Amok-Alarm an der Schule – real life!

In der Zeitung steht heute:“ Im großen Saal der Waldorfschule lief am Freitag gerade das Theaterstück „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Plötzlich betraten acht Polizisten den Saal. „Dies ist keine Übung. Nehmen Sie bitte alle die Hände hoch“ , sagte ein Polizist. Die Beamten durchsuchten den Saal.

Davon bekam ich zuhause natürlich nichts mit. Erst als ich kurz nach 12 Uhr auf den Schulparkplatz fuhr, sah ich den Katastrophenfall. Von überall her kamen Mannschaftswagen der Polizei angerast. Kurz darauf war die Straße vor der Schule abgeriegelt. Eine Mobile-Einsatz-Zentrale wurde auf dem Schulparkplatz eingerichtet. Und mittendrin stand ich – und andere Mütter und Väter- und wusste nicht was los war.

Der Zugang zur Schule war bereits gesperrt. Überall verteilten sich die Beamten auf dem Gelände. Endlich, nach ca. 10 Minuten, kam ein Polizist auf uns Eltern zu. Es hieß, es solle sich ein Mann mit einer Waffe in der Schule befinden. Da wurde mir eiskalt. Einer meiner größten Alpträume schien gerade Wahrheit zu werden. Wer kennt sie nicht, die Videos der Columbine High-School, als zwei Schüler nahe Littleton (einem Vorort von Denver) im US-Bundesstaat Colorado 12 Schüler und einen Lehrer ermordeten.

Um 11.50 Uhr hatte ein Schüler gemeldet, dass er eine bewaffnete Person im Schulgebäude gesehen habe. Daraufhin rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an. Vor dem Schulgebäude auf dem Schulparkplatz spielten sich zum Teil dramatische Szenen ab. Es kamen immer mehr Eltern, Tränen flossen. Das Warten auf verlässliche Nachrichten zerrte an den Nerven. Eine Mutter erlitt einen Kreislaufzusammenbruch.

img_3884

Und da – mittendrin unter den vielen Menschen –  stand ich und war einsamer denn je. All meine Gedanken waren bei meinen Kindern. Geht es ihnen gut? Wo sind sie gerade im Moment? Wie groß ist die Gefahr für ihr Wohl, ihr Leben? Sekunden könnten im Zweifelsfall entscheiden, dass mir das, was meine größte Liebe empfängt, weggerissen wird.  Die unglaubliche Angst davor war überwältigend. Als die „Man in Black“ mit Helmen, Schildern und Maschinengewehren in die Schule eindrangen, hätte ich schreien können.

Aber man schreit nicht. Nein, das Gehirn schaltet um auf „Automatik“. Du musst stark bleiben. Für die Kinder da sein, wenn sie raus kommen. Wenn sie hoffentlich gesund dort raus kommen! Du wanderst auf und ab. Redest hier, tröstest da, wischt dir zwischendrin deine Tränen aus den Augen. Wartest!

Rettungswagen kommen. Viele , sehr viele. Deine Angst steigt erneut an. Ist doch etwas passiert? Du lauschst  Richtung Schule. Nichts. Permanent die Angst, es könnten Schüsse fallen. Die Einsatzleitung kreuzt auf einem Plan an, welche Sektoren in der Schule gesichert waren. Immer wieder die Rückmeldung der Beamten: bislang keine verdächtige Person gefunden.  

Dann, nach unendlichen Minuten, oder besser Stunden, die Durchsage: Die Schule wird nun Klasse für Klasse evakuiert. Die erstarrte Elternmasse wird lebendig. Wohin? Wo kommen die Kinder hin? Antwort: in die Berufsschule schräg gegenüber. Hoffentlich passiert jetzt nichts! Und dann wartest du wieder. Bis du dein Kind siehst. Das erste zunindest. Es ist blass, aber gefasst. Du nimmst es an der Hand, ganz konzentriert. Wachsam. Und wartest wieder. Auf dein anderes Kind. Das noch kommen muss. Und endlich ist auch dieses sicher bei dir angekommen. Dann willst du eigentlich weg. Schnell weg. Fort von da, aber es geht nicht. Du musst dich melden. Listen werden erstellt. Jeder Schüler mit Geburtsdatum erfasst. Es dauert wieder Stunden, dann die Durchsage der Polizeieinsatzleitung: „Kinder, die in Begleitung der Eltern sind, dürfen nach Hause gehen“. ENDLICH! 

Warum  ich euch das erzähle? Nicht, um sensationslüstern zu sein. Nein! Ich will euch sagen, lebt bewusst mit euren Liebsten!  Streitet nicht so viel. Vergeudete Zeit, in der ihr miteinander lachen könntet. Nehmt euch Zeit für eure Kinder, egal ob ihre Fragen, Wünsche oder Anliegen gerade nicht zu deinem Alltag passen. Trennt euch nicht mit bösen Worten, denn du weißt nicht, ob es die letzten sind.

img_3885

Gestern wurde mir klar, dass alles in deinem Leben binnen weniger Sekunden anders sein kann! Das war nicht das Onlinespiel „Rainbow“, nein das war das echte Leben! Wir hatten Glück!  

