Autoreninterview Ina Kloppmann

Ich freue mich, euch heute eine weitere Autorin vorstellen zu können! 

  1. Wer ist Ina Kloppmann? Stellen Sie sich bitte den Leserinnen und Lesern in wenigen Sätzen vor.

Ich bin verheiratet, habe einen erwachsenen Sohn und wir leben in einem der interessantesten Stadtteile Hannovers. Zu unserer Familie gehört ein wunderschöner Schäferhund.

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  1. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Bücher zu schreiben?

Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in der wir noch unsere Fantasie ausleben konnten und nicht von der heutigen Technik beeinflusst wurden. Wenn wir im Bett lagen, erzählte uns meine neun Jahre ältere Schwester jeden Abend eine neue Geschichte, die sie sich für uns ausgedacht hatte. Ich habe dann irgendwann ihren Part für meine kleine Schwester übernommen und später angefangen Kurzgeschichten zu schreiben. Nach dem Tod meiner Eltern, hatte ich meine Trauer in einer Biografie verarbeitet. Vor ein paar Jahren bekam ich einen Hannover Krimi geschenkt, seitdem war ich von der Idee fasziniert, selbst einen zu schreiben.

  1. Welches Genre wählen Sie und warum?

Sobald ich lesen konnte, war ich regelmäßig in „unserer“ Stadtteilbibliothek und hatte mir Bücher ausgeliehen, vorwiegend Detektivgeschichten. Mein Held war der „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“ von Astrid Lindgren. Die Romane über seine Abenteuer habe ich förmlich verschlungen und sie damals immer wieder mit meinen Freunden nachgespielt. Das hat mich scheinbar geprägt 😉 Bis heute lese ich am liebsten Krimis und Thriller, aber auch gerne Frauenromane.  Meine Bücher beinhalten beide Genres.

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  1. Stellen Sie uns kurz Ihre beiden Bücher vor?

In meinem Debütroman „Bereue“ geht es um Maren, die Frau eines wohlhabenden Geschäftsmannes, der sie immer wieder mit anderen Frauen betrogen hatte. Als sie von seiner unehelichen Tochter erfährt, beschließt sie ihn zu verlassen, aber nicht ohne ihn vorher finanziell zu ruinieren. Sie beauftragt heimlich Judy und Saskia, zwei befreundete Immobilienmaklerinnen, die Villa, in der Maren mit ihrem untreuen Gatten wohnt, und eine Eigentumswohnung zu verkaufen. Bei einer Hausbesichtigung, die Saskia mit potentiellen Käufern durchführt, gerät sie in eine heikle Situation und Marens Mann erfährt dadurch von ihren Plänen. Parallel zu der Geschichte wird eine Frau brutal überfallen und vergewaltig. Hauptkommissar Werner und Kommissar Lussano, die für diesen Fall zuständig sind, stoßen bei ihren Recherchen auf einen ungeklärten Mord, der zwanzig Jahre zurückliegt.

In meinem zweiten Krimi „Anders“ sind Judy und Saskia auch diesmal in die Geschichte involviert. Neu dazu kommen Saskias Mutter Lea, eine lebenslustige Frau in den besten Jahren und ihr schwuler Schulfreund, der Sozialpädagoge Oliver. Auch die beiden Kommissare aus „Bereue“ ermitteln wieder. Ein neuer Fall, in dem zwei Obdachlose von einer Gruppe Jugendlicher überfallen wurden, die bei der Tat unter Drogeneinfluss gestanden hatten. Einer der beiden Obdachlosen stirbt nach dem Überfall und der andere, der aus Berlin stammende Icke, wird schwer verletzt. Oliver bringt Icke nach seinem Krankenhausaufenthalt in einem betreuten Wohnheim unter und lässt ihn später bei sich zu Hause wohnen. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft der beiden ungleichen Männer, entwickelt sich bald eine herzliche Freundschaft. Die Jugendlichen, die den Überfall begangen hatten, rutschen immer tiefer in die Kriminalität ab…

Beide Kriminalromane sind in sich abgeschlossene Geschichten.

  1. Gab es in der Entstehungsphase Blockaden? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Beim ersten Buch hatte ich einfach drauflos geschrieben, das Ergebnis war fürchterlich. Die Handlung musste ich in eine logische Reihenfolge umwandeln und die Story, wegen eines geänderten Täterprofils, umschreiben. Mein Kopf war voller Ideen, die ich unbedingt zu Papier bringen wollte. Selbst dann, wenn ich bereits im Bett lag, fiel mir etwas ein, was ich sofort notieren musste. Neben meinem Bett liegt übrigens immer ein Notizblock.      

Bei  meinem zweiten Krimi gab es allerdings eine Phase, in der bei mir „die Luft ´raus war“, weil die Geschichte nicht stimmig gewesen war. Nachdem mir klar wurde, woran es lag, ging es wieder flüssig weiter.

