes Ehepaar, das nahezu am Ende des Lebens steht. Es geht im Lied um die Gleichförmigkeit und die Anpassung im Leben. Da habe ich mir überlegt, WAS passieren könnte, um diesem Paar noch einmal einen „Kick“ ein „Wow-Erlebnis“  zu schenken. Und genau aus diesen Gedanken heraus ist „Strandgut“ entstanden. Das Buch hat 2 Handlungsstränge. Zum einen das alte Paar betreffend, zum anderen die Vorstellung von Nicolas Guerlain.  „Küstenstrich“ ist zeitgleich mit dem Manuskript für „Strandgut“ entstanden. Dass dieses Thema „Flüchtlinge und die besondere Rolle der Flüchtlingsfrauen“ heute so brisant und aktuell ist, ist purer Zufall. Wobei anzumerken ist, dass es das Flüchtlingslager vor England auf französischem Boden bereits seit 15 Jahren gibt.  

Wer ist Ihr Lieblingsprotagonist?

 Antwort:

Das wechselt von Buch zu Buch. In „Strandgut“ ist es Tito. Der alte Mann, der klassische Musik oder Musik überhaupt liebt. Musik ist auch bei mir ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.  Bei „Küstenstrich“ war es Alfons. Der etwas dickliche, gemütliche Polizist. Er bringt Erheiterung in die Handlung. Er gefällt mir. Alfons ist ein ruhiger, sympathischer Typ. In meinem dritten Buch, das aktuell in Arbeit ist, ist es Claire. Die von der Praktikantin nun endlich zur Polizistin wird. Ihr schenke ich in meinem neuen Buch besondere Aufmerksamkeit.

Warum ist Ihr Schreibstil in Ihren beiden Büchern so unterschiedlich?

Antwort:

„Strandgut“ ist mein Debüt. Da habe ich mich ausprobiert. Wie bereits erwähnt, wollte ich meine Überlegungen bezüglich des Ehepaares aus dem Chanson mit der Hauptfigur Nicolas verbinden.  Wichtig ist es mir, dass Stimmungen in diesem Romanen transportiert werden. Zum einen das Melancholische aus dem Chanson, zum anderen gibt es Speed. Besonders zum Ende hin bei „Strandgut“.  „Küstenstrich“ hingegen ist eher so geschrieben, dass das Genre „Krimi“ bedient wird. Leser, die einen Krimi kaufen, haben Erwartungen an den Inhalt. Diese wollte ich bei meinem 2. Buch erfüllen.

Sie haben mit ihrem Debüt „Strandgut“ den Friedrich-Glauser-Preis gewonnen. Hätten Sie das beim Schreiben gedacht?

Antwort:

Nein, auf keinen Fall. Mein Debüt war ein Versuch meinerseits ein Buch zu schreiben und zusammen mit einem Verlag auf den Markt zu bringen. Dass ich dafür einen Preis gewinne, ist phantastisch.  Begründung der Jury war, dass ein Personenschützer sich aus der Masse der Frankreich-Krimis abhebt. Auch der Schreibstil, der gewiss nicht einfach und für die Allgemeinheit der Leser mühsam ist, fand Zuspruch.

Sie arbeiten hauptberuflich beim SWR in Mainz, wann finden Sie Zeit, Ihre Romane zu schreiben?

Antwort:

Die Zeit habe ich nicht, ich nehme sie mir. Aktuell habe ich mich zum Beispiel den gesamten Mai aus der Arbeit beim Sender zurückgezogen.  Ich habe frei genommen, um intensiv an meinem dritten Buch schreiben zu können. Ich sitze dabei gerne in meinem Lieblings Café. An guten Tagen schaffe ich tatsächlich 15 bis 18 Seiten. Und egal wie verschachtelt die Geschichte sein mag, ich schreibe meine Bücher chronologisch Seite für Seite.  Bis zur Abgabe des Manuskripts umfasst die Entstehung knapp ein  ¾  Jahr, bis aus den ersten Stichworten der vorerst fertige Roman geschaffen ist.  Und bevor ich überhaupt zu schreiben beginne, formuliere ich grundsätzlich den letzten Satz, um mir die Richtung zu weisen. DA muss ich am Ende des Romans sein, das ist das Ziel.

Julie ist in beiden Büchern ein tragendes „Element“ der Handlung. Wie sind Sie darauf gekommen, sie zu erschaffen?

 Antwort:

Als ich anfing, gab es diese Frau noch gar nicht. Entstanden ist sie vermutlich wegen der Musik, die mir im ersten Buch wichtig ist. Tito, der so gerne Musik hört, benötigte ein Pendant. So ist Julie in meine Gedanken eingezogen, weil auch sie Musik liebt. Da ich in meinem ersten Buch noch gar nicht wusste, wohin es mit ihr gehen soll, hielt ich ihr Erscheinen sehr bedeckt.  Das ändert sich bei „Küstenstrich“. Da wurde sie für den Leser schon greifbarer. In meinem dritten Buch wird  sie von mir mit in den Vordergrund gehoben. Mal schauen, wie alles enden wird. Und mal von allem abgesehen, ist Julie natürlich ein genialer „Schachzug“, die Leser in Spannung zu halten. Auch das ist beim Schreiben eine grundlegend wichtige Überlegung.

Sind Sie Hundeliebhaber, oder wie ist der „schlaue Hund „ in Ihren Büchern entstanden?

Antwort:

Ich mag Hunde, besitze aber selbst keinen. Der „schlaue Hund“ ist aus einem ganz andern Grund entstanden. Ich stand vor der schwierigen Überlegung, den Marktplatz in Deauville beschreiben zu wollen. Zuerst wollte mir das nicht recht gelingen. Dann kam mir die Idee, es müsste jemanden geben, der den Platz abläuft, sozusagen erschnüffelt. Und so kam ich auf diesen Hund im Roman.

Abschlussfrage: Sie arbeiten an Ihrem dritten Buch. Verraten Sie schon ein wenig daraus?

Antwort:

Sehr gerne! Thema in meinem dritten Buch ist der so genannte D-Day. Im 2. Weltkrieg sind an diesem Tag die Amerikaner in der Normandie gelandet.  Dieses brachte im Krieg eine entscheidende Wende. Der 6. Juni ist seit dem Ende des Krieges ein großer Feiertag in Frankreich.  Um diesen Tag herum habe ich meine Handlung „gestrickt“. Sie dürfen gespannt sein.

Ende

Nach einer knappen Dreiviertelstunde war unser Gespräch zu ende.  Glücklicherweise gab es nur eine kurze technische Panne. Für wenige Sekunden war die WLAN- Verbindung  unterbrochen, aber danach verlief das weitere Interview störungsfrei.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Herrn Benjamin Cors, dass er sich die Zeit für das Interview genommen hat.   

Des Weiteren bedanke ich mich ebenso herzlich bei Frau Habersaat von dtv Premium. Sie haben das Interview möglich gemacht!

 

 

 

 

 

 

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