 

10 comments on “Amok-Alarm an der Schule – real life!

  1. Oh Mia, ein Alptraum!
    Gott sei dank ist es gut ausgegangen für euch alle.
    Und du hast so recht- jede Minute mit seinen Liebsten ist kostbar.
    Eine extra Umarmung für dich.
    Viele liebe Grüße

    1. Liebe Nadine, dankeschön. Ich persönlich fühle mich noch nicht „sicher“, denn es ist noch nicht geklärt, was denn nun tatsächlich war. War da einer mit einer Waffe? Wurde alles „nur“ erfunden? Solange das noch offen ist, kann ich nicht wirklich entspannen! Ich hoffe aber, die Polizei kann das bald klären. So ist nun erst einmal alles überstanden… Hoffentlich war das einmalig! Danke für deine liebe Umarmung, das brauche ich jetzt!

  2. Wow, dass ist krass. Wurde dann irgendwann noch aufgelöst wie es zu dem Fehlalarm kam?
    Wenn das z.B. ein Streich war, dann wird das bestimmt richtig teuer und hoffentlich hart bestraft. Die Lebenszeit die einem in der Ungewissheit verloren geht ist ja nicht wieder zu bringen.
    Ich bin froh, dass es „Fehlalarm“ war und niemand zu schaden gekommen ist. Dein Fazit ist richtig, nur braucht es nicht mal so etwas krasses wie den Amoklauf um die Zeit mit den Liebsten zu früh zu beenden. Da reicht ja ein Verkehrsunfall, der deutlich häufiger vorkommt.
    Ich stimme Dir vollkommen zu: „genießt die Zeit mit Euren Liebsten“
    LG,
    Mattes
    PS: Das Videospiel heißt „Rainbow Six“ 😉

    1. Lieber Mattes, danke für deinen ausführlichen Kommentar. Bis jetzt ist noch nichts geklärt. Es heißt, in der kommenden Woche werden die Lehrer und Schüler von de Polizei weiter befragt. Mich stimmt das nicht gerade fröhlich. So werden die Kinder noch länger in der unklaren Situation gehalten, was widerum neuen Stress erzeugen kann.Ich hoffe sehr, dass alles aufgelöst werde kann, denn sonst schwingt ab sofort immer eine Art Unwohlsein mit. Und danke für den Hinweis, wie das Videospiel richtig heißt!

  3. Das ist ein Alptraum für Eltern, Kinder, Schüler und Lehrer… und es kann wirklich heute überall stattfinden und jeden Treffen.
    Ich hoffe, der Vorfall wird geklärt und die Angst kann ausgeräumt werden.
    Wir sollten die Zeit mit unseren LIEBSTEN viel mehr auskosten und LEBEN.
    So viele unscheinbare, alltägliche Dinge, werden in solchen Situationen plötzlich wichtig.
    Heißt es nicht: „Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden“
    Seien wir so klug, und genießen unser Leben mit schönen Dingen und Freundlichkeit und Frieden im Kreise unserer Liebsten!
    Herzliche Grüße,
    Annette

    1. Dankeschön, liebe Annette, deine Worte sind wahr und weise! Der Schock hat sich tief in meinem Inneren eingegraben, obwohl der Alltag weiter geht. Es wird nie wieder an der Schule so sein, wie vor diesem Tag. Ich bete zu Gott, dass es einmalig war!

    1. Ja, liebe Petra, auf diese Erfahrung hätte ich zu gerne verzichtet… Da wurde mir wieder einmal bewusst, wie wertvoll meine Kinder sind.

  4. Oh Mann, der reinste Horror! Man liest sowas nur in der Zeitung oder hört davon im Fernsehen. Aber das einem sowas auch passieren kann. .undenkbar. Bis zu dem Tag, als ich es von dir mitbekommen habe. Hoffe Ihr habt es jetzt einigermaßen verarbeitet! Nach so einem Tag voller Angst, weiß man seine liebsten noch mehr zu schätzen und zu lieben. Auf das so etwas oder ähnliches, nie wieder passiert! !!

    1. Ach, liebe Gisela, Das werde ich nie vergessen. Die Angst, die da bei mir hoch kam, sitzt ganz ganz tief. Das Wissen, dass ich ohnmächtig bin, war am schlimmsten. Aber ich habe auch etwas gelernt: ich kann meine Kinder nicht überall beschützen. Jeder kommt mit einem „Plan“ auf diese Welt, dessen Inhalt nur Gott kennt. Und wenn der Tag des Abschieds kommt, dann kommt er, und ich muss es akzeptieren. So schwer es mir fallen wird!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

20 + 20 =