  1. Wie lange schreiben Sie an einem Buch?

An dem Manuskript für „Bereue“ habe ich etwa ein Jahr gearbeitet, „Anders“ war nach ungefähr anderthalb Jahren fertig.

  1. Was inspiriert Sie, Ihre Hauptfiguren für Ihre Bücher zu wählen und sind persönliche Erlebnisse in den Büchern integriert?

Beruflich und privat habe ich mit Menschen aus allen Gesellschaftschichten zu tun und viel aus ihrem Leben mitbekommen. Einen Teil davon sowie auch meine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen, integriere ich in meine Romane und vermenge es mit einer großen Portion Fantasie. 

  1. Wer ist Ihr Lieblingsprotagonist?

Definitiv der Obdachlose Icke. Aber auch der schwule Sozialpädagoge Oliver Hoffmann ist mir ans Herz gewachsen. Beides liebenswerte, aber auch starke Charaktere, trotz der Narben auf ihrer Seele. Grundsätzlich identifiziere ich mich mit all meinen Protagonisten, ich glaube, sonst wären die Figuren nicht authentisch.

  1. Wie finden Sie die Thematik für Ihre Bücher?

Ich beobachte gerne die Menschen, ihren Gesichtsausdruck, ihre Körperhaltung  und stelle mir ihr Leben bzw. ihre Lebenssituation vor. Wenn mir Obdachlose begegnet sind, habe ich mich oft gefragt, warum in einem Sozialstaat, mit dem wir Deutschen uns so gerne rühmen, immer noch Menschen auf der Straße leben müssen und welches Schicksal sie in diese Ausweglosigkeit getrieben haben mag. „Scham ist die Schwester der Armut“, habe ich mal irgendwo gelesen. Mittlerweile soll es in unserer Landeshauptstadt ungefähr 2000, darunter auch alte Menschen geben, die in nicht festen Wohnverhältnissen leben. Einige von ihnen sieht man auf der Straße mit einem Einkaufswagen vor sich herschiebend, vollbeladen mit ihrem „Hab und Gut“. Sie sehen nicht alle verwahrlost aus. Die meisten Leute schauen weg, manche beschimpfen sie sogar. Das sind noch die „harmlosen“ Dinge, die zu ihrem Alltag gehören. Sie leben in ständiger Angst vor Übergriffen und Gewalttaten. Ich hatte den Kontakt zu einigen ehemaligen Obdachlosen gesucht, die sich mit dem Verkauf eines Straßenmagazins etwas dazuverdienen und dadurch ihrem Leben wieder Struktur und Sinn geben können. Inspiriert von diesen Begegnungen, bin ich in meinem zweiten Krimi „Anders“ auf das Thema eingegangen und habe inzwischen von einigen Lesern erfahren, dass sie Obdachlose heute mit anderen Augen betrachten. Über diese Rückmeldung habe ich mich sehr gefreut.

  1. Wie bzw. wann finden Sie die Zeit zu schreiben?

Eigentlich bin ich beruflich und privat gut ausgelastet. Das Schreiben ist meine Leidenschaft, für die ich mir zwischendurch die Zeit nehme. Oft erst abends, bis spät in die Nacht, wenn meine Lieben schon im Bett sind. Dann habe ich die meiste Ruhe.

  1. Ist ein weiterer Roman in Arbeit? Wenn ja, verraten Sie uns schon etwas daraus?

Seit Anfang dieses Jahres schreibe ich an meinem dritten Krimi. Die beiden Immobilienmaklerinnen Judy und Saskia, auch Lea, Oliver und die beiden Kommissare bleiben mir und meinen Lesern weiterhin erhalten und werden wieder in einen Kriminalfall verwickelt. In meinem neuen Buch geht es um eine kurze Affäre, die einseitig beendet wird. Die Verlassene versucht ihren Liebhaber zurückzugewinnen, der sich anfangs noch von ihren Bemühungen geschmeichelt fühlt. Ihre Besessenheit und seine Versuche sie zu stoppen, führt zu einer Kettenreaktion, die tödlich endet.

Die Kurzfassung hört sich zwar nach einem altbekannten Muster an, die Handlungsstruktur ist aber in einer völlig anderen Konstellation aufgebaut, als in den üblichen Versionen.

Vielen Dank für die Einladung zum Interview.

Liebe Grüße

Ina Kloppmann

4 comments on “Autoreninterview Ina Kloppmann

  1. Liebe Mia,
    ich bedanke mich noch einmal ganz herzlich für das Interview, es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Zusammensetzung der Coverfotos im „Andy Warhol-Style“ gefällt mir sehr gut.
    Liebe Grüße
    Ina

    1. Liebe Ina, ich bedanke mich ebenfalls. Unser Interview bereichert meinen Blog. Die Zusammenarbeit mit dir war sehr nett! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

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